Fußball: Profi-Fußballer Marcos Alvarez in Polen

Der Neuberger Marcos Alvarez über seine ersten Monate in Polens erster Fußball-Liga

Voller Einsatz: Marcos Alvarez (rechts) im Trikot von Cracovia Krakau gegen Alan Czerwinski von Lech Posen.
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Voller Einsatz: Marcos Alvarez (rechts) im Trikot von Cracovia Krakau gegen Alan Czerwinski von Lech Posen.

Neuberg - Für den Neuberger Profifußballer Marcos Alvarez begann im Sommer ein neues Fußball-Abenteuer. Vom Zweitligisten VfL Osnabrück wechselte der 29-Jährige in die erste polnische Profiliga zu Cracovia Krakau. Ein fremdes Land, eine unbekannte Liga – und das in Corona-Zeiten.

Die waren zu Jahresbeginn 2020, als sich Alvarez, in Osnabrück Aufstiegsheld und Publikumsliebling, für das lukrative, weil langfristig ausgelegte Vertragsangebot aus Krakau entschied, noch nicht präsent. Im Interview blickt Alvarez auf ein sein erstes halbes Jahr beim amtierenden polnischen Pokalsieger zurück und wagt einen Blick in die Zukunft.

Herr Alvarez, im Gegensatz zu den deutschen Profiligen befindet sich die Ekstraklasa in Polen derzeit in der Winterpause. Haben Sie die Gelegenheit für einen Heimatbesuch nutzen können?

Ja, wir waren an Heiligabend bei den Eltern meiner Frau in Osnabrück und dann vom 25. bis 30. Dezember bei meiner Familie in Neuberg. Seit vergangenem Dienstag läuft bei Cracovia das Teamtraining wieder.

Wie haben Sie sich mit Ihrer Familie in Krakau eingelebt?

Super. Wir haben etwas außerhalb von Krakau ein schönes Haus mit Pool im Garten bezogen. Krakau ist eine wunderschöne Stadt. Vor dem zweiten Lockdown haben wir uns einiges dort anschauen können. Meine Familie und ich fühlen uns dort sehr wohl.

Wie klappt es denn mit der Verständigung, sind weitere deutschsprachige Spieler im Aufgebot?

Michal Gardawski hat mal bei Hansa Rostock gespielt, mit ihm kann ich mich deutsch unterhalten. Dazu haben wir etliche Spanier im Team, mit denen ich mich ebenfalls fließend verständigen kann. Unter anderem spielt Rivaldo junior, der Sohn des ehemaligen Weltfußballers Rivaldo in meinem Team. Unser Trainer Michal Probierz spricht ebenfalls mehrere Sprachen, manchmal verständigen wir uns auch alle in Englisch.

Ihr Team nimmt den zehnten Platz in der polnischen Ekstraklasa ein. Eine Enttäuschung, die Ansprüche waren doch höher, oder?

Man darf nicht vergessen, dass wir mit einem Abzug von fünf Punkten starten mussten. Das Urteil kam kurz vor der Saison und bezog sich auf eine schon jahrelang zurückliegende Korruptionsgeschichte. In erster Linie galt es daher, zunächst Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Trotz eines großen personellen Umbruchs vor der Saison war der Start ganz gut, es gab aber auch unnötige Punkteverluste. Die Liga ist leistungsmäßig eng beisammen, es ist für uns also noch alles drin, sogar die erneute Qualifikation für Europa. Entweder über die Ligaplatzierung oder wie vergangene Saison über den Pokal.

Wie ist für Sie persönlich die Vorrunde verlaufen?

Ich will mich nicht beschweren. Ich habe in den ersten acht Partien gespielt, dabei ein Tor erzielt und zwei Vorlagen gegeben. Da wir viele Ausfälle hatten, habe ich meist auf dem Flügel aushelfen müssen, was nicht unbedingt meine beste Position ist, da ich am liebsten als hängende Spitze agiere. Was die Torausbeute betrifft, waren meine Erwartungen etwas höher. Im Oktober hat mich dann ein Muskelfaserriss außer Gefecht gesetzt. Das war Käse, weil ich dadurch viele Spiele verpasst habe. Jetzt zum Start der Wintervorbereitung greife ich aber wieder an und will zum Start Ende Januar wieder auf dem Feld stehen.

Als amtierender polnischer Pokalsieger war Cracovia in der ersten Qualifikationsrunde zur Euro League vertreten, verlor aber beim schwedischen Vertreter Malmö FF mit 0:2. Wie haben Sie Ihre persönliche Europapokal-Premiere erlebt?

Ich habe von Anfang an gespielt und obwohl in Schweden keine Zuschauer zugelassen waren, war es schon ein besonderer Moment, als die Hymne gespielt wurde. Auch wenn es sehr schade ist, dass wir früh ausgeschieden sind und unsere Europapokalsaison damit nur sehr kurz war, so zählt dieses Spiel neben meinem ersten Spiel für Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln und dem Zweitliga-Aufstieg mit dem VfL Osnabrück zu den drei größten Momenten meiner Karriere.

Wie lauten Ihre sportlichen Vorsätze für 2021?

Spiele ich im Sturm, würde ich gerne auf zehn Saisontreffer kommen, spiele ich im Mittelfeld, strebe ich zehn Vorlagen an. Das höchste Ziel ist es aber, dass wir uns als Team wieder für Europa qualifizieren.

Bleiben Sie über das Saisonende hinaus in Krakau?

Ich habe noch zweieinhalb Jahre Vertrag und das Konzept, wie der Verein sich dauerhaft in der nationalen Spitze etablieren will, gefällt mir. Im Fußball ist aber vieles spekulativ und manchmal kann es sehr schnell gehen. Ich sage es mal so: Sollte der Trainer irgendwann keinen Wert mehr auf mich legen, dann wäre ich der Letzte, der zwei Jahre nur rumsitzen möchte, weil er noch einen Vertrag hat.

Wie ist der polnische Profifußball durch die Pandemie gekommen?

Wie in Deutschland werden die Fußballer regelmäßig getestet. Zu Saisonbeginn waren bei den Spielen 25 Prozent Zuschauerkapazität zugelassen, kurz darauf durften die Stadien sogar bis zur Hälfte gefüllt werden. Mit den zunehmenden Corona-Zahlen ging es aber rapide auf null. Derzeit wird auch in Polen vor leeren Rängen gespielt. Beim brisanten Derby gegen Wisla Krakau, das 1:1 endete, mussten die Fans, ebenfalls draußen bleiben. Das Spiel war trotzdem sehr emotional. Man hat gespürt, dass dieses Derby in Krakau einen hohen Stellenwert besitzt.

Vor etwa elf Jahren waren sie als junger Fußballprofi der erste Bundesligaspieler, der sich mit dem H1N1-Virus infiziert hat. Denken Sie gerade jetzt in der Covid-Zeit öfter daran zurück?

Damals war es die Schweinegrippe, heute ist es Corona. Angefühlt hat es sich damals wie eine normale Grippe. Sollte es bei einer Corona-Infektion genauso sein, dann habe ich keine Angst davor. In unserem Verein gab es bislang elf positive Corona-Fälle. Neun der Infizierten hatten gar keine, die beiden anderen leichte Symptome.

Ihr Ex-Verein VfL Osnabrück spielt in der 2. Liga aktuell eine gute Rolle. Verfolgen Sie die Entwicklung weiter intensiv?

Ja. Die positive Art, wie der VfL derzeit spielt, gefällt mir. Ich schaue aber nicht nur auf Osnabrück, sondern auf alle meine ehemaligen Vereine wie Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt und Dynamo Dresden. Man kennt ja überall noch Leute.

Das Gespräch führte Frank Schneider

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