17-jährige Offenbacherin ist Schülerin und Profischwimmerin

Gute Noten trotz Leistungssport

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Irini Nikoloudi in ihrem Element: Die 17-Jährige ist über 50 und 100 Meter Lagen eines der größten deutschen Talente.  

Offenbach - Leistungssport und Schule unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Irini Nikoloudi gelingt dieser Spagat aber ziemlich gut. Das Schwimmtalent aus Offenbach hat große sportliche Ziele – und gute Noten. Von Christian Düncher 

Die sind für sie aber auch ein Muss, wenn ihr großer Traum in Erfüllung gehen soll. „Ein Alltag ohne Schwimmen ist für mich kaum vorstellbar“, sagt Irini Nikoloudi. Am liebsten würde die 17 Jahre alte Offenbacherin den gesamten Tag im Wasser verbringen und für ihr großes Ziel trainieren: die Teilnahme an Olympischen Spielen. Tokio 2020 sei für sie durchaus ein Ziel, sagt Nikoloudi, deren Mutter Vasiliki Tasiokou ebenfalls Leistungssportlerin war. „Sie hat mir von ihrer Zeit als Leichtathletin in Griechenland erzählt. Den nötigen Ehrgeiz und Willen dazu habe ich ebenfalls.“

Ohne diese Eigenschaften geht es auch nicht, wenn man Schule und Leistungssport in Einklang bringen will. „Ein gutes Zeitmanagement ist ebenfalls wichtig“, weiß die Gymnasiastin der Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach, die vereinzelt bis 19 Uhr Unterricht hat und zum Teil noch vor der Schule am Frühtraining (7 bis 9 Uhr) ihres Vereins teilnimmt. „Das ist ein Zusatzangebot für diejenigen, die hohe Ziele haben. Da geht es zumeist um Technik. Aber das macht sich bezahlt“, berichtet Nikoloudi.

Die Doppelbelastung aus Leistungssport und Schule steckt sie bislang gut weg, auch wenn das oft eine 53-Stunden-Woche bedeutet: 32 Stunden Unterricht plus 21 Stunden Training. „In Phasen, in denen viele Klausuren und Wettkämpfe anstehen, ist es manchmal schwierig“, gibt die talentierte Schwimmerin zu. „Und wenn man lange Unterricht hat, kann man sich zwischen Schule und Training nur schwer ausruhen.“ Etwas Zeit hätte Nikoloudi einsparen können, wenn sie nicht 2014 vom 1. Offenbacher Schwimmclub (EOSC), für den sie seit 2007 aktiv war, zur SG Frankfurt gewechselt wäre. Statt auf der Rosenhöhe trainiert sie seitdem im hessischen Bundesstützpunkt neben der Commerzbank-Arena. Vom Aufwand sei das aber „kein großer Unterschied“. In anderer Hinsicht dagegen schon. „Ich habe hier erfahrenere Trainer und bessere Trainingspläne“, sagt sie. Die Erfolge geben ihr Recht. So gewann die Freistil-Spezialistin 2015 Bronze über 50 Meter bei den deutsche Jahrgangsmeisterschaften. Ebenfalls Dritte wurde sie bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften mit der Mixed-Staffel über viermal 50 Meter Freistil. Zudem gehört sie neuerdings dem Perspektivteam des hessischen Verbandes an und kam dem Ziel, in die Jugendnationalmannschaft zu kommen, somit einen weiteren Schritt näher.

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Bei allem Bestreben nach optimalen Bedingungen für die Ausübung ihres Sports war ein Schulwechsel für Nikoloudi nie ein Thema. „Man kommt mir an der Albert-Schweitzer-Schule sehr entgegen, befreit mich vom Unterricht, wenn wichtige Maßnahme anstehen. Und ich kann mein Frühtraining machen. Außerdem bin ich in einer gewohnten Umgebung.“ Das zahlt sich aus. „Ein Einser-Abi ist machbar.“ Dass Nikoloudi in der Schule genauso ehrgeizig ist wie im Becken, hat einen Grund: Sie hofft auf ein Stipendium in Australien oder den USA. „Beide Nationen sind im Schwimmen erfolgreicher als Deutschland, dort ist ein ganz anderes Training möglich.“ Die Alternative wäre, bei der SG Frankfurt zu bleiben und einen Studiengang zu belegen, der mit ihrem Sport vereinbar ist. Denn ihr Klubtrainer Michael Ulmer hat schon einige Talent hochgebracht, zum Beispiel Marco di Carli, der dieses Jahr das dritte Mal an Olympischen Spielen teilnimmt. Nikoloudi will bald nachziehen.

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