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Fechtclub Offenbach vor dem Saisonstart: „Wir gehen wieder in die Offensive“

Die Fechter sind bereit für die Rückkehr auf die Planche. Dieses Foto aus der Halle der Edith-Stein-Schule stammt vom Stefan-Haukler-Gedächtnis-Turnier des FC Offenbach aus dem Jahr 2018.
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Die Fechter sind bereit für die Rückkehr auf die Planche. Dieses Foto aus der Halle der Edith-Stein-Schule stammt vom Stefan-Haukler-Gedächtnis-Turnier des FC Offenbach aus dem Jahr 2018.

Offenbach – Die deutschen Fechter sind bei den Olympischen Spielen in Tokio leer ausgegangen, nahmen keine Medaille mit. Nun beginnt auf hessischer Landesebene die neue Saison: mit den Titelkämpfen in Rüsselsheim (11. - 12. September) und Dörnigheim (18. - 19. September). Gudrun Bayer, Vorsitzende des Fechtclubs Offenbach, hat mittlerweile die Zuversicht zurückgewonnen.

Gudrun Bayer, zunächst zum großen Sport. Keine Medaille in Tokio für den DFB. Ihre Meinung?

Ich habe fast damit gerechnet, da aufgrund der Pandemie in allen deutschen Vereinen die Trainingsbedingungen in den vergangenen eineinhalb Jahren schlecht waren. Warum es in Ländern wie Russland, Frankreich, Südkorea, Estland oder den USA offenbar besser gelaufen ist, kann ich natürlich nicht beantworten.

Aber Fragen zu den Hessenmeisterschaften doch ganz sicher?

Das ist auch nicht so einfach, denn sie sind für die meisten Athleten aus den hessischen Vereinen die ersten Wettkämpfe seit eineinhalb Jahren. Wir werden aber sicher bis zu 25 Kinder und Jugendliche melden und auch die eine oder andere Medaille holen können. Das hoffe ich zumindest.

Nikolaus Bodoczi ist Kaderathlet, durfte deshalb auch während der Pandemie regelmäßig trainieren, wenn auch nicht so, wie er das gewohnt ist. Er ist in Dörnigheim sicher der Favorit im Degenwettbewerb der Männer.

Gudrun Bayer, FCO-Vorsitzende

Nikolaus hat auch eine Nominierung für die Europameisterschaften im Oktober in Plovdiv. Darauf liegt eigentlich sein Fokus. Aber wie jetzt gemunkelt wird, wird die EM wegen der Pandemie wohl doch wieder abgesagt. Das wäre bitter für ihn. Seine langwierige Oberschenkelverletzung aus dem Frühjahr hat ihm schon die Chance auf die Olympischen Spiele genommen. Er war immerhin die Nummer zwei der deutschen Rangliste. Wenn die EM in Bulgarien jetzt ausfällt, kann er natürlich Hessenmeister werden. Wobei mir die EM-Teilnahme für einen Offenbacher Fechter natürlich fünfmal lieber wäre.

Der Blick auf die gerade veröffentlichten Kaderlisten des DFB dürfte Sie aber freuen.

Ja, das stimmt. Außer Nikolaus sind in Nadine Stahlberg, Noemi Meszaros und Richard Schmidt noch drei ehemalige Offenbacher im Bundeskader vertreten. Außerdem ist unser David Dergay in den Nachwuchs-Kader 2 auf Bundesebene aufgerückt. Wir werden auch künftig so arbeiten, dass da weitere Fechter und Fechterinnen aus Offenbach vertreten sein werden.

Was haben Sie vor?

Zunächst einmal kommt endlich die Sanierung unseres Hallenbodens in großen Schritten voran. Zum 1. September stellen wir in Max Meszaros unseren FSJ’ler als zusätzlichen Trainer ein. Mit Wladislaw Ehrenburg, Gabriel Petrovici und ihm sind wir gut aufgestellt, können die Sportler im Training und für die beginnenden Wettbewerbe noch besser betreuen. Außerdem versuchen wir, noch einen Physiotherapeuten fest für uns zu gewinnen.

Das klingt so, als sei der FCO bisher ganz gut durch die Pandemie gekommen...

Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Wir hatten kaum Vereinsaustritte, hatten aber auch stets Angebote, je nach dem, was gerade erlaubt war. Max konnte als FSJ’ler zum Beispiel Einzeltraining in unserer eigenen Halle organisieren. Zusammen mit Nikolaus hat er für die Sportler Online-Training angeboten, was sehr gut angenommen wurde. Zuletzt hatten wir jetzt sogar die Halle der Edith-Stein-Schule - bedingt durch unsere Baumaßnahme - zum Training angemietet. Und jetzt gehen wir weiter in die Offensive.

Das bedeutet?

Wir werden im neuen Schuljahr wieder an den Offenbacher Grund- und Gesamtschulen sowie Gymnasien vorstellig, präsentieren unsere Sportart, versuchen, neue Mitglieder zu gewinnen. Wir wollen und werden wieder mehr machen, als vor den Schulen nur Handzettel zu verteilen. Aber es gibt ja noch weitere spannende Entwicklungen.

Bitte berichten Sie?

Der DFB will die Leistungszentren, zu denen wir ja zählen, mit Hilfe der Länder neu ausrichten. Das ist mit Blick auf die mäßigen Ergebnisse der Spitzenathleten in Tokio auf lange Sicht sicher keine schlechte Idee.

Wie soll das laufen?

Ich nehme unser Beispiel: Wir sollen mit den Nachbarn der Frankfurter Eintracht, der FTG, dem Darmstädter Fechtclub, der TG Dörnigheim und den Hanauern die Leistungsfechter zusammenbringen, um das Trainingsniveau weiter anzuheben. Da haben wir mit der eigenen Halle einen großen Vorteil, können zum Beispiel variable Trainingszeiten anbieten. Wir Offenbacher haben jedenfalls unsere Ideen schriftlich eingereicht, werden auch im Vorbereitungskomitee mit dem Land Hessen und dem Verband vertreten sein. Wir haben bei den strukturellen Änderungen zumindest einen Fuß in der Tür. Für die meisten Sportler laufen die Wettbewerbe erst langsam wieder an, der Vorstand war die ganze Zeit aktiv.

Das Gespräch führte Holger Appel

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