Über seine Rolle und den furiosen Einstand

Eishockey: Franz Fritzmeier im Interview

Frankfurt -  Vor zweieinhalb Jahren hatte Franz Fritzmeier schon mal im deutschen Eishockey die Schlagzeilen bestimmt – als jüngster Trainer der DEL. Von Christian Düncher

Nun sorgte er erneut für Furore, indem er als Interims-Coach des Zweitligisten Löwen Frankfurt für ein kleines Wunder sorgte. Im Interview spricht der 37-Jährige über die vergangenen Tage, die nächsten Aufgaben und die Doppelfunktion als Sportdirektor und Trainer.

Herr Fritzmeier, mit 0:2 lagen die Löwen in der Play-off-Serie gegen Kassel bereits zurück. Dann lösten Sie selbst Trainer Paul Gardner ab und führten das Team noch zum 4:2-Erfolg. Haben Sie das alles schon realisiert?

Ich muss zugeben, dass das eine sehr, sehr spezielle Situation war, die ich so noch nie erlebt hatte. In Deutschland ist mir auch nichts derartiges bekannt. Das alles war daher in den vergangenen Tagen ein großes Thema. Aber ich habe das ja nicht alleine geschafft. Es war ein großer Aufwand und wir haben die Energie von allen benötigt, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Sie haben dem Team unter anderem ein neues Defensivkonzept verpasst. War das der entscheidende Faktor?

Wir haben nicht nur einen Defensivplan entwickelt, sondern sogar eher etwas offensiver gespielt. Der dritte Stürmer war weiter vorgeschoben. Die Defensivarbeit beginnt ja schon vorne, nachdem man die Scheibe verloren hat. Ein Teil unseres Plans war allerdings in der Tat, sehr kompakt zu stehen, wenn der Gegner attackiert. Jedes Rädchen sollte ineinandergreifen. Das hat funktioniert.

Bilder: Löwen Frankfurt in den Playoffs 2018

Inwiefern hat es Sie überrascht, dass die Mannschaft das alles so schnell umgesetzt hat? Gab es einen Schlüsselmoment?

Dass wir direkt Spiel drei gewonnen haben, war schon sehr wichtig, auch weil die Entscheidung, sich von Paul Gardner zu trennen, ja quasi über Nacht gefallen ist. Wir hatten nur sehr wenig Zeit, uns gemeinsam vorzubereiten. Mit dem Sieg im dritten Spiel haben die Spieler Selbstvertrauen getankt. Ihre Brust wurde immer breiter.

Werden Sie das Auftreten der Spieler in den letzten Partien unter Paul Gardner nach der Saison aufarbeiten? Dieser gewaltige Leistungsumschwung wirft ja auch Fragen auf...

Die Spieler haben gezeigt, dass sie auch anders spielen können. An den Problemen war sicher nicht nur eine Person schuld, aber der Trainer gibt nun mal die Richtung vor. Und die Aufgabe der Spieler ist es, mitzuziehen. Dieses große Bild darf man nicht vergessen. Aber wir tun glaube ich gut daran, erst mal nur die vergangenen vier Spiele zu sehen.

Gab es denn zuletzt Kontakt zu Paul Gardner?

Nein, wir haben nur nach der Trennung kurz gesprochen. Aber das ist normal im Profi-Geschäft. Ich hatte mit ihm keine persönlichen Probleme, hatte mich zurückgehalten und ihm sogar einen Co-Trainer angeboten. Aber das wollte er nicht. Es liegt wie gesagt nie an nur einer Person. Paul Gardner hat unsere Entscheidung professionell aufgenommen. Das ist alles sauber abgelaufen.

Die Serie nach 0:2 noch 4:2 gewonnen und das gegen den Erzrivalen aus Kassel: Inwiefern erhoffen Sie sich von diesem Erlebnis einen extra Schub für den weiteren Verlauf der Play-offs?

Das hat uns frische Energie gegeben. Es wurde von Tag zu Tag mehr. Dass wir es geschafft haben, die Serie noch umzubiegen, ist toll. Aber wir dürfen uns darin nicht sonnen, sondern müssen darauf aufbauen.

In der Halbfinalserie treffen Sie mit Ihrer Mannschaft nun ab Donnerstag auf die Bietigheim Steelers. Wo sehen Sie die Stärken des Gegners?

Bietigheim ist ein absolutes Spitzenteam, dessen Kader im Kern über Jahre hinweg beisammen ist. Sie haben vor allem in der Spitze erfahrene und individuell starke Spieler. Bietigheim agiert auf dem Eis sehr strukturiert und verfügt über eine gewisse spielerische Klasse. 

Bilder: Löwen verlieren gegen Adler Mannheim

Wie geht es kommende Saison für Sie weiter? Ist eine Doppelfunktion auch in Zukunft denkbar?

Nein, das kann ich komplett ausschließen. Für kurze Zeit ist das parallel möglich, aber nicht dauerhaft. Das würde keinen Sinn machen. Wir befinden uns im Profi-Geschäft und wollen uns in Richtung DEL entwickeln. Eine Doppelfunktion bedeutet hingegen, dass man beides nur halb macht. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von professionellem Arbeiten. Im modernen Eishockey sind inzwischen zwei Trainer üblich. Bei uns wird das auch so sein: Es wird auf jeden Fall zwei Trainer geben, zudem suchen wir noch einen Torwarttrainer.

Rubriklistenbild: © Hübner

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