INTERVIEW Manfred Ginder (Sportmanagement) über Fördermittel und Ideen in Corona-Zeiten

Fast 300 000 Euro zur Rettung der Vereine

Manfred Ginder 
Sportmanagement
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Manfred Ginder Sportmanagement

Offenbach – Der Sport liegt wegen der Pandemie brach, auch in der Stadt Offenbach. Manfred Ginder (55), Leiter des Städtischen Sportmanagements, lässt sich trotz der ausgefallenen Hallenfußball-Stadtmeisterschaft und der abgesagten Sportgala im Capitol nicht entmutigen.

Manfred Ginder, wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?

Corona hat uns wie alle anderen arg gebeutelt. Aber ich bin optimistisch veranlagt und fange mal so an: Wir konnten die Sportförderung für unsere Vereine ausbauen. Das finde ich gut.

Das heißt?

Wir haben im Coronajahr wegen ausgefallener Veranstaltungen und nicht ausgegebener Sportfördermittel 152 000 Euro eingespart. Oberbürgermeister Felix Schwenke hatte uns zur Auflage gemacht, dieses Geld an die Vereine auszuschütten. Mit zusätzlichen Fördermitteln aus dem Corona-Konjunkturpaket der Politik sowie nicht abgerufenen Mitteln für Bauinvestitionen der Sportvereine waren das fast 300 000 Euro. Gemäß Auftrag des Oberbürgermeisters haben wir dann mit den Vertretern der Sportkommission und dem Sportkreis Kriterien aufgestellt, nach denen das Geld an die Sportvereine verteilt wurde. Wir wissen zwar, dass die Pandemie die Vereine mit ihren Ehrenamtlern an Grenzen gebracht hat, aber auch, dass durch diese finanziellen Hilfen jetzt wohl keiner vor dem Aus steht.

Ganz sicher?

Wir hoffen stark, dass alle durchhalten und wir bald wieder eine Perspektive haben. Wir im Sportmanagement stehen nach drei Umzügen binnen sechs Monaten als Ansprechpartner im Rathaus bereit, haben sogar personell erweitert.

Drei Umzüge?

Ja, zunächst benötigte das Gesundheitsamt wegen der Pandemie mehr Platz und dann mussten wir auch wegen der Fenstersanierung im Rathaus nochmals umziehen.

Was hat sich im Personellen verändert?

Anna-Carina Tönges hat die in Ruhestand gegangene Petra Schlachter ersetzt. Und wir haben Monika Mirizzi von der GBM bekommen. Sie war dort acht Jahre lang für die Sportstättenbelegung zuständig. Das Thema ist nun mit ihr bei uns im Sportmanagement angesiedelt, was unsere Abstimmungsprozesse erleichtert.

Was passiert denn in diesen Coronazeiten auf den Offenbacher Sportanlagen?

Die Sportplätze müssen weiter gepflegt werden, aber in geringerem Umfang, da sie nicht benutzt werden. Wenn keine sinnvolle Nutzung möglich ist, zahlen die Vereine bei uns in Offenbach auch keine Nutzungsgebühr mehr für Hallen und Plätze. Das entlastet sie in dieser Phase auch ein bisschen.

Das heißt in Zahlen für die Vereine?

Die Vereine auf Freianlagen zahlen pro Aktivem 50 Cent pro Monat und bei Kindern nur 25 Cent. Wir Offenbacher sind in dieser Hinsicht schon sehr sportfreundlich.

Zurück zu den Sportanlagen. Was steht an?

Bis September soll der Hartplatz der SKG Rumpenheim in einen Kunstrasen umgestaltet werden. Da werden wir Sportförderungszuschüsse vom Land Hessen beantragen. Außerdem gehen wir an die alten Flutlichtanlagen heran. Das sollen alles LED-Flutlichter werden. Das zählt zum Thema Klimaschutz, und dem Oberbürgermeister ist wichtig, dass alle Bereiche der Verwaltung das ernst nehmen.

Das bedeutet?

Dass da noch zusätzlich Zuschüsse vom Bund kommen. Und das Land Hessen kennt unsere Not beim Thema Schwimmbad. Da steht bis 2023 ein Fördertopf in Millionenhöhe zur Verfügung. Es besteht Einigkeit in der Politik, das gut zu nutzen. Man kann also auch in diesen Coronazeiten sinnvolle Projekte vorantreiben.

Wie ist denn der Stand der Dinge beim 2019 angeleierten Sportstättenentwicklungsplan?

Das ist wegen Corona leider auch nicht so einfach. Auftrag des Oberbürgermeisters war, das trotzdem voranzutreiben. Bestandserhebungen sowie Umfragen in Vereinen und der Bevölkerung sind abgeschlossen, am 4. Februar haben wir die letzte Videokonferenz mit bis zu 30 Experten.

Was deutet sich an?

Die Schwimmbadproblematik ist das Hauptthema, was nicht verwundert. Aber da sind wir dran und schauen, was machbar ist. Interessant in der Bevölkerungsumfrage ist der Wunsch nach öffentlichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten im Stadtgebiet für Nicht-Vereinsmitglieder. Da stehen Fitnessgeräte im Freien, Trimm-Dich-Pfade, Skateranlagen und Basketballfelder ganz oben auf der Liste. Da haben wir wohl Nachholbedarf. Der Sportstättenentwicklungsplan wird der Politik fundierte Anhaltspunkte liefern können und wir hoffen trotz knapper Kassen dann auf Umsetzung.

Und was erhoffen Sie sich sonst noch für das Jahr 2021?

Wir hatten 2020 keine Gala und somit keine Sportlerehrungen. Das wird auch 2021 nicht klappen im Capitol. Aber wir wollen mit Oberbürgermeister Schwenke unsere erfolgreichen Athleten aus dem Jahr 2019 und die wenigen aus 2020 im Sommer unbedingt auszeichnen. Auf einer Bühne mit kleinem Rahmenprogramm im Freien. Da wäre das Stadion auf dem Bieberer Berg sicher eine Option. Wir werden kreativ sein müssen.

Gibt es Pläne, die Fußball-Stadtmeisterschaft im Sommer neu zu beleben, nachdem sie in der Halle ausgefallen ist?

Das Thema Stadtmeisterschaften auf der Rosenhöhe ploppt nach dem Aus vor vielen Jahren immer wieder auf, aber die Problematik hat sich unabhängig von Corona nicht verändert.

Warum?

Im Sommer ist das schwierig wegen der Urlaubszeit mit fehlendem Personal in den kleinen Klubs und der intensiven Vorbereitung der höherklassigen Teams auf die neue Runde. Wir hoffen alle auf eine normale Vorbereitung und eine Punktrunde nach den Sommerferien. An mehr mag ich gar nicht denken. Und es wäre top, wenn wir im Januar 2022 wieder in Bürgels Halle den Stadtmeister ausspielen könnten.

Das Gespräch führte

Holger Appel

Beim Schwimmbad ist die Not groß. Die Stadt Offenbach will die Förderung des Landes Hessen intensiv nutzen.

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