Fischer weist Kritik zurück

Ruhl sieht großes Risiko für Kickers Offenbach

Offenbach - Am Tag nach der großen Abrechnung des Präsidiums von Kickers Offenbach haben die „Angegriffenen“ reagiert. Die teilweise massiven Vorwürfen wurden von den Betroffenen natürlich zurückgewiesen.

Der ehemalige Präsident Frank Ruhl, den der amtierende Vizepräsident Thomas Delhougne als „Heuschrecke“ bezeichnet hatte, und damit ausdrücken wollte, dass sich Ruhl am OFC bereichern will, schickte am Mittwochmorgen um 7.03 Uhr eine Presseerklärung heraus, in der er die „unglaublichen Aussagen“ korrigierte. Ruhl kritisiert, dass nach „bald zwei Jahren Verhandlungen“ plötzlich seine aufgekauften Forderungen in Höhe von 1,4 Millionen Euro angezweifelt werden. Der Verein zwinge ihn „mit der Behauptung Verjährung dazu, den Gerichtsweg zu beschreiten.“ Dies bedeute, so Ruhl, „für den Verein ein enormes Risiko“. Denn wenn Ruhl Recht bekommt, droht dem Verein die Insolvenz.

Dagegen lässt das Präsidium prüfen, ob man Ruhl sogar wegen Amtsmissbrauch belangen kann, da er als Privatmann mit der Übernahme von Schulden Profit aus seinen Kenntnissen als Präsident gezogen haben könnte. Ruhl wiederum hält den Präsidiumsmitgliedern vor, auch sie hätten die Ansprüche der Gläubiger kaufen können. Oberbürgermeister Horst Schneider hat die Vorwürfe, massiv Druck auf den Aufsichtsrat ausgeübt zu haben und Zahlungen der Stadt zurückzuhalten, auf Anfrage unserer Zeitung schon am Dienstagabend zurückgewiesen. Dem hält man von Vereinsseite entgegen, dass der Rücktritt des SBB-Vertreters Christoph Nufer vor der Sitzung des Aufsichtsrates wohl kein Zufall gewesen sei. Es ist nur schwer vorstellbar, wie Präsidium und Stadt sowie Sponsoren nach diesem Machtkampf vernünftig zusammenarbeiten sollen.

Komplett zerstört ist das Vertrauensverhältnis zwischen Präsidium und Geschäftsführer David Fischer. Daran ändert auch die ganz kurzfristig zurückgezogene Kündigung nichts. Zumal Präsident Claus-Arwed Lauprecht und Vizepräsident Delhougne in der Pressekonferenz massive Vorwürfe gegen Fischer erhoben. Der Geschäftsführer habe beim Zulassungsverfahren für die 3. Liga Auflagen und Bedingungen nicht mitgeteilt, habe die Gremien übergangen und alles „im stillen Kämmerlein“ ohne Absprache abgehandelt. Für Fischer haltlose Vorwürfe. Der Geschäftsführer verweist auf eine Pressemitteilung vom 27. Mai. Darin erklärt Kickers-Präsident Lauprecht: „Besonders hervorzuheben ist die gute Zusammenarbeit während des Lizensierungsverfahrens mit dem DFB, unserem Geschäftsführer David Fischer und dem Aufsichtsrat.“

OFC testet gegen Lautern und Mallorca

Nach dem verpassten Aufstieg soll Fischer dann die Meldung der Mannschaft für die Regionalliga vergessen haben. Hätten Alfred Kaminski und Maximilian Bruns (beide Nachwuchsleistungszentrum) nicht eingegriffen, so Delhougne, „würden wir nicht Regionalliga spielen.“ Fischer weist die Darstellung, die Regionalliga-Saison sei gefährdet gewesen, zurück. „Wir konnten die Mannschaft bekanntlich erst nach dem Relegationsspiel am 31. Mai melden. Dafür hatten wir eine Woche Zeit. Gemeldet haben wir bereits am 4. Juni.“ Zwischen Präsidium, Aufsichtsrat (der nach den Rücktritten von Nufer und Jürgen Leschke nur noch aus fünf Mitgliedern besteht) und Fischer ist eine Zusammenarbeit kaum noch vorstellbar. Aber mindestens bis zu der im September geplanten Mitgliederversammlung mit Neuwahlen müssen die verfeindeten Lager miteinander auskommen. Auf die Frage, wie das funktionieren soll, antwortete Fischer: „Wir alle sollten alle Kraft in Kickers Offenbach stecken und persönliche Eitelkeiten bei Seite schieben.“ Genug zu tun gibt es auf alle Fälle. (joko)

Rubriklistenbild: © Huebner/Roith

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