VfR Meerholz fordert nach Corona-Ausbruch im Verein Saisonabbruch / Vorsitzender hatte schon im August Zweifel

„Alles wird auf dem Rücken der Ehrenamtler ausgetragen“

Gelnhausen – Nach dem Corona-Ausbruch beim VfR Meerholz mit sechs Infizierten hat der Verein den Hessischen Fußball-Verband (HFV) in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die aktuelle Saison auszusetzen: „Wir fordern den HFV dazu auf, die Entscheidung zur Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs sofort zu überdenken und mit einer Entscheidung zur Aussetzung der Saison die vielen ehrenamtlichen Helfer der Vereine aus ihrer derzeitigen Drucksituation und dem damit verbundenen Entscheidungsdilemma zu befreien“, findet der Klub deutliche Worte.

Der Vorsitzende Klaus Brune legte gegenüber dem HANAUER ANZEIGER noch einmal genauer dar, worum es dem Klub geht: „Der HFV hat von März bis August einen herausragenden Job gemacht und ein sauberes Konzept vorgelegt, mit dem so ein Ausbruch wie jetzt für das Gesundheitsamt in den Griff zu kriegen ist“, sagt Brune. „Aber was wir nicht in den Griff kriegen, ist, welcher Belastung wir die ehrenamtlichen Menschen aussetzen, die für die Vereine die Spiele organisieren. Von diesem Druck möchten wir gerne befreit werden.“

Schon im August plagten die Verantwortlichen des VfR Meerholz Zweifel, ob sich ein Spielbetrieb in der gegenwärtigen Situation realisieren lassen würde. Damals bat der Klub den Klassenleiter, ein Meinungsbild einzuholen. Das eindeutige Ergebnis: Nur ein anderer der 46 Vereine aus dem Fußballkreis Gelnhausen stimmte laut Brune für eine Verschiebung der Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Meerholz entschied sich vor dem Hintergrund der drohenden Konsequenzen, die eine Nichtteilnahme an der Saison mit einem direkten Abstieg gehabt hätte, trotz aller Bedenken in die neue Runde zu starten. Brune spricht von einer „auf die Brust gesetzten Pistole“ und der Wahl zwischen „Pest und Cholera“.

„Wir waren mit einem sauren Gefühl im Magen dabei und haben auf das Hygienekonzept gesetzt – wohl wissend, dass damit aber nur die Verbreitung verhindert und die schnelle Nachverfolgung ermöglicht wird, nicht aber die Gefahr gemindert. Wir haben mitgemacht und kreiden uns das heute auch an“, sagt Brune.

Dass es nun ausgerechnet als ersten Verein den VfR traf, werde sicherlich bei einigen den Gedanken hervorrufen, dass der Klub nach dem unzufriedenstellenden Abstimmungsergebnis seinen Willen nun auf diese Weise bekommen wollte. Aus diesem Grund habe Brune lange mit seinen Vorstandskollegen geprüft hat, ob das Hygienekonzept korrekt umgesetzt wurde. Im Raum stünde die Frage, wie sich das Virus beim ersten Punktspiel am 6. September ausbreiten konnte.

Ein Fehlverhalten der eigenen Spieler schließen die Verantwortlichen aus. „Wir haben das Hygienekonzept nach bestem Wissen und Gewissen vollumfänglich umgesetzt. Unsere Spieler haben es vorbildlich mitgetragen, und wir haben keinen Anlass, ihr Verhalten in irgendeiner Weise in Zweifel zu ziehen“, heißt es im Brief des Gelnhäuser Kreisvereins.

Brune erklärt zudem: „Wir glauben, dass eine kämpferische, schweißtreibende Sportart mit Elf gegen Elf und direktem Körperkontakt nicht in die Corona-Zeit passt. Und unser großer Vorwurf ist, dass das auf dem Rücken der Ehrenamtler ausgetragen wird. Sie sollen entscheiden, ob sie dieses Risiko organisieren. Und von dieser Entscheidung sollte man sie bitte entlasten.“

Bislang gehe allen Infizierten gut, so Brune. Dem Klub machen aber auch andere Aspekte Sorgen: „Wir haben die Tochter eines am Rande betroffenen Vereinsmitglieds, bei der jetzt die Verschiebung einer seit Langem geplanten Operation im Raum steht. Wir haben Spieler und Vereinshelfer, die aufgrund der notwendigen Quarantäne Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen. Und wir haben ehrenamtliche Helfer, die als Risikopersonen jetzt mit der Angst leben, in den Strudel hineingerissen zu werden.“

Welche Maßnahmen der Klub nach dem Ende der Quarantäne ergreifen wird, falls die Saison nicht ausgesetzt werden sollte, steht noch nicht fest. „Es gibt verschiedene Szenarien, über die wir nachdenken“, sagt der Vorsitzende.

Der Forderung des VfR, die Saison vorerst auszusetzen, haben sich Brune zufolge vier weitere Klubs aus dem Kreis Gelnhausen angeschlossen, was auch daran liegen könnte, dass es wohl noch einen weiteren Ausbruch gab, wie die Meerholzer in ihrem offenen Brief schreiben: „Nach unserer Erkenntnis gibt es mindestens einen weiteren Fall im Fußballkreis Gelnhausen, der in keinem Zusammenhang mit den bei uns betroffenen Personen steht.“

Von David Lindenfeld

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