Machtspiele in der Eishockey-Oberliga

„Diese Herren machen unseren Sport kaputt“

Frankfurt - Die Qualifikation zur 2. Eishockey-Bundesliga steht bevor, doch der für die Oberliga West zuständige Verband will keinen Verein aufsteigen lassen.

Die Klubs reagieren verärgert: „Es geht denen nur ums Geld“, schimpft Stefan Krämer, Geschäftsführer der Löwen Frankfurt.

Der deutsche Eishockeysport gibt derzeit kein gutes Bild ab. Nach der Blamage der Nationalmannschaft mit deren verpasster Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014 gibt es nun Ärger in der Oberliga West. Deren Klassenleiter Markus Schweer hatte die Vereine mit folgender Aussage aufgeschreckt: „Es wird trotz sportlichen Aufstiegs kein Club aus unserem Verbandsbereich die Freigabe für die 2. Liga erhalten, da aktuell kein Kooperationsvertrag mit dieser Spielklasse existiert.“ Die Interpretation überrascht. Die für die 2. Liga zuständige Eissportbetriebsgesellschaft (ESBG) hat in der Tat ein Abkommen gekündigt - allerdings erst zum Saisonende. Ziel war es, dann neu über die künftigen Strukturen in beiden Spielklassen zu verhandeln.

Ein Aufsteiger zur 2. Liga vorgesehen

Zu Beginn der Saison war ein Aufsteiger zur 2. Liga vorgesehen, zudem stand das Angebot von Relegationsspielen zwischen dem Zweitligaletzten sowie dem Oberliga-Vizemeister im Raum. Dem Ansinnen hatte Schweer aber schon im September eine klare Absage erteilt, ohne vorher mit den betroffenen Vereinen zu sprechen. Für die Klubs ist der Hintergrund klar: Sie sehen sich als Melkkühe, die man nicht ziehen lassen will.

So fließen in der anstehenden Aufstiegsrunde von jeder verkauften Karte zwölf Prozent in die Kasse der beteiligten Verbände, „ohne dafür die kleinste Gegenleistung zu bekommen“, heißt es aus Kreisen der Vereine. Kein Wunder, dass man auch bei den drei ambitionierten hessischen Klubs, die trotz aller sportlicher Rivalität ähnlich denken, sauer auf die Alleingänge von Schweer und Co. reagiert.

„Persönlichen Befindlichkeiten und Differenzen“

„Wir verurteilen die persönlichen Befindlichkeiten und Differenzen der Funktionäre, die unsere Fans, Partner und Sponsoren total verunsichern“, lassen die Kassel Huskies wissen. Stefan Krämer, Geschäftsführer der Löwen Frankfurt, sieht es ähnlich und ist überzeugt, „dass es denen nur ums Geld und nicht um den Sport geht“. Sogar eine Klage schließen die Frankfurter nicht aus. Löwen-Trainer Frank Gentges kann seinen Frust nur schwer verbergen: „Diese Herren machen unseren Sport kaputt, dies ist ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Vereine.“ So muss es den Klubs wie Hohn vorkommen, wenn Schweer, angesprochen auf die hohen Investitionen der Vereine, erklärt, dass diese dann „eben mehr auf die Jugend setzten und ihren Etat runterfahren“ sollen.

Die Saale Bulls Halle, Meister der Oberliga Ost, erwägen sogar einen Verzicht auf die Teilnahme an „einer farce-ähnlichen Runde um die Goldene Ananas“. Sollte es keine Einigung geben, wäre die Bezeichnung „Aufstiegsrunde“ Etikettenschwindel.

ulan

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