„Wir sind keine Wohlfühloase“

Nach Pokal-Aus: OFC-Verantwortliche richten deutliche Worte an Spieler 

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Frostige Stimmung nach dem Pokal-Aus: Trainer Daniel Steuernagel warf dem Team vor, lange nicht die nötige Leidenschaft gezeigt zu haben. Links: Maik Vetter, der die Chance zum 2:2 vergab.

Offenbach - Raus aus dem Hessenpokal und in der Liga zehn Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter: Die Offenbacher Kickers hatten sich die Saison anders vorgestellt. Im Umfeld mehrt sich die Kritik – auch am Trainer. Doch der wird von den Verantwortlichen ausdrücklich verteidigt. Stattdessen nehmen sie die Spieler in die Pflicht. Von Christian Düncher 

„OFC trennt sich von Daniel Steuernagel – Boysen vor Rückkehr“, so lautet der Titel einer Meldung, die gestern im Internet die Runde machte und für rege Betriebsamkeit sorgte. Auch unsere Redaktion erreichten hierzu einige Anfragen – sogar von einem Ligarivalen der Offenbacher Kickers. Letztlich waren es nur „Fake-News“. Dass so viele Leute der Unwahrheit Glauben schenkten, sagt jedoch viel über die Situation beim OFC aus.

Nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus im Hessenpokal gegen den nur mit seiner zweiten Garde angetretenen Außenseiter SC Hessen Dreieich und schon zehn Punkten Rückstand in der Regionalliga Südwest auf Spitzenreiter SV Waldhof Mannheim stellt sich die Frage, welche Ziele und Perspektiven die Kickers diese Saison noch haben und welche sie kommende Saison haben werden. Ohne zusätzliche Einnahmen aus dem DFB-Pokal oder einem lukrativen Testspiel wird es der OFC jedenfalls schwer haben, seinen Etat zu erhöhen. Doch genau das wäre nötig, um im Kampf um den Aufstieg konkurrenzfähig zu werden.

„Jeder Spieler weiß, was für eine Tradition der Pokal bei Kickers Offenbach hat und dass der Wettbewerb für den Verein sehr wichtig ist“, hatte Kapitän Benjamin Kirchhoff am Dienstagabend nach der 1:2-Pleite betont. Die Mannschaft agierte auf dem Platz jedoch lange nicht entsprechend. Erst als es 0:2 stand, schaltete der OFC in den Pokalfight-Modus. Zu spät. Für OFC-Trainer Daniel Steuernagel war das „nicht verständlich“, er fand den Auftritt „total enttäuschend“, gerät allerdings auch selbst zunehmend in die Kritik, weil sein Team keine Mittel gegen defensive Gegner findet und bei Kontern extrem anfällig ist.

Sportdirektor Sead Mehic und Geschäftsführer Christopher Fiori stellten sich gestern aber demonstrativ hinter den Trainer und stärkten ihm den Rücken. Bei einer gemeinsamen Sitzung vor dem Training richteten sie deutliche Worte an das kickende Personal. „Wir nehmen die Spieler in die Pflicht“, sagte Fiori. „Manche träumen davon, weiter oben zu spielen. Aber sie sollten erst mal das umsetzen, was sie jeden Tag eingetrichtert bekommen.“

Dreieich bezwingt OFC im Hessenpokal: Bilder und Video

Der Geschäftsführer verwies auf die „professionellen Strukturen“, die der OFC den Spielern biete. Doch von denen komme zu wenig zurück. „Unser Co-Trainer Max Lesser ist 14 Stunden am Tag da und macht Videoanalysen vom Allerfeinsten. Aber einige Spieler sehen die Aufstellung des Gegners und denken, dass man das Spiel locker gewinnt“, so Fiori.

Sofern sich an dieser Einstellung nichts ändert, werde man „dem einen oder anderen Spieler sagen, dass er sich im Winter Gedanken über einen Vereinswechsel machen kann“. Dem Geschäftsführer zufolge solle „der Trainer den Ton verschärfen“. Denn: „Wir sind keine Wohlfühloase.“

Am Ende schlug Fiori aber versöhnlichte Töne an. „Wir wurden bislang von keinem Gegner dominiert. Aber ein Spiel wie gegen Dreieich darf man nicht verlieren“, haderte er und forderte nun Taten von den Spielern. „Wenn wir versuchen wollen, oben ranzurücken, bringen uns Unentschieden nichts. Bevor wir aber über den Aufstieg reden, müssen wir die Fans wieder überzeugen.“ Die erste Chance bietet sich am Samstag ab 14 Uhr beim VfB Stuttgart II.

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