Wenig Zeit für große Trauer

Anzeichen für Abschied von Rico Schmitt verdichten sich

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Rico Schmitt tröstet Daniel Endres.

Offenbach - Die Tränen nach dem verpassten Aufstieg in die 3. Fußball-Liga sind getrocknet, die Trauer bei den Offenbacher Kickers weiterhin riesig. Von Jörg Moll

Gestern Nachmittag verdichteten sich die Anzeichen, dass Trainer Rico Schmitt beim gemeinsamen Abendessen mit Mannschaft, Präsidium und Geschäftsführung seinen Abschied verkünden wird. „Es ist eine große Trauer da, aber wenig Zeit“, sagte Rico Schmitt am Tag nach dem 1:3 gegen den 1. FC Magdeburg und dem brutal geplatzten Traum von der Rückkehr in die 3. Liga. Der 46-Jährige wollte auch gestern auf Nachfrage unserer Zeitung kein Bekenntnis zu einer Zukunft in Offenbach abgeben. Trotz des gerade im Februar vorzeitig bis 2016 verlängerten Vertrages stehen somit die Zeichen auf Abschied. Schmitts Fazit nach zwei Jahren Aufbauarbeit mit der Meisterschaft ohne Krönung lässt tief blicken. „Was nutzt es uns, dass wir mit 79 Punkten Meister geworden sind“, fragte er: „Fest steht: Wir haben es final nicht geschafft. Und das kreist natürlich im Kopf.“

Schmitt, der laut Medienberichten neben Pavel Dotchev (zuletzt Preußen Münster) ernsthaftester Kandidat auf den Trainerposten beim Zweitliga-Absteiger und Ex-Klub FC Erzgebirge Aue ist, gewährte gestern einen kurzen Einblick in sein Seelenleben. Der OFC-Coach, der seit 21. Februar 2013 im Amt ist, zog dabei auch die Perspektiven in Offenbach ins Kalkül. „Es gibt nur ganz enge Fenster für Sportler und Trainer, in denen sie solche Momente erleben“, meinte er. Wie schwer es ist, zweimal hintereinander einen Spitzenplatz in der Regionalliga zu belegen, zeigt die Statistik. Alle bisherigen Verlierer der Relegationsspiele hatten in der darauffolgenden Saison große Probleme und konnten sich nicht mehr für die Relegation qualifizieren.

OFC-Geschäftsführer David Fischer vermied in der Personalie Schmitt eindeutige Aussagen, verwies aber auf das in den zweieinhalb Jahren gewachsene Vertrauensverhältnis. Und auch auf das bestehende Vertragsverhältnis, das allerdings eine Ausstiegsklausel enthält. „Ich bin zuversichtlich“, meinte Fischer zu den Chancen auf einen Verbleib von Schmitt in Offenbach. Die Zeit drängt, denn schon Ende Juni geht es mit der Vorbereitung auf die am 31. Juli beginnende Saison in der Regionalliga Südwest weiter.

Das OFC-Zeugnis im Rückspiel gegen Magdeburg

Zu den Gedankengängen des Trainers während seines Abwägungsprozesses dürfte auch gehören, welche Möglichkeiten er bei der künftigen Kaderzusammenstellung haben wird. „Man kann ja nicht davon ausgehen, dass wir uns Qualität kaufen können“, gibt er sich keinen Illusionen hin. Stattdessen weiß der Sachse aus den Erfahrungen nach der „Casting-Show“ im Juni 2013: „Es wird nur über viel und harte Tagesarbeit gehen, mit viel Fleiß und Herzblut.“ Kickers-Vizepräsident Peter Roth sprach sich gestern klar für einen Verbleib von Schmitt aus. „Es ist der Wunsch des gesamten Präsidiums, dass er bleibt. Deshalb haben wir ja auch vorzeitig verlängert.“ Roth hofft zudem, „dass wir einen Großteil der Mannschaft halten können“. Zeit zur Trauer bleibt Geschäftsführer David Fischer in diesen Tagen also nicht.

Zuschauer-Ausschreitungen und Trauer beim OFC: Bilder

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