INTERVIEW BTI-Leiter

BTI-Leiter Thorsten Schulz: „Schulbelastung ist heute ein gewaltiges Problem“

Seit Sommer 2019 ist Thorsten Schulz Sportlicher Leiter des BTI. Er spricht über die Arbeit mit Teenagern, Motivation und Erfolgsdruck.

Langen – Im Interview spricht Thorsten Schulz (40), Zweitliga-Coach der Rhein-Main Baskets, über die Möglichkeiten in Langen, die Tücken der Ausbildung und warum Motivation in der Jugend so ein großes Thema ist.

Was muss man mitbringen, um einen Platz im BTI zu bekommen?

Ein gewisses Talent und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Wir würden gerne noch mehr Nationalspieler ausbilden und eine höhere Qualität aus der Quantität herausholen.

Wie läuft denn eine solche Selektion ab?

Manchmal melden sich Eltern bei uns und fragen an. Zumeist sind es aber Kaderspieler, die unsere Trainer schon kennen. Dann sprechen wir die Vereine an und tauschen uns aus, ob das passen könnte. Wichtig ist uns, nie die Vereine zu übergehen. Erst dann gehen wir auf die Spieler zu und laden sie zum Probetraining ein. Das ist also ein Prozess.

Gibt es auch Ausnahmen?

Wir hatten kürzlich einen 13-Jährigen aus Darmstadt bei uns, der schon über 1,80 Meter groß ist und einen Dunking schaffte. Ein Rohdiamant, der noch geschliffen werden muss.

Von woher kommen die Spieler zum BTI?

Viele sind aus Langen, Darmstadt und Roßdorf, also den Vereinen, mit denen wir im Ligabetrieb kooperieren. Um Talente aus anderen Regionen aufzunehmen, fehlen uns noch die Möglichkeiten.

Was müsste sich ändern?

Mein Traum wäre es, drei vier Unterkunftsplätze zu schaffen. Dann könnten wir Spieler bei Familien oder in Wohnungen unterbringen und wären noch präsenter. So ist die Konkurrenz im männlichen Bereich gerade durch die Skyliners sehr groß.

Einstige BTI-Talente wie Stephanie Wagner, Svenja Greunke und Robin Benzing sind zu Nationalspielern gereift. Woran hakt es heute?

Das war damals ein genialer Jahrgang, den man nicht so oft hat. Mit Senta Hafner und Mailien Rolf haben wir zwei U15-Nationalspielerinnen, denen wir einen ähnlichen Weg zutrauen. Die Schulbelastung heute ist allerdings ein gewaltiges Problem. Die Jugendlichen sind teilweise bis 17 Uhr unterwegs, dazu kommen noch die Trainingseinheiten in den Vereinen und weitere Ablenkungen des digitalen Zeitalters. Außerdem herrscht auch ein indirekter Erfolgsdruck.

Was meinen Sie damit?

In der Schule und im Sport werden Höchstleistungen erwartet, das gibt die Gesellschaft vor. Dabei müssen die Noten nicht perfekt sein. Und auf dem Feld tut auch eine gewisse Frechheit und Spielwitz gut. Als ich damals äußerte, Berufstrainer werden zu wollen, wurde ich noch belächelt. Heute wird es akzeptiert. Aber das muss man sich hart erarbeiten. Und diese Motivation hat nicht jeder. Das liegt sicher auch an der Generation.

Wird daran auch im Internat gearbeitet?

Wir haben mit Ex-Baskets-Spielerin Anja Stupar eine Trainerin, die bei schulischen und mentalen Problemen unterstützt. Das wird auch gut angenommen. Dazu kommt noch Steffen Brockmann als Lehrer-Trainer. Insgesamt kümmern sich sieben Trainer um etwa 40 Athleten.

Wie muss man sich den Alltag vorstellen?

Es wird in Kleingruppen trainiert, die wir je nach Stärke zusammensetzen. Zweimal die Woche geht es um Technik und Taktik, zweimal wird an der Athletik gearbeitet. Hinzu kommt die Nachhilfe. Wir werden künftig noch genauere Profile der Talente erstellen, um alles besser abzustimmen. Ganz wichtig ist uns aber, dass die Jugendlichen selbst bestimmen können, in welchen Vereinen und Teams sie spielen. Da mischen wir uns nicht ein.

Das Gespräch führte Jörn Polzin

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