Siebener-Spieler Carlin Isles

Rugby-Quereinsteiger sorgt für Schlagzeilen

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Der Südafrikaner Brian Habana lieferte sich einst ein Sprintduell mit einem Leoparden.

Offenbach – Die Rugbywelt reibt sich verwundert die Augen. Denn ein Quereinsteiger sorgt in der olympischen Siebener-Variante für Schlagzeilen und bringt sogar die Experten zum Staunen. Von Christian Düncher

„Ist das der schnellste Rugbyspieler der Welt?“, titelte kürzlich die „Daily Mail“ und beantwortete die Frage nur wenige Zeilen später selbst. Den Südafrikaner Brian Habana, der sich einst ein Sprintduell mit einem Leoparden lieferte, könne man getrost vergessen, schrieb die britische Zeitung.

Als schnellster Mann des Rugbysports gelte inzwischen der amerikanische Siebener-Spieler Carlin Isles. Dabei war der bis vor wenigen Wochen noch völlig unbekannt – zumindest im Rugby. Isles ist nämlich ein Quereinsteiger. Allerdings einer, der dank seiner Schnelligkeit die besten Voraussetzungen für das olympische Siebener-Rugby mitbringt, bei dem es im Gegensatz zur traditionellen 15er-Variante weniger auf Kraft ankommt, sondern Spielwitz, Flinkheit und Gewandtheit wichtiger sind.

Ehemaliger Leichtathlet

Isles, ein ehemaliger Leichtathlet, vereint zumindest zwei dieser Komponenten. Das Rugbyspielen an sich hat er erst vor wenigen Wochen gelernt – nachdem er ein Siebener-Spiel gesehen und sich selbst an den Verband gewandt hatte. „Ich kannte nur 15er-Rugby. Dann sah ich Siebener und fühlte mich, als hätte ich in diesem Sport meine Prophezeiung gefunden“, berichtete der 23-Jährige, der genauso gut als Sprinter hätte Karriere machen können. Seine Bestzeit über hundert Meter (10,13 Sekunden) wäre jedenfalls gut genug gewesen, um bei den Olympischen Spielen in London das Halbfinale zu erreichen. Doch Isles war nicht nominiert – weil es in den USA noch schnellere Sprinter gibt. Also wechselte er die Sportart.

Die Chance, eine Olympia-Medaille zu holen, hat er weiterhin. Denn Siebener-Rugby feiert bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro seine Premiere. Und Isles will natürlich mit den USA dabei sein. „Bei der Leichtathletik dreht sich alles um dich und die Frage, wie du dein Ding machst. Aber ich bin ein Teamplayer. Und ich weiß, dass ich mit meinen Fähigkeiten einiges beitragen kann“, begründete er seinen Wechsel vom Einzel- zum Mannschaftssport. Eine große Umstellung war es für ihn allerdings schon. Anfangs fand er das Tempo des Spiels sogar etwas „frustrierend“, wie er zugab. Zudem müsse man sich an viele Vorgaben und Regeln erinnern. „Es sind viele kleine Dinge. Aber wenn man die nicht berücksichtigt, bekommt man Probleme“, sagt Isles und betont: „Rugby ist sehr anspruchsvoll, sowohl in mentaler als auch in physischer Hinsicht.“

Gefallen am Siebener-Rugby gefunden

Inzwischen hat sich der ehemalige Leichtathlet an die neuen Begebenheiten gewöhnt und sichtlich Gefallen am Siebener-Rugby gefunden. „Wenn ich die ganzen Freiräume auf dem Platz sehe“, schwärmte Isles, „ist das für mich wie Weihnachten.“ Einige Wochen trainierte der 1,73 Meter große Sprinter mit der Mannschaft. Sein Debüt bei der „World Sevens Series“ gab es im November. Seitdem hat er bei drei Turnieren insgesamt sechs Versuche legte – einen davon gegen Titelverteidiger Neuseeland.

Zum Vergleich: Der Spanier Pedro Martin führt die Liste mit 16 Versuchen an. Aber gesprochen wird fast nur über Isles. Das Video mit seinen besten Szenen wurde auf Youtube bereits mehr als 1,5 Millionen Mal angeklickt. Der neue Stern am Rugby-Himmel nimmt den Trubel um seine Person aber gelassen. „Rugby passt einfach perfekt zu mir“, sagte Isles. „Ich liebe Tacklings. Ich liebe es, schnell zu laufen. Und ich liebe es, an anderen vorbeizurennen.“

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