„House of Darts“ in Nieder-Roden

Ein Leben für den Dartsport

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Gordon Shumway (vorne), der Vorsitzende von Unicorn Hessen, im „House of Darts“ in Nieder-Roden. Für seinen Namen, den er so auch im Personalausweis stehen hat, bediente er sich bei der Fernsehserie Alf. Deren Hauptfigur heißt so wie er beziehungsweise umgekehrt.

Offenbach - Bei der Team-WM im Darts, die heute in Frankfurt beginnt, spielt auch das „House of Darts“ in Nieder-Roden eine Rolle. Zumindest indirekt. Einige Teams nutzen es, um sich auf das Turnier vorzubereiten. Von Jürgen Rollmann 

Gordon Shumway trifft dort zudem die Prominenz der Darts-Szene. Tausende deutsche Darts-Fans freuen sich seit Wochen auf die heute in der Frankfurter Eissporthalle startende Team-Weltmeisterschaft - in Nieder Roden hat sie längst begonnen. Im „House of Darts“, dem Vereinsheim von Unicorn Hessen - Darts in Rodgau e.V. trainieren seit Dienstag Team Thailand, Team Griechenland sowie Team Südafrika. Mittendrin: Gordon Shumway (48), Vorsitzender des Vereins, mehrfacher Hessenmeister. Morgen trifft er sich mit Phil „The Power“ Taylor, dem 16-fachen Weltmeister, der für Titelverteidiger England antritt, und Raymond van Barneveld, fünffacher Weltmeister, der für die Niederlande spielt. Mit beiden verbindet Shumway eine langjährige Freundschaft, wobei Freundschaft wohl untertrieben ist, wenn man sich, wie Shumway, die Autogramme von Taylor und van Barneveld auf die Unterarme tätowieren lässt. „Ich bin der einzige deutsche Caller, der jemals auf einer Bühne ein Spiel zwischen Taylor und van Barneveld begleitet hat.“ Der Caller ist der Ansager, der die Zuschauer darüber informiert, wie viele Zähler ein Spieler mit seinen drei Würfen erzielt hat.

„Darts ist mein Leben“, sagt der selbstständige Marketing-Experte. Und das „House of Darts“ sein Wohnzimmer. 2007 hat er sich mit weiteren Mitstreitern diesen „darterischen Kindheitstraum“ erfüllt. In einem Nieder-Rodener Bürokomplex ist ein topmodernes Dartlokal entstanden, das gleichzeitig Spielstätte, Bar, Public-Viewing-Ort und Museum ist. „Wenn ich hier einige Unikate wie Trikots, Pokale oder Pfeile bei Ebay anbieten würde, käme leicht ein fünfstelliger Euro-Betrag zusammen“, erklärt Shumway. Mit 45 Mitgliedern betreibt er das „House of Darts“, das montags, dienstags, mittwochs und samstags geöffnet hat.

Lange wurde Darts hierzulande mitleidig belächelt als „Pfeilchenwerfen“ von übergewichtigen Männern in verrauchten Kneipen. In den 90er Jahren begann die rasante Entwicklung, die Darts zu einer der am schnellsten wachsenden Indoor-Sportarten machte. Die jährliche Weltmeisterschaft der PDC (Professional Darts Corporation) im Londoner Alexandra Palace (Ally Pally) ist über zwei Wochen mit über 3000 Zuschauern pro Tag ausverkauft, der deutsche TV-Sender Sport1 verzeichnet mit Darts Rekord-Einschaltquoten - und die Topspieler sind Profis und längst Millionäre.

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Noch ein Stück entfernt von der Weltspitze sind Max Hopp (19) und Jyhan Artut (39), die das Team Deutschland bilden und heute auf Australien treffen (20 Uhr/Sport1 live). Hopp stammt aus dem hessischen Idstein und wurde immerhin 2015 Junioren-Weltmeister. Shumway drückt ihm die Daumen, glaubt aber nicht an eine deutsche Medaillenchance in dem bis Sonntag laufenden und 250 000 Pfund dotierten Turnier: „England mit Taylor und Lewis, Schottland mit dem amtierenden Weltmeister Anderson und Thornton und die Niederlande mit van Barneveld und Premier-League-Sieger Michael van Gerwen sind die Favoriten. Unter die Top Ten zu kommen wird schon sehr schwierig für unsere Jungs.“ Müßig zu erwähnen, dass Australiens Topspieler Simon „The Wizard“ Whitlock, mit dem es Hopp und Artut zu tun bekommen, ebenfalls ein guter Freund Shumways ist.

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