Mühlheim und Urberach damals Regionalligisten

Rückblick: 1993 sind Handballerinnen der Region deutlich erfolgreicher als heute

Herbert Wehnert trainierte zuletzt bis 2016 die Herren der HSG Eppertshausen/Münster. „Die haben mir den Rest gegeben“, sagt er, „die Trainingsbeteiligung war ohnehin sehr gering. Dann wären wir bei einem Spiel gerade noch zu acht gewesen und dann kommt einer und sagt, er kann nicht, er hat eine Dauerkarte für Darmstadt 98.“

Offenbach - Im Dezember 1993, vor 25 Jahren, haben die deutschen Handballerinnen die WM gewonnen. Auch in der Region war im Frauenhandball seinerzeit einiges los, viel mehr als heute. Von Stefan Moritz 

Im BSC Urberach und der Sport-Union Mühlheim spielten zwei Frauenteams aus der Region in der Saison 1993/94 in der damaligen Regionalliga Südwest/Nord, vergleichbar mit der heutigen 3. Liga. Im PSV Heusenstamm, der TSG Bürgel sowie dem SV Dreieichenhain spielten drei weitere Frauenteams in der Oberliga Hessen.

Heute stellt die Region in der HSG Rodgau Nieder-Roden gerade noch ein Team in der Frauen-Oberliga, einen Drittligisten hat es seit dem Abstieg der SU Mühlheim 1998 aus der Regionalliga nicht mehr gegeben. Die Topklubs von damals sind nahezu ausnahmslos untergegangen. In Mühlheim wurde der Frauenspielbetrieb im vergangenen Sommer mangels Spielerinnen komplett eingestellt. Auch beim BSC Urberach gab es zwei Jahre lang keinen Frauenhandball, aktuell spielt ein Team in der Bezirksliga A.

Lesen Sie dazu auch:

Silvia Löhr: „Immer weniger Frauen spielen Handball“

Der Postsportverein Heusenstamm ist aufgegangen in der HSG Obertshausen/Heusenstamm (Bezirksliga A), der SV Dreieichenhain in der HSG Dreieich, die immerhin in der Bezirksoberliga spielt. Auch die Handballerinnen der TSG Bürgel waren jahrelang in der Versenkung verschwunden, bevor sie aktuell immerhin in der Landesliga-Spitze mitmischen und von der Oberliga zumindest träumen dürfen. Und auch die SSG Langen, die einst in der Regionalliga spielte, spielt heute als HSG Langen nur noch in der Bezirksoberliga und die einst ebenfalls erfolgreiche TuS Zeppelinheim als HSG Isenburg/Zeppelinheim in der A-Liga.

Heike Lindner (links) nimmt Maß. Mit sechs Treffern war sie die erfolgreichste Werferin der SU Mühlheim beim 24:15-Erfolg im Regionalliga-Derby im Dezember 1993. Rechts: Silke Sulzmann vom BSC Urberach.

Im Dezember 1993 aber, vor 25 Jahren, empfing die SU Mühlheim als Aufsteiger und Herausforderer den BSC Urberach, der schon seit 1979/80 in der Regionalliga spielte, zum Derby. „Das war damals für die ganze Region ein großes Ereignis. Im Vorfeld gab es kleine Scharmützel, Sprüche von beiden Seiten. Das war durchaus brisant“, erinnert sich Herbert Wehnert (71), damals Trainer der Mühlheimerinnen, die den BSC letztlich mit 24:15 abfertigten.
Der ehemalige Handball-Nationalspieler, der in Dietzenbach sesshaft wurde, hatte das Mühlheimer Team übernommen, als es nach dem Aufstieg in die Oberliga zunächst nicht ganz so gut gelaufen war. „Es war meine erste Station als Frauentrainer. Ich habe die Mannschaft einmal spielen sehen, da taten mir die Augen weh. Die hatten gutes Potenzial, haben es aber nicht auf die Platte gebracht“, erinnert sich Wehnert: „Ich habe dann nur zugesagt mit dem Ziel: In drei Jahren steigen wir auf in die Regionalliga. Und das haben wir dann auch geschafft.“

Am Saisonende landete die Sport-Union auf Rang sechs, spielte dann noch vier weitere Jahre in der Regionalliga, bevor der langsame Abstieg begann. „Der Frauenhandball wurde in Mühlheim, aber auch in anderen Klubs der Region leider fahrlässig vernachlässigt“, sagt Wehnert, „es wurde versäumt, für Nachwuchs zu sorgen, so dass nach einer Generation von Spielerinnen alles zusammenbrach. Dass es in Mühlheim jetzt gar keinen Frauenhandball mehr gibt, ist einfach nur traurig.“

SU Mühlheim verliert letztes Spiel vor Auflösung: Fotos

Beim BSC Urberach hatte der Niedergang bereits vor der krachenden Derbyniederlage in Mühlheim im dezember 1993 begonnen. Im Sommer hatten einige Leistungsträgerinnen nach Differenzen mit dem Vorstand den Verein verlassen, darunter auch Torfrau Silvia Löhr (siehe Interview). Am Rundenende musste das Team als Viertletzter in die Relegation. Da gelang der Klassenerhalt zwar noch einmal, ein Jahr später aber folgte der Abstieg und der Rückzug auf Bezirksebene, das Ende einer 15-jährigen Erfolgsära in der Regionalliga.

Am Sonntag, 5. Dezember 1993, spielten im Regionalligaderby:

SU Mühlheim: Stephanie Spahn, Andrea Höf; Heike Lindner (6), Ingrid Banszerus (4), Stephanie Haus (4/1), Marion Strohauer (4/2), Rita Fromm (2), Karin Härtl (2), Sabine Klose (1/1), Romy Marini (1/1) - Trainer: Herbert Wehnert

BSC Urberach: Sandra Rinnenburger; Siggi Gotta (8/5), Birgit Kappes (4/4), Bettina Gotta (2), Ivonne Konrad (1), Silke Sulzmann, Carmen Dolacki, Claudia Rettner, Steffi Kuhrau, Kerstin Lenhardt, Gabi Roloff - Trainer: Claus-Peter Gotta

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare