INTERVIEW - "Momentan sind wir Nomaden“

 Der neue Rockets-Vorsitzende Dirk Zentgraf über Pläne und Träume

+
Kein Entkommen: Yannik Kaspczak, Max Meyer und Yannik Fritsch (von links) stoppen Pascal Mahr (Hanau). Foto: scheiber

Seit dem 21. September ist Dirk Zentgraf Erster Vorsitzender des Football-Oberligisten Rhein-Main Rockets aus Offenbach. Im Interview spricht er über Pläne und Träume.

Offenbach – Seit dem 21. September ist Dirk Zentgraf Erster Vorsitzender des Football-Oberligisten Rhein-Main Rockets aus Offenbach. Er löste den bisherigen Klubchef Thorsten Kruppka ab, der sich aus gesundheitlichen Gründen freiwillig ins zweite Glied zurückzog. Im Interview spricht Zentgraf über seine Visionen für den Verein, den Reiz des American Football und die mühsame Suche nach einem eigenen Trainingslatz.

Sie sind seit etwas mehr als zwei Monaten im Amt. Wie waren die ersten Wochen als Vorsitzender?

Eigentlich nicht großartig anders. Es gibt bei uns keine strikte Hierarchie. Wir waren schon immer ein Vorstands-Team und stimmen gemeinsam über alle Entscheidungen ab.

Wie lautet Ihre Vision für den Verein?

Langfristig wünsche ich mir, dass wir eine eigene Heimat finden, dass wir vielleicht sogar ein eigenes Football-Feld mit Markierungen haben. Momentan sind wir Nomaden. Wir haben einen Anhänger, in dem sich unser Material befindet – und mit dem ziehen wir von Platz zu Platz. Sportlich gesehen wäre die Vision sicherlich, mal eins, zwei Ligen höher zu spielen.

Werden Sie Ihre Heimspiele in der neuen Saison wieder im Sana-Sportpark am Wiener Ring austragen?

Ja, das haben wir schon zugesichert bekommen.

Und wo trainieren Sie?

Leider nicht mehr im Sana-Park. Kickers Offenbach braucht mehr Platz für sein Leistungszentrum. Wir werden in Bürgel beim SC 07 trainieren, auf einem Rasenplatz ohne Kabinen. Umziehen ist dort nur bedingt möglich, Duschen schon mal gar nicht. Das ist natürlich ein Rückschritt. Im Sana-Sportpark hatten wir Duschen in Hülle und Fülle und einen Kunstrasen. Das müssen wir den Spielern erst mal verkaufen.

Die Rockets kämpfen seit Jahren mit FT Oberrad und dem Offenbacher Ruderverein dafür, dass der Sportplatz an der Brandsbornstraße revitalisiert wird. Gibt es bei dem Thema etwas Neues?

Nein. Wir warten weiter auf die Stadt Frankfurt. Da gibt es keinen neuen Stand.

Wir frustrierend ist das mittlerweile?

Es ist jedenfalls nicht begeisternd.

Ist es schwierig, für American Football in Offenbach Unterstützer zu finden?

Einfach ist es nicht. Wir haben gute Sponsoren, aber im Vergleich zum Fußball sind das kleine Brötchen. Wir freuen uns über jeden Hunderter oder Fünfhunderter. Dass jetzt der Riesengönner um die Ecke kommt und die Schatulle aufmacht, ist aber illusorisch.

Müssen Sie im Gespräch mit potenziellen Sponsoren das Vorurteil entkräften, Football sei nur Gerangel?

Dass jemand sagt: „Bleibt mir fort mit dem Gekloppe“, das gibt es nicht. Aber wir müssen noch bekannter werden. Wir treffen immer noch viele Leute in Offenbach, die sagen: „Was, es gibt hier eine Football-Mannschaft? Habe ich gar nicht gewusst.“

Wie würden Sie den Reiz des American Football erklären?

Football funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen.

Haben Sie ein Beispiel?

Der Quarterback ist der Star der Mannschaft. Aber wenn er keine Offensive Line hat, die ihm den Gegner vom Hals hält, kann er so gut sein, wie er will – er wird nichts erreichen. Du bist nur gut, wenn alle zusammenarbeiten und jeder seinen Job macht.

Sie trainieren momentan dreimal die Woche in der Halle. Klappt das überhaupt mit einer großen Horde Footballspieler?

Das geht schon. Technik, Kondition, Theorie, Spielzüge – dafür braucht man nicht den ganzen Platz. Wir schaffen jetzt die Fitness, draußen werden dann hauptsächlich Spielzüge geübt.

Wann geht es raus?

Mitte Januar schon, wir sind ja keine Fußballer. (lacht) Im Ernst: Wir müssen schon bald anfangen, die Spielzüge einzuüben. Wir haben im Schnitt 45 Leute im Training, die wir jetzt in Gruppen auf die verschiedenen Hallenzeiten aufteilen. Aber wenn alle zusammen trainieren, langt die Halle nicht mehr.

Sie haben kürzlich ein offenes Training veranstaltet. Haben Sie Talente entdeckt?

Es waren Neue da, die von der Athletik her positive Ansätze gezeigt haben. Da gab es durchaus Kandidaten, wo es gut passen könnte. Wer jetzt schon einsteigt, hat natürlich den Vorteil, dass er viel Technik und Athletik mitnimmt, bevor es dann mit der Ausrüstung auf den Rasen geht. Nach dem ersten Rumms entscheidet sich dann meistens, ob einer weiter macht oder nicht. (lacht)

Wird die Spielgemeinschaft in der Jugend mit den Hanau Hornets 2020 fortgeführt?

Ja, in der U16 werden wir das weitermachen. Und vielleicht kommt sogar ein U19-Team dazu, da sind wir gerade in Gesprächen.

Was erwarten Sie vom neuen Headcoach Michael Myers?

Wir hatten in den letzten Jahren auf der Trainerposition einige Aufs und Abs. Von ihm erwarte ich mir Konstanz: das Team ausbilden und weiterentwickeln. Auf welchem Tabellenplatz das dann endet, werden wir sehen. Was ich bis jetzt von ihm sehe, gefällt mir.

Wie lautet das sportliche Ziel für die neue Saison?

Ein gesicherter vorderer Tabellenplatz wäre schön. Wir waren letzte Saison Vorletzter, da wäre es vermessen zu sagen, wir wollen Erster werden. Natürlich wollen wir aber jedes Spiel gewinnen.

Das Gespräch führte Manuel Schubert

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare