Handball

Acht-Stufen-Plan des DHB lässt bei der HSG Nieder-Roden Zweifel aufkommen

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Körperkontakt im Vorder- und Hintergrund: Johannes von der Au (rechts) und seine Kollegen von der HSG Rodgau sollen dennoch im September wieder vor Publikum spielen.

Laut Deutschem Handball-Bund (DHB) soll ein normaler Spielbetrieb für Amateure ab 1. September möglich sein, sogar mit Zuschauern.

Offenbach – So steht es im Acht-Stufen-Plan des DHB zur Wiederaufnahme des Handballsports der Amateure, der den Sportlern eine Perspektive geben soll. Die Saison 2020/21 könnte demnach normal beginnen.

„Das wäre fantastisch. Allein, mir fehlt noch ein bisschen der Glaube, dass dies möglich sein wird“, sagt René Marzo, Vorstandssprecher der HSG Rodgau Nieder-Roden, der größten Handballspielgemeinschaft im Kreis Offenbach: „Momentan soll jeder eineinhalb Meter Abstand halten und im September sollen zum Drittligastart 600 Zuschauer auf engstem Raum bei uns in der Halle sitzen dürfen? Das kann ich mir schwer vorstellen.“

Während der ersten beiden Stufen des -Konzepts „Return to play“ sollen Handballer autonom und individuell trainieren, in Stufe drei in Gruppen mit bis zu fünf Sportlern ohne Zweikämpfe – und bis hierhin alles draußen unter freiem Himmel. Ab Stufe vier soll es dann aber auch wieder in die Hallen gehen, zunächst in Kleingruppen, später in Mannschaftsstärke, aber immer noch ohne Zweikämpfe. Die sollen im sechsten Schritt erlaubt werden, möglichst ab 1. Juli. Im August sollen Testspiele ohne Zuschauer möglich sein, ab September in Stufe acht der ganz normale Spielbetrieb.

„Das Konzept liest sich ja ganz schön, dürfte aber nicht leicht umzusetzen sein“, sagt Marzo, „Handballtraining für Jugendliche mit Abstand zum Beispiel ist für mich schwer vorstellbar.“

Zusätzlich sind in den Hallen spezielle Hygiene-Maßnahmen vorgesehen. So sollen Umkleideräume geschlossen bleiben, die Sportler sollen sich außerhalb der Hallen umziehen und duschen. Toilettengänge sollen ebenso vermieden werden wie Körperkontakt beim Händeschütteln, bei Hilfestellungen der Trainer, aber auch beim Jubeln oder Trauern – so steht es in dem 23-seitigen DHB-Konzept.

Dazu stehen die Pläne unter zwei großen generellen Vorbehalten: Sobald Infektionsverdachtsfälle bestehen oder Erkrankungen zu verzeichnen sind, soll eine vollständige Neubewertung der Einstufung vorgenommen werden. Und bis vor einiger Zeit war auch nicht absehbar, wann die Kommunen die Hallen öffnen würden. „Die Stadt Rodgau hatte uns erklärt, dass die Sporthallen mindestens bis 31. Mai geschlossen bleiben“, berichtet Marzo. Bis jetzt halten sich die etwa 320 HSG-Handballer aus 16 Teams allenfalls individuell unter freiem Himmel oder in der Wohnung fit.

Dabei hätte es laut jüngstem Beschluss der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder eigentlich auch bis mindestens Anfang Juni bleiben sollen. Das DHB-Konzept hätte damit der Realität um mindestens drei Wochen hinterhergehinkt.

Dann aber preschte Nordrhein-Westfalen vor, öffnete Fitnessstudios und Sporthallen. Und Hessen zog mit. Auf einmal wurde nicht mehr nur Freiluftsport gestattet, sondern auch Sport in Hallen. Und nun sollen auch in Rodgau die Sporthallen geöffnet werden. „Bei uns muss der Verwaltungsstab entscheiden. Aber wir werden sicher die Entscheidung des Landes umsetzen“, erklärte Stadtsprecherin Laura Klein.

Es bleibt allerdings abzuwarten, welche Auswirkungen die Sporthallenöffnungen und die generell zunehmenden Lockerungen der Restriktionen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie auf das Infektionsgeschehen haben werden. Daher bleibt auch der erhoffte Saisonstart im September ungewiss.

VON STEFAN MORITZ

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