Auftakt zur Fairplay-Liga geglückt

Es geht auch ohne Schiedsrichter

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Hier sind keine Diskussionen untereinander nötig. Ganz klar: Tor für den Nachwuchs der SKG Rumpenheim. Eine Szene aus der Fairplay-Liga beim Turnier des HFC Bürgel auf dem Sportplatz am Wörth.

Offenbach - Bei mehreren Fußballturnieren im Kreis Offenbach wurde am Wochenende der Ernstfall für die Ende September beginnende Fairplay-Liga der G- und F-Junioren geprobt. Die Testläufe verliefen positiv. Von Steffen Müller

Spieler und Eltern haben sich schnell an die neuen Regeln gewöhnt. Nur bei einigen Trainern gab es Nachholbedarf. „Wo ist denn der Schiri?“ – Verwirrung macht sich breit, als das Kreisturnier der G-Jugend beim HFC Bürgel angepfiffen wird. Dass zum Start der neuen Runde bei den G-und F-Junioren eine Fairplay-Liga eingeführt wird, hat sich noch nicht in alle Bereiche der Zuschauerränge herumgesprochen. Es ist eine kleine Revolution, die der hessische Fußballverband durchgeführt hat.

„Wettspielbetrieb im Kinderfußball ist nicht kindgerecht“, lautet der Gedanke hinter den Neuerungen. An Stelle von Schiedsrichtern sollen die Fünf- bis Achtjährigen selbst über Foul, Einwurf oder Handspiel entscheiden, bei Meinungsverschiedenheiten schreiten die Trainer ein. Um den Druck von den Kindern zu nehmen, müssen Eltern und Fans einen Abstand von 15 Metern zum Spielfeld einhalten. Hintergrund sind Zwischenrufe und Kritik seitens der Zuschauer, die den Kindern in der Vergangenheit den Spaß am Spielen genommen haben. Dieser soll durch Fairplay-Regeln, die am Wochenende bei mehreren Turnieren im Kreis Offenbach ihre Premiere feierten, zurückgewonnen werden.

„Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen“

„Das wichtigste ist, dass die Kinder Spaß haben. Es ist gut, dass sie selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen“, sieht Michael Diehl in der Idee viele richtige Ansätze. Allerdings gesteht der Trainer der SKG Rumpenheim ein, dass eine gewisse Anlaufzeit nötig sein wird, bis die Vorstellungen verinnerlicht sind. Denn es sind nicht Spieler und Eltern, die ermahnt werden müssen, die neuen Regeln einzuhalten. Zu Beginn der Veranstaltung schreitet Jürgen Uhlein, Offenbachs Kreisjugendwart und Mit-Initiator der Fairplay-Liga, immer wieder zwischen den zwei Spielfeldern auf dem Sportplatz des HFC Bürgel hin und her und hebt beschwichtigend die Arme in Richtung Coachingzone. Nach drei Spielen ruft Uhlein sämtliche Übungsleiter zusammen und erinnert die Trainer daran, nicht zu sehr in das Geschehen einzugreifen. Je länger das Turnier dauert, umso kürzer werden seine Kontrollgänge. „Die Fairplay-Liga ist ein Prozess, der sich entwickeln muss“, zieht Uhlein trotz einiger Korrekturen ein positives Fazit.

Besonders mit dem Verhalten der Eltern ist der Kreisjugendwart auf Anhieb zufrieden. Denn während die Trainer immer wieder mit „Aus“-, „Abstoß“- oder „Einwurf“-Rufen hektisch auf die Kicker einwirken, ist von den Tribünen nur Applaus bei gelungenen Aktionen zu hören, auch der geforderte Abstand wird eingehalten. Unter den Eltern herrscht eine gewisse Scheu, über eine so weite Entfernung auf die Kinder einzuwirken. Anstatt sich lautstark über vergebene Chancen, Fehlpässe oder Torwartfehler aufzuregen, diskutieren sie in den Zuschauerbereichen über die Wahl der Grundschule oder den Ernährungsplan für den Nachwuchs in den Spielpausen. „Man muss sich etwas zusammenreißen, nichts reinzurufen“, hat sich Pedro Ferreira relativ schnell mit der neuen Situation abgefunden. „Für die Kinder ist es gut. Sie lernen untereinander zu diskutieren und Probleme selbst zu lösen“, lobt der Vater des kleinen Tiago vom HFC das Konzept.

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Denn ausgerechnet die Kinder, die von den Regeln am meisten betroffen zu sein scheinen, benötigen die kürzeste Eingewöhnungszeit. Bereits im Verlauf der ersten Partien halten sie sich auch ohne Schiedsrichter an die Fußballregeln und hören sofort auf zu spielen, wenn der Ball die Seitenauslinie überschreitet. Auch beherzigen sie schnell, dass nach einem Treffer der Anstoß vom Mittelkreis und nicht vom eigenen Tor auszuführen ist. Dass Eltern und Referee fehlen, haben die G-Junioren mit dem Anpfiff vergessen.

Die Frage, ob es schwierig war, ohne Schiedsrichter zu spielen, ignoriert Tiago Ferreira und erzählt stattdessen voller Stolz, wie viele Bälle er gehalten hat, und dass er auch gerne im Feld spielt. Wenn man ihm zuhört, wird deutlich, dass bei dem Turnier das Wesentliche im Vordergrund steht: Die Kinder haben Spaß, sodass nach dem ersten Testlauf konstatiert werden kann: Bei den Kleinen läuft es auch ohne Schiedsrichter bestens.

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