Mit dem Rennrad 15 Länder in 153 Stunden

Bruchköbeler Dirk Leonhardt hat es geschafft: Dritter Weltrekord innerhalb eines Jahres

Dirk Leonhardt hat in der vergangenen Woche viel erlebt. Der Bruchköbeler weiß: „Ohne den Support wäre es nicht gegangen!“
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Dirk Leonhardt hat in der vergangenen Woche viel erlebt. Der Bruchköbeler weiß: „Ohne den Support wäre es nicht gegangen!“

Nach weit mehr als 2000 Kilometern und rund 23 000 Höhenmetern hatte Dirk Leonhardt die 14. Grenze überquert und damit den Weltrekord für die meisten innerhalb von sieben Tagen mit dem Rad bereisten Ländern geknackt. Es ist die dritte internationale Bestmarke für den Niederissigheimer, der bereits im vergangenen Sommer mit dem längsten Triathlon der Geschichte für Furore gesorgt und im März 2021 gemeinsam mit Judith Gebkea Strich den Team-Treppenlaufweltrekord deutlich verbessert hatte.

Bruchköbel – „Ich bin total erleichtert und glücklich, dass ich es geschafft habe. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich mir mal ein Hobby suche und Weltrekorde sammle. Ich wusste zwar, dass es viele gibt, die man in Angriff nehmen kann. Aber dass es Projekte gibt, die für mich spannend sind, hätte ich nicht gedacht“, erklärt der 39-Jährige nach seinem dritten Streich, für den er sich von Maastricht bis ins Zielland 152 Stunden und 56 Minuten gequält und damit 15 Länder besucht hatte. Auf dem Weg von Holland über Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien bis in den Kosovo musste der Ausdauerathlet einigen Widrigkeiten trotzen.

So brach dem „Ultra-Dad“ nach der erfolgreichen Alpenüberquerung auf der Hälfte der Strecke der Rahmen am Unterrohr seiner nach HR3-Moderatorin Tanja Rösner benannten Rennmaschine „Lady Tanja“, woraufhin der zweifache Vater notgedrungen auf das Bike seines Unterstützers Alex Hillmann umsattelte, auch wenn das Set-up des in Anlehnung an Rösners Morningshow-Kollegen Tobi Kämmerer „Sir Tobi“ getaufte Rad nicht auf den deutlich kleineren Protagonisten abgestimmt war.

Auch die Hitzeschlacht samt Umweg gegen Ende der Route, in deren Verlauf Leonhardt der Dehydrierung nahe war, hatte Auswirkungen auf die Physis, wobei der Weltrekordler die gefährlichste Situation in Kroatien verortete: „Das war im Norden des Landes auf einer Schnellstraße. Die fahren da wie die Henker. Da hatte ich das eine oder andere Mal ernsthaft Angst um mein Leben.“

Darüber hinaus hatte es die Abschlussetappe in sich, die das Projekt kurz vor der Ziellinie noch fast hätte scheitern lassen, wie sich der Beamte im Dienste der Deutschen Bundesbank erinnert: „Eigentlich ist der letzte Tag sensationell gestartet. Es ging in den albanischen Alpen erst bergauf und danach in der Morgensonne in ein Tal runter. Das ging dann so toll weiter bis wir an den Grenzübergang in den Kosovo gekommen sind. Da hat plötzlich die Straße aufgehört und es ging nicht weiter.“

Anstatt eines Schlagbaums war die grüne Grenze mit Panzersperren verblockt. Zudem stand der Weltrekordversuch kurz vor dem Scheitern, weil Grenzschützer eine Weiterfahrt mit dem Rad zunächst untersagten. Doch Leonhardt konnte die Patrouille überzeugen, dass zumindest er weiter fahren durfte, um sich den Eintrag in die Geschichtsbücher zu sichern. „Das Begleitfahrzeug konnte sowieso nicht weiter, weil es zu eng war“, so Leonhardt, für den nach diesem Erlebnis klar war, dass er es bei 15 Ländern belassen würde.

Zwar wäre eine Weiterfahrt bis nach Bulgarien im Bereich des möglichen gewesen, dann aber sehr lange ohne Support und Hilfe. „Es war gut so. Das hat als letzte Aktion gepasst, auch wenn ich mir für uns drei als Team einen würdigeren Abschluss gewünscht hätte. Es war ein Abenteuer mit Freunden, von dem man noch seinen Enkeln erzählen wird“, fasst der Hobby-Extremsportler zusammen, der zuallererst seiner Familie berichtet hat. Denn der Roadtrip mit Hillmann und Jo Becker endete Sonntagnachmittag mit der Ankunft des Carado-Campers im Main-Kinzig-Kreis.

Mit im Gepäck hatte er jede Menge Erinnerungen an die architektonische, kulturelle und landschaftliche Vielfalt Europas, an Sonnenbrand, Knieschmerzen und taube Finger sowie den Weltrekord, der mit einer erfolgreichen Spendenaktion für das SOS-Kinderdorf in Tirana verknüpft ist: „Es sind bereits 1400 Euro zusammengekommen, wobei man noch bis Juli spenden kann“, so Leonhardt.

Von Oliver Kraus

Endlich am Ziel: Auch wenn die Querung der Grenze in den Kosovo fast scheiterte.

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