Auch mit 75 Jahren immer noch regelmäßig im Ring

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Horst Gauß

Offenbach - Boxen ist sein Leben: Bei Horst Gauß, dem einstigen Mitbegründer des CSC Frankfurt, dreht sich alles um das sportliche Duell mit den Fäusten. Von Christian Düncher

Sogar im hohen Alter steht der Neu-Isenburger noch regelmäßig am und im Ring, hält den Nachwuchsboxern beim Sparring die Pratzen hin. Heute wird Gauß 75 Jahre alt.

Herr Gauß, mit 69 Jahren standen Sie überraschend nochmal im Ring. Werden Sie das demnächst wiederholen?

Das war eigentlich mal für meinen 75. angedacht, ich habe es mir aber anders überlegt. Damals war das eine Gala mit ehemaligen Meistern. Ich bin vor 1 200 Leuten gegen einen anderen Oldie in den Ring, der 17 Jahre jünger war. Heute reicht es mir, wenn ich zwei-, dreimal pro Woche mit jungen Boxern trainiere.

Woran erinnern Sie sich am liebsten zurück?

An ein Ereignis aus dem Jahr 1980. Wir hatten mit dem CSC Frankfurt drei Jahre lang kaum Zuschauer, und auf einmal waren 1000 Leute in der Halle. Unser Durchhaltevermögen war belohnt worden. Der Riesenboom hielt fast zwei Jahrzehnte an. Wir haben hinter der Eintracht damals die meisten Zuschauer gezogen. Das war eine immense Genugtuung.

Und was war die größte Enttäuschung?

Das war ein Erlebnis aus diesem Jahr. Nach zehn Jahren Bundesliga-Abstinenz wurde Boxen in Frankfurt kaum angenommen, zumal sich die Mentalität gewandelt hat. Wir hatten teilweise nur noch 50 zahlende Zuschauer, obwohl ich vor jedem Kampf selbst 300 Plakate geklebt habe. Das mache ich jetzt nicht mehr.

Wie hat sich der Boxsport aus Ihrer Sicht entwickelt?

Im Amateurboxen ist die Trainingsbeteiligung riesengroß, aber die Attraktivität hat gelitten – auch weil es aufgrund der Kopfschützer fast keine Knockouts mehr gibt. Früher waren bei Hessenmeisterschaften 1 000 Leute, heute nur noch 100. Beim Profiboxen steht nur die Show im Vordergrund.

Schauen Sie sich überhaupt noch Boxen im TV an?

Ja, weil ich Boxfan bin, aber es begeistert mich nicht mehr. Die Klitschkos suchen sich die passenden Gegner aus oder haben keine mehr. Im Schwergewicht fehlt die Konkurrenz. Und der Rest zieht nicht so. Es gibt heutzutage so viele Weltmeister in diversen Verbänden, dadurch geht das Boxen kaputt.

Und wie steht es um den Boxsport in Hessen?

Seit Peter Firner Präsident ist, sehr gut. Ich hoffe, dass sein Elan anhält. Allerdings werden die sozialen Boxprojekte wie in Offenbach oder Neu-Isenburg finanziell stark unterstützt. Das ist den Klubs gegenüber nicht gerecht. Wenn man die leuchtenden Augen der Jungs sieht, ist das aber schon sehr schön.

Haben Sie noch Visionen?

Beim CSC Frankfurt sehe ich in naher Zukunft leider keine Fortschritte. Die großen Zeiten der Boxmacht am Main – zum Beispiel mit Willi „de Ox“ Fischer – habe ich aber in einem Buch für die Nachwelt festgehalten. Bald erscheint ein weiteres. Der Titel wird lauten: „Jungs, ihr wart klasse.“

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