Reaktion auf Talfahrt? 

Taumelnde Kickers: Ex-Profi als neuer Sportchef und Geschäftsführer gehandelt

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Thomas Sobotzik (rechts) bildete als Sportdirektor mit Trainer David Bergner (links) beim Chemnitzer FC ein erfolgreiches Duo und sah sich zuletzt auffallend oft OFC-Spiele an. Er könnte diese Funktion auch in Offenbach übernehmen. Mit Bergner? Beide traten Anfang September in Chemnitz zurück, stehen dort aber noch unter Vertrag. Foto: imago

Kickers Offenbach (OFC) ist in der Krise. Die Vereinsführung reagiert nun offenbar mit einem neuen Sportchef. 

Offenbach – Moritz Hartmann meidet derzeit den Blick auf das Klassement der Fußball-Regionalliga Südwest. „Auf die Tabelle muss man nicht schauen“, meint der Angreifer der Offenbacher Kickers. Kein Wunder: Der OFC hat die Hinrunde auf Platz zehn beendet mit nur vier Punkten Vorsprung auf den ersten potenziellen Abstiegsrang. Das ist ernüchternd und besorgniserregend zugleich. Hartmann versucht aber, das auszublenden: „Ich sehe eher die Entwicklung, wie wir uns präsentieren.“ Und das seiin Gießen trotz des mageren 1:1 „klar besser“ gewesen als zuletzt. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der Gegner deutlich schwächer war als die Kontrahenten in den Wochen zuvor.

Kickers Offenbach (OFC): Wird Thomas Sobotzik der neue Sportchef?

Von einer Trendwende zu reden, wäre also falsch. Dessen sind sich auch die Verantwortlichen des OFC bewusst. Zwar hatte Präsident Joachim Wagner Interimstrainer Steven Kessler erst kürzlich bescheinigt, eine gute Arbeit zu machen. Der Vereinsführung ist jedoch inzwischen klar geworden, dass man dem Trainer, der parallel immer noch bei der U19 mitmischt, keinen Gefallen damit tut, ihn in dieser Situation alleine zu lassen. Offiziell hat Kessler nur den Job von Daniel Steuernagel übernommen, mit dem aber auch dessen Assistent Max Lesser sowie Sportdirektor Sead Mehic gehen mussten. 

Dass die Rechnung auf Dauer nicht aufgehen kann, muss jedem klar sein. Der 44-Jährige gab dem Team zwar etwas mehr Struktur und belebte anfangs das Flügelspiel, die jüngste Entwicklung gibt aber Anlass zur Sorge.

Kickers Offenbach (OFC): Mannschaft seit fünf Partien unter Kessler sieglos 

Nach dem guten Einstand mit sieben Punkten aus drei Spielen sind die Kickers unter Kessler nun seit fünf Partien sieglos, holten in dieser Zeit lediglich zwei Punkte. Bloß der Vorletzte TSG Balingen weist eine schlechtere Bilanz auf. Kessler kann alleine gar nicht alle Baustellen bearbeiten. Die Videoanalyse, für die Lesser unter Steuernagel zuständig war, lag anfangs geradezu brach. Plötzlich gab es Mängel beim Verteidigen der gegnerischen Standards. 

Die Trainingssteuerung scheint nicht mehr zu stimmen, wie die sich häufenden muskulären Probleme (Pezzoni, Albrecht) und konditionellen Defizite einiger Akteure naheliegen. Dass man sich zuletzt gezwungen sah, gegen einen Spieler eine Disziplinarmaßnahme zu verhängen, lässt ebenfalls tief blicken.

Die Vereinsführung wird nun offenbar reagieren. Sie hält zwar am Plan fest, erst in der Winterpause den neuen Trainer zu präsentieren (weil der Kandidat noch unter Vertrag steht?), dafür soll kurzfristig ein Sportchef kommen. Als heißer Kandidat gilt Thomas Sobotzik. Der ehemalige Profi (135 Erst-, 130 Zweitligaspiele, u.a. für Eintracht Frankfurt und St. Pauli) war zuletzt auffallend oft bei OFC-Spielen als Zuschauer zu Gast, sah unter anderem die Partien beim TSV Steinbach und gegen TuS RW Koblenz. Auch in Gießen soll er zuletzt gewesen sein. 

Kickers Offenbach (OFC): Morddrohungen gegen Thomas Sobotzik in Chemnitz

Für ihn spricht, dass er als Vorstandsmitglied für Sport und Finanzen maßgeblich daran beteiligt war, den Chemnitzer FC trotz eines laufenden Insolvenzverfahrens von der Regionalliga in die 3. Liga zu führen. Beim OFC könnte er kurzfristig Kessler entlasten, sich einen Überblick übers Personal verschaffen und die Trainersuche forcieren.

Am 4. September 2019 gab Sobotzik den Rücktritt von seinen Ämtern beim Chemnitzer FC bekannt, nachdem er von rechtsextremen Teilen der Fanszene massiv angefeindet worden war und auch Morddrohungen erhalten hatte. Der 45-Jährige müsste den Vertrag dort erst auflösen, das könnte den Sachsen jedoch entgegen kommen, die ihrerseits angekündigt haben, bis zur Winterpause einen neuen Sportdirektor präsentieren zu wollen. Gut möglich, dass Sobotzik auch gleich als kommender Geschäftsführer eingearbeitet wird. Der aktuelle, Andreas Herzog, hatte angedeutet, nach einem Jahr wieder in seinen Job als Manager des städtischen Stadions zurückkehren zu wollen.

Von Christian Düncher 

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