Bessere Noten - bessere Ergebnisse

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Die Offenbacherin Natalie Pröse strebt höhere Ziele in der Tennis-Weltrangliste an.

Offenbach ‐ Das erste große Ziel hat sie inzwischen erreicht. Ihr Name ist auf der Tennis-Weltrangliste der Profis zu finden. Zwar noch im vierstelligen Bereich, aber immerhin. Von Holger Appel

„Klar - jetzt will ich unter die Top 1000 der WTA“, sagt die 19 Jahre alte Offenbacherin Natalie Pröse. Mit Hilfe ihres Privattrainers und vielen Übungseinheiten in Bürgel sowie des auf Spitzensport ausgelegten Systems an der Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule (CvW). In zweieinhalb Jahren will sie dort in Goldstein ihr Abitur machen - und bis dahin für den Ratinger Tennis-Club Grün-Weiß in der 2. Liga antreten. Zuletzt hat sie für die TGS Bieber in der Hessenliga gespielt „Das war ein extrem reizvolles Angebot aus Ratingen - finanziell und sportlich. Ich bin jetzt in einer Mannschaft mit Kolleginnen zusammen, die international gut dabei sind“, berichtet Pröse über den nächsten Sprung in ihrer Karriere und meint damit Profis wie die Darmstädterin Andrea Petkovic, die Nummer 52 der Weltrangliste.

Probleme, Leistungssport mit Schulalltag zu vereinbaren

Ihren bisher größten Erfolg feierte Pröse im vergangenen Jahr bei einem 50.000-Dollar-Turnier in Contrexéville (Frankreich), als sie mit einem Sieg über eine wesentlich höher eingestufte Gegnerin überraschte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie das Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASS) in Offenbach bereits Richtung Goldstein verlassen. Für sie kam das Einführen der Sportklassen in Verbindung mit dem Schulsportzentrum in Offenbach zu spät, sie hatte an der ASS Probleme, Leistungssport mit dem Schulalltag zu vereinbaren. Das ist in Goldstein nicht mehr der Fall.

„Ich kann jetzt einfach mehr trainieren, vor allem vormittags, ich fühle mich besser, auch meine Noten sind besser. Ich habe jetzt keine Probleme mehr, mich wegen des Sports beurlauben zu lassen. Für internationale Turniere oder jetzt für Spiele in Ratingen bin ich nunmal schon freitags unterwegs - da bleibt einfach keine Zeit für Schule. Das weiß man hier in Goldstein, und es ist kein Thema.“

Hausaufgaben erledigt die Offenbacherin an den anderen Wochentagen am späten Nachmittag und am Abend. Neben den Trainingseinheiten am frühen Morgen (teilweise schon um 6.30 Uhr) steht sie noch am späten Abend (ab 22 Uhr) auf dem Platz. „Und den versäumten Freitag in der Schule muss ich natürlich auch nachholen - aber ich bin extrem motiviert, schaffe das schon“, sagt Pröse und ergänzt: „Es läuft zurzeit einfach gut.

18 Übungseinheiten pro Woche

Ihre 18 Jahre alte Mitschülerin Francisca Hegner, Mehrkämpferin der LG Eintracht Frankfurt, ist vor zwei Jahren vom Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm nach Goldstein gewechselt. Die gebürtige Nigerianerin, im Jahr 2000 von dem Ehepaar Hegner aus Offenbachs Stadtteil Bieber adoptiert, hat diesen Schritt nicht bereut. Wie bei Pröse haben sich ihre Noten verbessert. Einerseits durch die etwas geringeren schulischen Anforderungen, andererseits aber wohl auch durch den größeren Freiraum, den die Schule für den Leistungssport lässt. „Da fällt einiges an Druck ab“, sagt sie. Mit Vereins- und Schultraining (Leichtathletik zählt im Gegensatz zu Tennis zu den speziell geförderten Sportarten der CvW-Schule) kommt Hegner auf 18 Übungseinheiten pro Woche - neben den schulischen haben sich auch ihre sportlichen Leistungen enorm verbessert. Bei den deutschen A-Jugendmeisterschaften belegte sie im Kugelstoßen Platz sechs, bei den Hessenmeisterschaften Platz drei im Siebenkampf.

Da die Freiluftsaison beendet ist und die Wettkämpfe in der Halle erst im Januar beginnen, bleibt für Hegner am Wochenende Zeit zum Lernen und zum Klavierspielen, ihrem zweiten Hobby. „Hausaufgaben“, berichtet die ehemalige Leichtathletin der LG Neu-Isenburg/Heusenstamm angesichts ihres vollen Terminkalenders, „muss ich im Zug und in der S-Bahn erledigen. Tagsüber habe ich aufgrund des intensiven Trainings kaum Zeit.“

Hegner strebt Ausbildung an

Nach dem Abitur in zweieinhalb Jahren strebt Hegner eine Ausbildung an. „Ich hoffe zwar, bald in den Nationalkader vorzustoßen, aber ganz auf Sport setzen, ist unrealistisch, denn um richtig Geld zu verdienen, habe ich wohl die falsche Sportart.“ Im Gegensatz zu Pröse: „Für mich entscheidet sich in der naher Zukunft, ob Profitennis Sinn macht. Falls ja, starte ich nach dem Abitur voll durch. Falls nein, werde ich Alternativen finden“, versichert sie.

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