Basketball-Division ProB: „Es wird noch chaotischer“

Hanau White Wings zwischen Corona-Schnelltests und sportlicher Krise

Flugeinlage: Omari Knox (beim Korbleger) zählt nach anfänglichen Schwierigkeiten zu den Aktivposten der Hanau White Wings. Der Spielmacher brachte es zuletzt in Dresden auf 22 Punkte.
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Flugeinlage: Omari Knox (beim Korbleger) zählt nach anfänglichen Schwierigkeiten zu den Aktivposten der Hanau White Wings. Der Spielmacher brachte es zuletzt in Dresden auf 22 Punkte.

Sebastian Lübeck ist Geschäftsführer der Hanau White Wings. In diesen Tagen sind seine Fähigkeiten aber auch als Krisenmanager gefragt. Nicht nur sportlich als Verantwortlicher des sieglosen Tabellenvorletzten in der 3. Basketball-Liga Pro B. Personelle Ausfälle, Corona-Quarantäne, wechselnde Bestimmungen, Spielabsagen - da bedarf es Improvisation.

Hanau - „Dieses Jahr läuft wirklich nichts wie geplant“, räumt Lübeck ein. Und nun hat die Liga die Hygieneanforderungen nochmals angepasst. So sind ab sofort Schnelltests für Spieler, Trainer und Schiedsrichter am Spieltag verpflichtend - als Reaktion auf das Pandemiegeschehen und die hohen Inzidenzwerte. Auch die White Wings haben die Entscheidung mitgetragen, die laut Lübeck neben der Verantwortung für die Akteure auch eine wirtschaftliche Komponente hat. „Schnelltests sind deutlich günstiger als die PCR-Tests“, betont der Hanauer Geschäftsführer. Die Kosten müssen die Klubs selbst tragen. Sie belaufen sich für Kader samt Trainer und Betreuer auf 150 bis 200 Euro pro Spieltag.

Wichtig: Die Tests dürfen frühestens zehn Stunden vor Spielbeginn durchgeführt werden, um ein valides Ergebnis zu erhalten. Etwa eine halbe Stunde nach Abstrich steht das Resultat fest. Gibt es einen positiven Test bei einem der beiden Teams, wird die Begegnung abgesagt. „Gerade bei Auswärtsfahrten werden wir uns einen kleinen Spielraum verschaffen, damit wir nicht auf halber Strecke umkehren müssen und den Weg umsonst gefahren sind“, betont Lübeck.

In der Beschaffung der Schnelltests sieht er keine Probleme. Die Liga übernimmt Sammelbestellungen für die Vereine. Voraussetzung für die Abnahme ist, dass ein niedergelassener Arzt oder eine geschulte Fachkraft alles begleitet. Die White Wings haben dafür bei den Johannitern angefragt. Bei der Entscheidungsfindung habe auch das Thema „Labortestkapazitäten“ eine wichtige Rolle gespielt. „Durch die Erweiterung der Teststrategie werden systemrelevante Laborkapazitäten, wie vom Robert-Koch-Institut empfohlen, nicht belastet“, heißt es in einer Mitteilung der Liga, die unangekündigte Kontrollen der Hygienemaßnahmen ankündigte.

Ob sich die Lage in der Liga damit stabilisiert, ist allerdings fraglich. Lübeck rechnet eher damit, „dass der Spielplan noch chaotischer wird.“ Schon jetzt haben etwa die Löwen Erfurt erst zwei Spiele absolviert, Coburg hingegen schon sechs.

Fünf stehen für die White Wings zu Buche, allesamt gingen verloren. Nur der nächste Gegner am Samstag (19 Uhr), die Skyliners Juniors aus Frankfurt, weist die gleiche Negativbilanz auf. Dass dieses Nachbarschaftsduell daher besonders brisant ist, liegt auf der Hand. Die Forderung aus dem Management ist eindeutig: „Wir erwarten eine klare Leistungssteigerung.“ Entsprechend detailliert fiel auch die Analyse im Nachgang des Dresden-Spiels (66:74) aus. Fazit: Bei einigen Akteuren ist viel Luft nach oben. Andere wie Spielmacher Omari Knox haben sich aus ihrem Tief herausgekämpft. Das große Problem bleiben die Rückstände, denen die Mannschaft immer wieder hinterlaufen muss. „Die Qualität ist da, sonst könnten wir nicht diese Aufholjagden starten. Aber das kostet eben auch Kraft, die am Ende fehlt“, sagt Lübeck.

Das Thema Neuzugang hat der Geschäftsführer nicht abgehakt, doch gerade in diesen Tagen muss es wirtschaftlich passen. „Außerdem muss es jemand sein, der uns kurzfristig sportlich weiterhelfen kann, bereits im Rhythmus ist, aber eine neue Herausforderung sucht“, sagt Lübeck. Vorrang hat ein Big Man, also einer, der Center Josef Eichler unter den Brettern unterstützt. Auch da ist der Krisenmanager gefragt.

Von Jörn Polzin

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