HESSENLIGA

Auf diesem Niveau noch nicht erlebt: Hanau-93-Torjäger Varol Akgöz erklärt seinen fulminanten Viererpack

Viermal jubelte Varol Akgöz: Der Stürmer des FC Hanau 93 schoss beim 4:1-Sieg gegen den FV Bad Vilbel alle Hanauer Tore.
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Viermal jubelte Varol Akgöz: Der Stürmer des FC Hanau 93 schoss beim 4:1-Sieg gegen den FV Bad Vilbel alle Hanauer Tore.

Viel Zeit, die Euphoriewelle zu reiten, blieb Varol Akgöz nicht. „Wenn man zwei Kinder hat, kommt man ganz schnell wieder auf andere Gedanken“, sagt der Stürmer vom FC Hanau 93, der mit vier Toren beim 4:1-Sieg am Dienstagabend gegen den FV Bad Vilbel der alles überragende Mann im 93er-Dress war.

Hanau – Nur wenn er am Mittwoch zwischendurch wieder eine der zahlreichen Nachrichten öffnete, die ihn auf seinem Handy erreichten, dachte er für einen kurzen Moment wieder an das zurück, was ihm am Abend zuvor in der Hessenliga gelungen war: Vier Treffer, zwei in der ersten und zwei in der zweiten Halbzeit – das hatte auch der 33 Jahre alte Torjäger in seiner Karriere auf diesem Niveau bisher noch nicht erlebt.

Etwas Besonderes zum Frühstück gab es im Hause Akgöz am Dienstag aber nicht. „Aber ich hatte ehrlich gesagt vor dem Spiel schon ein sehr gutes Gefühl, weil ich mich mental und körperlich gut vorbereiten konnte. Und ich habe deshalb auch zu meinen Freunden gesagt, die zum Zuschauen gekommen sind, dass das heute eine gute Leistung wird.“ Eine frühe Fokussierung auf die Partie, viele Ruhephasen, ein Spaziergang, die richtige Ernährung: In der Vorbereitung auf das Spiel am Abend passte bei Akgöz am Dienstag alles – auch, weil sich seine Frau um die Kinder kümmerte.

Hanau 93 zeigte sich im zweiten Saisonspiel von einer anderen Seite

Drei Tage nach der ersten Begegnung der Saison und dem eher ernüchternden 0:0 gegen den FSV Fernwald zeigten die Hanauer gerade offensiv ein ganz anderes Gesicht – nicht mehr so statisch, wie es Spielertrainer Michael Fink nach der Fernwald-Partie ausgedrückt hatte, und mit einem glänzend aufgelegten Torjäger, der trotz einer guten Leistung noch Verbesserungspotenzial bei der Mannschaft sieht: „Wir waren von Anfang da und hätten sogar noch besser spielen können. Das ist das Erfreuliche. Dass wir weiter daran arbeiten können, noch zielstrebiger zu werden und noch konsequenter im Torabschluss. Wir haben auf jeden Fall noch Luft nach oben.“

Dass der Sieg von großer Bedeutung für die Hanauer war, merkte man Akgöz an, dessen erstes Heimspiel für den FC Hanau 93 genau genommen ja eigentlich ein Auswärtsspiel war, da auf dem Kunstrasen in Hochstadt gespielt wurde.

Nun dürfte erst mal wieder etwas Ruhe einkehren nach den turbulenten letzten Wochen, die durch Corona und das zwischenzeitlich ausgesprochene Wettkampfverbot ausgelöst worden war und auch an den Spielern nicht spurlos vorübergegangen ist: „Als Fußballer wird man ja verrückt, wenn man immer nur trainiert. Und dann auch noch ohne Körperkontakt und Zweikämpfe. Das ist mental nicht einfach und hat sich auch gegen Fernwald bemerkbar gemacht. Zum Glück waren es nur zwei Wochen“, erklärt Akgöz.

Akgöz kam von Dreieich zu Hanau 93

Der 33-Jährige, der im Winter vom SC Hessen Dreieich zu den Hanauern gekommen war, scheint mit seinem Viererpack endlich in der Brüder-Grimm-Stadt angekommen zu sein. Und der in Fulda geborene Angreifer mit türkischen Wurzeln dürfte, sofern er fit bleibt und an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen kann, noch eine wichtige Rolle in dieser Saison spielen.

Schließlich kennt sich der Stürmer in der Hessenliga bestens aus: 164 Partien hat er dort bereits absolviert. Dabei gelangen ihm 83 Tore und 50 Vorlagen. In der Regionalliga kam Akgöz auf elf Treffer und sieben Assists in 45 Partien.

Die positive Nachricht für alle, die es mit den Hanauern halten: Das Knie des Routiniers bereitet aktuell keine Probleme. Rund zwei Jahre machte Akgöz die Patellasehne zu schaffen – eine lange Leidenszeit: Mal war es wieder besser, mal schlechter. Mal pausierte er ein paar Tage, mal ein paar Wochen.

Hanau 93: Akgöz will sich keine Gedanken um Verletzungsszenarien machen

Gerade nach so einer langen Pause wie jetzt aufgrund der Corona-Pandemie, bestünde theoretisch die Gefahr einer erneuten Überlastung der Sehne, die die Kraftübertragung vom Oberschenkel auf das Schienbein ermöglicht. „Bisher hält das Knie“, sagt Akgöz, der sich über solche Szenarien gar keine Gedanken machen möchte.

Auch eine Tormarke, die er in dieser Saison erreichen will, hat sich der Stürmer nicht gesetzt. Der Schlüssel zum Erfolg in dieser Spielzeit? „Wir haben sehr viele englische Wochen und müssen hoffen, dass es keine weiteren Verletzten gibt“, sagt Akgöz mit Blick auf die Ausfälle am Dienstag von Feta Suljic und Salvatore Bari, der den Hanauern mehrere Wochen fehlen könnte: „Wenn alle gesund bleiben, können wir die da oben vielleicht ärgern.“ Die Frage nach seinem Ziel mit dem Team stellt sich für Akgöz nicht: „Als Sportler kann es für mich nur ein Ziel geben: Ich will immer aufsteigen. Ob ich dann noch mal Regionalliga spiele und Hanau mich noch will, ist dann die andere Frage“, sagt Akgöz. Sollte er weiter so treffen wie am Dienstag, würden die 93er ihren Vier-Tore-Mann wohl mit Kusshand behalten –  egal in welcher Liga.

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