Großer Zuspruch bei Darts-WM

3000 Deutsche singen für einen Niederländer

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Darts-Weltmeister: Die Engländer Phil Taylor (links) und Adrian Lewis jubeln nach ihrem Finalsieg in Frankfurt.

Frankfurt - Während der viertägigen Darts-Team-Weltmeisterschaft schlenderte Werner von Moltke im T-Shirt und von der Masse unerkannt durch die Frankfurter Eissporthalle. Von Jürgen Rollmann 

Erst bei der Siegerehrung, mittlerweile im schicken Anzug, stand der 45-Jährige auf der Bühne im Scheinwerferlicht und überreichte in seiner Funktion als Präsident der Professional Darts Corporation (PDC) Europe den WM-Pokal an Gewinner und Titelverteidiger England. Superstar Phil „The Power“ Taylor und sein Partner Adrian „Jackpot“ Lewis freuten sich wie kleine Jungs über ihren 3:2-Sieg gegen die Niederlande mit Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld. Beide erhalten je 32. 500 Euro Prämie, die Verlierer je 17.000 Euro. Insgesamt war das Turnier mit 325.000 Euro dotiert. Die deutschen Spieler Max Hopp und Jyhan Artut, die schon in der ersten Runde an den starken Australiern scheiterten, erhalten immerhin noch je 2 000 Euro. Gelder, die Werner von Moltke mittlerweile locker ausschütten kann.

2007 hatte er seinen sicheren Job als Verlagsleiter aufgegeben und war ins Dartsgeschäft eingestiegen. Als Lizenznehmer der PDC veranstaltet er mittlerweile zwölf Turniere, davon acht in Deutschland. „Am Anfang haben mir viele Bekannte einen Vogel gezeigt, aber im Nachhinein betrachtet habe ich wohl rechtzeitig bei der PDC in England gefragt, ob ich noch mitfahren darf“, sagt von Moltke schmunzelnd, der mit sieben Mitarbeitern von München aus agiert.

Dass sich für ihn die Reise gelohnt hat, steht außer Frage. Darts ist mittlerweile ein Millionengeschäft, das hohe Einschaltquoten garantiert. Die Frankfurter Darts-WM wurde in mehreren Ländern live im TV übertragen. Der deutsche Sender Sport1 berichtete 20 Stunden live. Dazu kommen Sponsor- und Zuschauereinnahmen. In Frankfurt kostete eine Einzelsession 29 Euro, das Tagesticket (zwei Sessions) zwischen 49 und 57 Euro, das VIP-Ticket 150 Euro: Samstag und Sonntag war die Eissporthalle mit 3200 Zuschauern pro Session ausverkauft, insgesamt pilgerten über 16.000 Darts-Fans an den Ratsweg.

„Über 3000 Deutsche singen für einen Niederländer oder einen Engländer, das gibt es bei keiner anderen Sportart“, erklärt von Moltke die Faszination Darts, die hierzulande auch ohne deutsche Weltklassespieler funktioniert. Mit einer neuen Turnierserie will von Moltke den deutschen Nachwuchs fördern und hofft, dass in absehbarer Zeit ein Lokalmatador den Abstand zu Taylor und Co. verringern kann.

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