Freundschaftsspiele als Alternative

Hanau Hornets und Rhein-Main Rockets plädieren für Saisonabsage

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Spektakuläres Derby: 2019 standen sich die Rhein-Main Rockets (rot) und Hanau Hornets in der Oberliga gegenüber. Wann es für beide weitergeht, ist noch offen.

Achim Korn kann nur den Kopf schütteln. Von den Überlegungen des American Football Verband Hessen (AFVH), ab September eine verkürzte Saison ohne Zuschauer zu spielen, hält der Pressesprecher von Oberliga-Absteiger Hanau Hornets wenig.

Offenbach – „Ich kann mir ja vieles vorstellen, aber keine Geisterspiele“, macht Korn deutlich. Ein Spieltag koste zwischen 800 und 1000 Euro. Beträchtliche Ausgaben, die bei den meisten Teams durch die Zuschauereinnahmen aufgefangen werden. „Geisterspiele können sich die wenigsten Vereinen in den unteren Ligen leisten“, betont Korn.

Zudem wartet auf die Footballer ein weiteres Problem: die Fußballer. „Das ist mehr als haarig. Wenn die Fußballer dann im vollen Spielbetrieb sind, wird es sehr schwierig, freie Plätze zu finden“, meint der Hornets-Sprecher. Er plädiert dafür, die Landesliga-Saison abzusagen und Freundschaftsspiele auf eigenes Risiko auszutragen. Zumal es eine sechswöchige Vorbereitung benötige, um die Spieler angemessen auf den Ligabetrieb einzustimmen. „Ein footballspezifisches Training ist nur schwer umzusetzen. Dazu gehören eben auch Tackles“, betont Korn, der zumindest froh ist, „die Jungs wieder beisammen zu haben“.

Nach dem Abstieg gab es einen Umbruch. 60 Spieler gehören dem Kader an, die meisten sind Neulinge. Eigentlich wäre es zum Saisonauftakt gegen den Lokalrivalen Hanau Ravens gegangen. Dort sieht man die Lage etwas anders: „Sinn und Zweck unseres Vereins ist es zu spielen. Deswegen wären wir dabei“, meint der Vorsitzende Peter Weisheit. In Fünfergruppen und streng nach den Richtlinien des hessischen Verbands sind die Ravens ins Training eingestiegen.

Bei den Hornets hat der neue Chefcoach Rick Holland ein Programm zusammengestellt. „Die Spieler filmen sich dabei und laden die Videosequenzen im Internet auf eine Plattform. Die Trainer korrigieren sie und alle profitieren davon“, erzählt Korn. Dennoch nagt die Unsicherheit an ihm und den weiteren Hornissen: „Wir brauchen Planungssicherheit.“

Die wollen auch die Oberligisten um die Rhein-Main Rockets aus Offenbach und haben dies in einem Schreiben an den Verband kundgetan. „Aktuell sehen wir uns nicht in der Lage, eine annähernd faire und im Sinne der Sportlichkeit reguläre Saison im September/Oktober durchführen zu können“, heißt es dort. Genannt werden dabei Sponsoren, die weggefallen, sowie erhöhte Kosten durch individuelle Hygienevorschriften. „Für uns als kleine Vereine sind neben den Mitgliedsbeiträgen auch die Zuschauer und das Catering existenzielle Einnahmenquellen“, betonen die Klubs. Hinzu komme eine Kündigungswelle, die viele vor erhebliche Probleme stelle.

Die Rockets und ihre Mitstreiter plädieren daher für eine Saisonabsage und der Möglichkeit, Freundschaftsspiele in Eigenverantwortung zu organisieren. „Wir wollen spielen, aber nicht um jeden Preis“, sagt der Sportliche Leiter Holger Gräcmann. Mit der Konkurrenz sei man in diesem Punkt schnell auf einen Nenner gekommen.

Auch der 3. Vorsitzende des Offenbacher Klubs, Thorsten Kruppka, vermisst die Planungssicherheit. Seine Meinung ist mit Blick auf das erhöhte Infektionsrisiko klar: „Bei einem Spiel stehen etwa 100 Aktive auf dem Platz, hinzu kommen 20 bis 30 Trainer und bis zu zehn Helfer. Ein regulärer Spielbetrieb wird dieses Jahr nicht möglich sein. Wir hoffen auf die Einsicht des Verbands.“

Sollte es die Entwicklung zulassen, wollen die Offenbacher zwei, drei Freundschaftsspiele vor der eigenen Haustür organisieren. Diese könnten zwar keine Saison ersetzen, aber den Spielern doch eine Perspektive bieten. Lichtblick für die Rockets: Ende Mai soll die Jugend mit einer Laufschule ins Training einsteigen.

VON JÖRN POLZIN

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