Ein Leben für die Galaktischen

Die Marckerts sind mehr als nur Football-Fans: Mit 50 Bussen nach Amsterdam

Stolzer Bewacher: Eckart Marckert mit den Frankfurter Cheerleadern.
+
Stolzer Bewacher: Eckart Marckert mit den Frankfurter Cheerleadern.

Eine Anekdote herauspicken? Da können Eckart Marckert und seine Frau Sylvia nur schmunzeln. Schwierig bis unmöglich. Gibt einfach zu viele davon.

Dieburg – Seit Anfang der 90er Jahre sind sie glühende Anhänger der Footballer von Frankfurt Galaxy sowie dem Nachfolge- verein Frankfurt Universe. Mehr als das. „Wir haben unser Leben nach ihnen gerichtet“, betont das Dieburger Paar. Auf die Frage, wie viele Spiele der „Men in Purple“ sie in der NFL Europe von 1995 bis 2007 besucht haben, folgt die Replik: „Fragen Sie lieber, wie viele wir nicht gesehen haben?“ Ganze vier sind es. Die Marckerts waren überall mit dabei. London, Barcelona, Glasgow, Köln, Berlin und Düsseldorf, Hamburg und Amsterdam.

Amsterdam? Da war doch was. Trotz der unzähligen Erlebnisse auf Auswärtsfahrten ist der 17. Juni 1995 den Marckerts besonders in Erinnerung geblieben. Kein Wunder. An dem Tag holte ihre Galaxy erstmals den World Bowl. „Es ist so, als ob es gestern gewesen wäre“, strahlt Sylvia Marckert.

An jenem Samstagmorgen machten sich tausende Galaxy-Fans unter anderem mit 50 Bussen auf den Weg in die niederländische Kapitale. Die A3 in nordwestlicher Richtung in lila eingetaucht. Die Frankfurter galten als die reisefreudigsten und wildesten Fans in der Liga. Das wussten auch die niederländischen Behörden. „Wir sind grüppchenweise an der Grenze von der Polizei in Empfang und zum Olympiastadion begleitet worden“, erzählt Eckart Marckert. „Die dachten offenbar, dass da Fußball-Hooligans aus Deutschland kommen.“

1995 behält Frankfurt Galaxy (dunkle Trikots) gegen die Amsterdam Admirals mit 26:22 die Oberhand und holt sich den ersten World-Bowl-Titel"> 10 000 Anhänger aus der Main-Metropole, darunter die Marckerts.

Mit dabei im Stadion auch rund 8000 Anhänger des Ligarivalen Rhein Fire Düsseldorf. Die Einlasskontrollen waren streng, die Angst vor Ausschreitungen groß. Doch die blieben „bis auf die üblichen kleinen Scharmützel“ aus. Die niederländische Polizei zeigte sich im Nachhinein gar beeindruckt. Die Marckerts auch – und fühlten sich bestätigt. „Wir Football-Fans sind eine Riesenfamilie. Da wird vorher zusammen gegessen, sich beim Spiel gegenseitig etwas angegiftet und danach feiert man zusammen, alles friedlich.“ Auch am 17. Juni, obwohl die Galaxy die Amsterdam Admirals bei strömenden Regen mit 26:22 schlug, den Gastgebern damit den Titel in deren Stadion wegschnappte.

Der erste große Titel in der Klubhistorie, ein besonderer Moment für die Marckerts. Doch woher rührt die große, grenzenlose Liebe für die Galaktischen? „Ich habe früher selbst Football in Dieburg gespielt“, erzählt Eckart Marckert. 1991 lud die Galaxy die Vereine aus der Region ein. Eckart Marckert sagte zu und war infiziert. Die Heimspiele entwickelten sich zum „Party“-Geheimtipp, nicht nur unter US-Soldaten oder den eingefleischten Footballfans, die aus Deutschland anreisten. Einige von ihnen, darunter freilich auch die Marckerts, waren auch im jährlichen Trainingslager der Galaxy in Florida stets dabei. „Uns war wichtig, dass wir die Spieler vor der Saison kennenlernen“, erzählt Eckart Marckert. Schon einen Tag vor der Mannschaft ging es zurück nach Frankfurt, um die Lieblinge am Flughafen zu empfangen. 1996 wurde auch Sylvia Marckert mit dem Football-Virus infiziert. „Ich hatte vorher keine Ahnung von dem Sport“, erzählt die 52-Jährige.

1997 gründeten die Marckerts den Galaxy Fanclub Dieburg, der zu früheren Zeiten 120 Mitglieder umfasste. Gemeinsam ging es zu den Heimspielen im Waldstadion, die gern mal 40 .000 Anhänger besuchten. Die Marckerts organisierten unter anderem Auswärtstrips und Fastnachtsumzüge in Frankfurt, kümmerten sich auch um die Cheerleader.

Im Einfamilienhaus in Dieburg häuften sich in dieser Zeit die Souvenirs: Eintrittskarten, Stadionhefte, Autogramme, signierte Trikots und vieles mehr. Alles kam im Museum unter, dem die Marckerts eine ganze Etage widmen: „Drei Zimmer sind für uns, der Rest für Galaxy.“ An den zehn Spieltagen einer Saison gab es nur die „Men in purple“. Der Urlaub wurde nach den Terminen ausgerichtet. „In dieser Zeit sind wir auch nie auf Geburtstagen oder Hochzeiten eingeladen gewesen“, erzählt Sylvia Marckert schmunzelnd.

Sylvia Marckert mit dem Maskottchen.

Entsprechend groß war und ist die Enttäuschung, als 2007 das Aus in der NFL Europe bekannt gegeben wurde. Nach 15 Spielzeiten, 82 Siegen, 68 Niederlagen und vier World-Bowl-Titeln. „Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen. Schließlich war es eine super Zeit, in der tolle Freundschaften entstanden sind“, betont das Dieburger Paar, das weit mehr als 100 Spiele besucht hat.

Eckart Marckert zählt mit weiteren Fans und früheren Galaxy-Spielern auch zu den Gründungsmitgliedern von Frankfurt Universe. Bis heute hält die Liebe zum Football, genauso wie die zum Dieburger Fanclub, der bei sämtlichen Spielen vor Ort ist. Trotz der schwierigen Zeiten, die hinter dem Klub liegen, inklusive Insolvenz. Und trotz deutlich weniger Zuschauern. Zuletzt fanden sich im Schnitt etwa 2000 Anhänger am Bornheimer Hang ein. „Wir wollen uns das Football-Feeling zurückholen“, sagt Eckart Marckert, räumt aber zugleich ein, „dass man die Zeiten überhaupt nicht vergleichen kann“.

An Traditionen halten die Marckerts aber weiterhin fest, dazu gehören auch die Urlaube in Florida mit Besuchen von NFL- College- oder Highschool-Spielen. Und wenn sie mal wieder in Erinnerungen schwelgen, kommen weitere Anekdoten zur Sprache. Wieder Amsterdam: „Da ist unser Busfahrer auf dem Weg zum Stadion falsch abgebogen und wir sind stecken geblieben. Aber mit Hilfe der Fans haben wir noch die Kurve bekommen.“ Eben eine große Football-Familie. VON JÖRN POLZIN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare