Björn Reindl über Sport in der Hitze

„Wie ein Brennglas auf der Haut“

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Kampf gegen die Hitze beim Ironman in Hamburg: Die Teilnehmer nutzten jede Gelegenheit, um sich beim Marathon abzukühlen und den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Neben Getränken diente auch Obst als Stärkung.

Offenbach - 36, 37, 38 Grad – die Temperaturen steigen unerbittlich. Dennoch wollen viele auf ihre tägliche Dosis körperliche Ertüchtigung nicht verzichten. Von Jörn Polzin 

Doch wie vertragen sich Sport und extreme Hitze und wie wird man nicht zum „Hitzeopfer“? Björn Reindl, DOSB-Physiotherapeut, Osteopath und Chiropraktiker, leitet das Rehazentrum R2comSport in Neu-Isenburg. Bei ihm gehen Profis, wie die Fußballer von Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach, aber auch Freizeitsportler ein und aus.

Herr Reindl, der Rekordsommer treibt allen den Schweiß auf die Stirn. Worauf sollten Sportler besonders achten?

Grundsätzlich sollte man Sport zu gemäßigten Temperaturzeiten ausführen. Die Morgenstunden und die Abendstunden eignen sich bei Außenaktivitäten besser als die Mittagssonne. Das gilt speziell für Untrainierte. Da der Körper verschiedene Mechanismen aktiviert, um die Kerntemperatur konstant zu halten, ist es wichtig, für ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Der Schweiß gibt die Hitze nach außen ab. Darüber hinaus wirkt er auf der Haut wie ein Brennglas, daher sollte auf geeigneten Sonnenschutz geachtet werden.

Wie viele Liter Flüssigkeit verliert der Körper in etwa?

Das können bei einer 90 Minuten Belastung schnell mal vier bis fünf Liter sein. Resorbieren kann der Darm aber nur etwa einen Viertel-Liter pro Viertelstunde. Sinnvoll ist es, sich vor und nach der Belastung auf die Waage zu stellen. Das Ergebnis, abzüglich der bereits während der Belastung zugeführten Flüssigkeitsmenge, ergibt dann den Flüssigkeitsverlust.

Mit welchen Mitteln lässt sich das wieder auffangen?

Bei stärkeren Flüssigkeitsverlusten sollte die zugeführte Flüssigkeit isotonisch, also mit Salzen und Mineralstoffen versetzt sein. Wir empfehlen zwei Stunden vor der sportlichen Belastung leichte Kost. Unmittelbar davor sollte man zumindest 0,3 Liter Flüssigkeit zu sich genommen haben. Zu der Jahreszeit eignen sich gesunde, flüssigkeitshaltige Lebensmittel wie Ananas oder Melone, die man gut in einem Salat verwenden kann. Auch Precooling, also abgekühlt in die Belastung zu gehen, kann bei höheren Temperaturen helfen.

Gibt es eine Schmerzgrenze bei Temperaturen, die für Sportler noch erträglich sind?

Das lässt sich pauschal kaum sagen. Natürlich ist eine sehr hohe Außentemperatur belastender für den Körper als eine moderate. Daher rate ich zu angenehmeren Zeiten zu trainieren, oder auf klimatisierte Fitnessstudios auszuweichen. Falls das nicht möglich ist, kann ich nur empfehlen: Viel trinken und Pausen machen.

Worin besteht die größte Gefahr?

Die liegt darin, dass der Körper die Kerntemperatur nicht halten kann. Dies würde zu Kreislaufversagen und Schocks führen. Der Körper probiert über verstärkte Kreislaufaktivität eine Abkühlung der Kerntemperatur über die Extremitäten zu erzeugen, sowie über Schweißbildung. Wind verstärkt zum Beispiel eine Abkühlung.

Und wenn ein medizinischer Notfall eintritt?

Bei einem Kollaps ist darauf zu achten, den Sportler aus der Hitze zu bringen und ihn langsam über kalte Wickel an den Extremitäten runterzukühlen. Eine zu schnelle Abkühlung würde wiederum zum Schock führen.

Unterscheidet sich das Risiko bei Männern und Frauen?

Grundsätzlich lässt sich das nicht sagen. Das ist von der Konstitution des einzelnen Menschen abhängig.

Gibt es sportartspezifische Unterschiede, was Belastung und Risiko angeht?

alle Sportarten, die im Freien und unter praller Sonne stattfinden, sind betroffen. Aber auch da gibt es Unterschiede. Ist man zum Beispiel mit dem Fahrrad unterwegs, ist die Abkühlung oft stärker, als wenn man zwischenzeitlich viel steht oder wenig zusätzliche Kühlung abbekommt.

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