INTERVIEW Auf Examensstress folgt Trainingsverbot für Janina Kämmerer

„Fortsetzung macht keinen Sinn“

Janina Kämmerer sieht eine Saisonfortsetzung kritisch: „Denn Tischtennis muss man trainieren, sonst verlierst du das Gefühl dafür.“ Foto: Roscher

Langstadt – Das Leben mit der Corona-Krise ist auch für Janina Kämmerer ein besonderes. Die Saison im Tischtennis ruht zwar für die 22-jährige Spielerin des Bundesligisten TSV Langstadt, die vor kurzem noch sensationell Deutsche Meisterin im Mixed wurde.

Doch an der Frankfurter Goethe-Universität standen die Examensprüfungen für das Lehramt an Grundschulen an – eine mentale Herausforderung.

Die Bundesliga ruht, dafür stecken Sie mitten in den Abschlussprüfungen an der Uni. Wie läuft es?

Ich habe zwei schriftliche Prüfungen geschrieben, eine vor zwei Wochen, eine in der vergangenen Woche. Bei der zweiten Prüfung war es blöd, weil man nicht wusste: Findet sie überhaupt statt? Am Tag nach meiner Klausur mussten Kommilitoninnen und Kommilitonen wieder nach Hause. Ein Schild am Klausurraum wies darauf hin, dass die Prüfungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Das ist unglücklich geregelt gewesen. Offen ist, wann meine mündlichen Prüfungen stattfinden, sie waren für den 2. April geplant. Ich denke aber, dass sie verschoben werden.

Unter welchen Bedingungen haben Sie die Klausuren geschrieben?

Es waren 60 Leute in einem riesigen Vorlesungssaal. Wir haben sieben Tische weit auseinander gesessen, aber das hätten wir auch ohne Corona. Vor der zweiten Prüfung war das Virus schon deutlich mehr präsent. Ich fuhr mit der Bahn zur Uni – die war leer. Sonst ist sie um diese Zeit voll. Während der Prüfung bist du aber fokussiert.

Die Pause im Tischtennis dürfte Ihnen also nicht so ungelegen gewesen sein.

Das stimmt. Ich hatte vor den Prüfungen eine Woche nicht trainiert, aber nun habe ich eigentlich wieder Zeit und Lust, darf aber nicht mehr.

Wie und wo können Sie überhaupt trainieren?

Wir haben eine Platte auf dem Dachboden, mein Vater fordert mich auch schon zum Match auf (lacht). Aber ernsthaft kann man da natürlich nicht trainieren. In Langstadt wurde uns der Schlüssel für die Halle abgenommen. Uns bleibt derzeit also nur Fitnesstraining. Ob ich nach der Prüfung aber die Motivation gleich wieder aufbringen kann, weiß ich noch nicht.

Welche Auswirkungen hat ein längerfristiges Trainingsverbot für eine trainingsintensive Sportart wie Tischtennis?

Das ist in der Tat sehr schwierig. Tischtennis muss man trainieren, sonst verlierst du das Gefühl dafür. Im Sommer, wenn ich in der Regel drei, vier Wochen Pause mache, brauchst du danach auch immer etwas, bis du wieder reinkommst. Ich sehe es daher sehr kritisch, dass wir nach fünf Wochen Pause wieder spielen sollen.

Macht eine Saisonfortsetzung überhaupt Sinn?

Eigentlich nicht. Für die Bundesliga schon gar nicht. Der Meister steht fest, die Absteiger auch. In der 3. Liga auch nicht. Da steht der Meister so gut wie fest und die Absteiger auch. Ich fände es besser, wenn die Halbzeittabelle zur Wertung herangezogen wird. Da hat jeder einmal gegen den anderen gespielt. Den aktuellen Stand zu nehmen, wäre eine Wettbewerbsverzerrung.

Das Gespräch

führte Jörg Moll

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