KICKERS Der finnische Neuzugang Felix Ferahyan hatte noch keine Möglichkeit, sich zu beweisen

Yogamatte, Hanteln und Läufe statt Torwarttraining

Ausgebremst. Kickers-Neuzugang Felix Ferahyan muss noch einige Wochen auf Training und mögliche Spieleinsätze verzichten. Der Deutsch-Finne ist „als Zehnjähriger ins Tor, weil ich kein gute Dribbler und auch nicht besonders schnell war.“

Offenbach – Die Yogamatte hatte Felix Ferahyan schnell gefunden. „Jetzt suche ich noch die alten Hanteln“, sagt der Torwart des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, der ebenso wie seine Mitspieler nach der Aussetzung des Trainingsbetriebs individuell zu Hause trainiert. VON CHRISTIAN DÜNCHER

„Auch laufen kann man ja draußen, wenn man es mit Bedacht macht und Abstand hält. “.

Zu Hause - das ist für Ferahyan aktuell Wiesbaden, wo der 21-Jährige bei seinem Vater wohnt. Das Pendeln zum Training nach Offenbach fällt nun erst mal weg. Zeit, die der gebürtige Göppinger eigentlich nutzen könnte, um die Suche nach einer Wohnung in Offenbach zu intensivieren. Doch auch hier machen sich die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie bemerkbar. „Es werden gerade viel weniger Wohnungen im Internet angeboten. Vor zwei Wochen waren es noch 20 neue pro Tag. Doch offenbar hat niemand mehr Lust, Besichtigungen zu machen“, berichtet Ferahyan.

Der 1,93 Meter große Schlussmann ist erst seit dem 26. Januar beim OFC unter Vertrag, stand noch kein einziges Mal im Kader - und nun droht das vorzeitige Ende der Saison. „Das wäre nicht nur für mich bitter, fast die komplette Mannschaft ist ja neu. Keiner weiß, wie es jetzt weitergeht. Wir müssen abwarten.“ Und von Tag zu Tag entscheiden, hatte Trainer Angelo Barletta gesagt. Für Ferahyan stellt sich die Entwicklung sogar noch dynamischer dar: „Stunde für Stunde gibt es etwas Neues.“

In seiner zweiten Heimat Finnland ist die Situation noch nicht so dramatisch. „In dem Bundesland aus dem ich komme, gibt es nur drei Corona-Fälle. Das ist im Vergleich zu anderen Ländern ja Kindergarten“, meint der Torhüter, dessen Mutter in Finnland lebt. „Ich telefoniere und schreibe mit ihr. Die Lage ist dort noch ruhig. Finnland ist im Vergleich zu Deutschland klein, hat lediglich 5,5 Millionen Einwohner. Trotzdem wurden auch dort die Grenzen gesperrt und das öffentliche Leben eingeschränkt.“

In Finnland hatte Ferahyan zuletzt bis Sommer beim Zweitligisten Ekenäs IF (rund 90 Kilometer westlich der Hauptstadt Helsinki) unter Vertrag gestanden. „Das ist vom Niveau her vergleichbar mit der Regionalliga in Deutschland“, erklärt der junge Schlussmann. „Ich hatte dort leider nicht so viel Spielzeit, kam bloß ein paar Mal im Pokal zum Einsatz, aber nicht in der Liga.“ Daher entschied er, sein Glück erneut in Deutschland zu suchen, wo er als Jugendlicher bereits für den 1.FC Kaiserslautern, die Frankfurter Eintracht (U17) und den SV Wehen Wiesbaden (U19) aktiv war.

Vor ein paar Monaten spielte Ferahyan beim Drittligisten Waldhof Mannheim vor, dessen Torwarttrainer Dennis Tiano einst im Nachwuchsbereich des OFC tätig war. Den Kontakt nach Offenbach stellte aber ein Berater her, betont Ferahyan. Die Kickers nahmen den Deutsch-Finnen, der unter die U23-Regel fällt, nach einem mehrtägigen Probetraining für anderthalb Jahre unter Vertrag. „Ich denke, dass meine Chancen in der Regionalliga größer sind als in der 3. Liga“, sagt Ferahyan, der bislang aber die klare Nummer drei hinter Stammtorwart Dominik Draband sowie dessen Stellvertreter Mario Seidel ist und noch nicht im Spieltagskader stand.

„In den Testspielen waren meine Leistungen ganz ordentlich, ich konnte der Mannschaft helfen. Aber Drabi ist sehr stark und sehr stabil. Da gibt es keinen Grund, zu wechseln. Ich hatte in der Kürze der Zeit noch nicht die Möglichkeit, mich zu beweisen“, beschreibt der Schlaks seine Situation. „Ich habe beim OFC bislang nur meine ersten Schritte gemacht, werde aber weiter Gas geben.“ Ab wann er das wieder auf dem Trainingsplatz machen darf, ist allerdings unklar. Vorerst muss sich Ferahyan mit Läufen, Yogamatte und Hanteln begnügen.

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