Amateurfußball

Conner und Rott: „Passen als Typen einfach gut zusammen“

Ampelkarte für den Heißsporn: Johnny Conner wird vom Platz gestellt. So geschehen bei der 0:2-Niederlage der Germania gegen Weiskirchen am 24. November 1996.
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Ampelkarte für den Heißsporn: Johnny Conner wird vom Platz gestellt. So geschehen bei der 0:2-Niederlage der Germania gegen Weiskirchen am 24. November 1996.

Aus unserer Serie „Vor 25 Jahren“: Johnny Conner und Ralf Rott sind im Fußball langjährige Weggefährten - und darüber hinaus gute Freunde. Mit einer schönen Zeit beim 1.FC Germania Ober-Roden fing einst alles an.

Ober-Roden – Erst waren sie kickende Teamkollegen, dann Trainer und rechte Hand, geblieben sind sie Kumpels. Ziemlich dicke sogar. Wenn Johnny Conner und Ralf Rott so aus dem Nähkästchen plaudern, klingt das nach echter Männerfreundschaft. „Im Fußball ist eben nichts unmöglich“, sagt Rott. „Irgendwie verfolgt uns das“, scherzt Conner. Besonders die gemeinsame aktive Zeit bei Germania Ober-Roden ist beiden in bester Erinnerung geblieben. Länger her, aber eben doch allgegenwärtig.

„Wir haben immerhin zehn Jahre das Zimmer geteilt“, erzählt Rott grinsend. Von 1981 bis 2001 stand er für die Germania im Tor, absolvierte mehr als 900 Spiele. Dreimal übernahm er die Rolle als Spielertrainer. 1991, also mittendrin in dieser Zeit, stieß Conner dazu. „Der kam als eingeschüchterter Junge zu uns“, blickt Rott zurück. Doch der damals 21-jährige Bub reifte zum Stammspieler und beinharten Verteidiger. „Einen der besten, den es damals in der Spielklasse gab“, so Rott. Der Eifer Conners diente aber auch dem Selbstschutz. Denn wenn er mal nicht spurte, war Rott schnell zur Stelle und stellte seinen Vordermann in den Senkel. „Der Ralf konnte schon mal aus der Haut fahren, war sehr ehrgeizig und erfolgsorientiert“, betont Conner. „Daher passen wir als Typen einfach gut zusammen.“

Johnny Conner trainierte bis Sommer den FSV Groß-Zimmern.

Conner erinnert sich noch gut an ein Spiel gegen Preußen Frankfurt, das die Germania mit 1:0 gewann. An jenem Tag wuchs Rott über sich hinaus, parierte zehn, zwölf Bälle. „Da wäre er hinten fast verrückt geworden. Die Offenbach-Post hat danach getitelt ‘Rott sei Dank’.“

Gemeinsam stieg das Duo 1992 von der Bezirksoberliga in die Landesliga auf, klopfte 1999 an der Tür zur Oberliga. Doch in der Relegation war trotz Auftaktsieges gegen Bürstadt Endstation. An solchen Tagen sollte man Rott besser aus dem Weg gehen. Da war kein Platz für den „üblichen Blödsinn“. Denn eines kann Rott bis heute nicht, wie er offen zugibt: verlieren.

Glücklicherweise überwogen die sportlichen Erfolge, zumindest sind sie stärker haften geblieben. Wie den mehrfachen Gewinn des Kreispokals oder des Rödermark-Turniers. Die Mischung passte in der Mannschaft, die Aufgaben waren klar verteilt. So stellte die Germania starke Fußballer wie den früheren Kickers-Profi Mirza Kapetanovic, Torsten Groh und dem späteren Mainzer Zweitliga-Spieler Frank Grimm. „Da waren einige Granaten dabei. Und der Rest ist schön marschiert“, so Conner. Neid, Missgunst oder Grüppchenbildungen gab es nicht. Weder vor, noch während oder nach den 90 Minuten. „Der Zusammenhalt war Weltklasse“, betont Conner. „Auf dem Platz waren wir gut, danach noch besser“, lacht Rott. „Kameradschaftlich war das top.“ In dieser Zeit wurden aus den Mitspielern Conner und Rott dicke Kumpels.

Ralf Rott trainiert aktuell die Reserve von Germania Ober-Roden.

Die Freundschaft hielt auch, als beide 2002 der Germania den Rücken kehrten und zum FSV Groß-Zimmern wechselten – in unterschiedliche Rollen. Conner, einst in der Jugend von Darmstadt 98 ausgebildet, spielte unter Trainer Rott. „Wir haben das aber ganz gut hinbekommen. Johnny wusste, dass ich der Chef bin. Die Freundschaft hat darunter nicht gelitten“, erzählt Rott, der Conner zum Kapitän und damit zu seiner rechten Hand machte.

„Ralf wollte als Trainer immer seine Vorstellungen durchboxen, das war nicht immer einfach, aber es hat sich ausgezahlt“, erinnert sich Conner. 2007 ging es hoch in die Kreisoberliga. Später stieg der in Groß-Zimmern lebende Conner zum Sportlichen Leiter auf, während Rott nach acht Jahren Trainertätigkeit beim FSV aufhörte und über Langstadt wieder in Ober-Roden landete. Dort trainierte er fünf Jahre die A-Jugendlichen und aktuell die zweite Mannschaft in der Kreisoberliga. „Eigentlich wollte ich ja im Sommer Schluss machen, aber die Arbeit mit dem jungen Kader macht viel Spaß“. erzählt der heute 59-Jährige. Auch wenn die Zeiten sich geändert haben. „Früher war es schöner und das Vereinsleben aktiver. Da gab es nicht so viele Verlockungen und der Fußball stand mehr im Mittelpunkt.“

Urgestein zwischen den Pfosten: Mehr als 900 Spiele absolvierte Ralf Rott für Germania Ober-Roden. Immer als Torwart. „Ich war eben nie der Lauffreudigste.“

Conner kann ihm da zustimmen. Er hat den nächsten Schritt bereits vollzogen und nach fast zwei Jahrzehnten in Groß Zimmern als Spieler, Sportlicher Leiter, Jugend- und Aktiven-Trainer im Sommer aufgehört. „Ich hatte alle Ämter mal inne, jetzt ist erstmal Ruhe“, betont der 51-Jährige, der sich nach wie vor regelmäßig mit Rott austauscht. Dann plaudern sie über die neuesten Wechselgerüchte, aber auch über gemeinsame Erlebnisse. Speziell natürlich über die Germania. „Das war einfach die schönste Zeit.“ Und eines ist klar: Wenn Conner seine fußballerische Auszeit mal beenden sollte, wird Kumpel Rott nicht weit sein. (Von Jörn Polzin)

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