Dr. Frank Ruhl im Interview

„Wieder Rücktritt vom Rücktritt“

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Dr. Frank Ruhl

Offenbach - Ende Mai war Dr. Frank Ruhl in den Augen von Thomas Kalt noch „ein Mann, der uns helfen wird“. Von Christian Düncher

Gestern bezeichnete der zurückgetretene Geschäftsführer der Offenbach Kickers den designierten neuen Vereinspräsidenten auf einer Pressekonferenz als charakterlich untragbar. Zudem entzog ihm das aktuelle Präsidium das Vertrauen. Der im Urlaub weilende Ruhl erfuhr davon erst im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Ruhl, wie bewerten Sie die jüngsten Entwicklungen bei den Offenbacher Kickers?

Wenn Herr Kalt für das Amt des Präsidenten kandidiert, ist das absolut zu begrüßen. Dann gibt es offene Karten. Neu ist das allerdings nicht. Den Rücktritt vom Rücktritt gab es bei ihm ja schon einmal. Diesmal ist es halt eine andere Variante. Dazu soll sich aber jeder seine eigene Meinung bilden.

Thomas Kalt warf Ihnen einen respektlosen Ton vor, der eine Zusammenarbeit unmöglich mache. Wie stehen Sie dazu?

Meinungsverschiedenheiten sind doch selbstverständlich, die muss man ausdiskutieren. Ich vermute mal, Herr Kalt wurde bisher nicht mit gewissen Sachen konfrontiert. Aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Das erwarten auch die Investoren und Geldgeber. Ich sehe – wie einige andere auch – gewisse Fehlentwicklungen. Und da muss es erlaubt sein, das offen anzusprechen. Es kann ja nicht sein, dass ein Mann in einem Verein alles alleine entscheidet.

Ein weiterer Vorwurf Ihnen gegenüber lautet, Sie hätten Interna nach außen getragen.

Das bezieht sich auf die Pressemitteilung zum Rücktritt von Herrn Kalt. Da war vereinbart, dass es keinen Kommentar gibt, und da gab es von mir auch keinen. Ich bin allerdings an keinerlei Gremiums-Vereinbarung gebunden, weil ich kein Mitglied eines Gremiums bin. Richtig ist, dass ich darum gebeten hatte, den Senatoren-Klub informieren zu dürfen. Dem wurde auch zugestimmt. Man kann die Senatoren, die sich stark für den Verein engagieren, ja nicht außen vor lassen.

Thomas Kalt berichtete zudem von dem Gerücht, dass Sie ihn entmachten wollten und dies nicht dementiert hätten.

Was soll ich mit dieser Aussage anfangen? In einem Klub gibt es viele Gerüchte. Aufgabe eines professionellen Managers ist es, diese zu ignorieren. Es gab ein klares Dementi von mir. Aber Herr Kalt wollte eine uneinschränkte Vertrauenserklärung, die auch für die Zeit nach der Präsidentenwahl gelten sollte. Das war aber unmöglich - auch aus juristischen Gründen. Ich habe ihm gesagt, dass man erst analysieren und danach Sach- und Peronalentscheidungen treffen muss.

War es rückblickend betrachtet ein taktischer Fehler, dass Sie am Tag der Sitzungen von Aufsichts- und Verwaltungsrat nicht in Offenbach waren?

Nein, das war kein Fehler. Ich hätte ohnehin nicht als Gast an der Aufsichtsratssitzung teilnehmen können, da ich nicht mehr Sprecher des Senatoren-Klubs bin. Weil ich Präsidentschaftskandidat bin, hatten wir einen neuen Sprecher gewählt. Jürgen Bauer. Er nahm an der Sitzung teil.

Werden Sie weiter für das Präsidentenamt kandidieren?

Ja, auf jeden Fall. Und je früher die Mitgliederversammlung stattfindet, desto besser. Sollte es zwei Kandidaten geben, wäre das absolute okay. Wir leben ja in einer Demokratie. Dann kann jeder die Gründe, warum er für das Amt kandidiert, offen ansprechen. Und die Mitglieder können entscheiden. Ich vermute, sie sehen auch die vielen Fehlentwicklungen. In sportlicher Hinsicht geht es nicht voran. Und die Lizenz haben wir im letzten Moment erhalten. Ich habe Respekt vor Herrn Kalt, aber ich wundere mich, dass er sich nicht direkt für eine Kandidatur entscheiden kann.

Befürchten Sie, dass die Vorwürfe, die gegen Sie erhoben wurden, sich negativ auswirken könnten auf Ihre Chancen, Präsident zu werden?

Das müssen die Mitglieder entscheiden. Meine Kandidatur steht – weil ich mich an der Sache orientiere und zudem überzeugt davon bin, dass ich zusammen mit anderen die Kickers finanziell auf die Beine bringen kann. Und jedem Fan dürfte klar sein, dass dies die Voraussetzung für sportlichen Erfolg ist.

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