Dieburger Sonny Weishaupt

„Meisterschaft? Das traue ich uns zu“

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Auf dem Feld, wie hier im Spiel gegen die Stuttgart Scorpions, steht Sonny Weishaupt als Ersatz-Quarterback eher selten. Der deutsche Nationalspieler sieht sich perspektivisch dennoch als Starter in der höchsten deutschen Football-Liga.

Frankfurt -  rankfurt Universe hat am Sonntagnachmittag Großes vor. Mit einem Sieg gegen die Schwäbisch Hall Unicorns wollen die „Men in Purple“ ihre Chance auf die Süddeutsche Meisterschaft in der German Football League (GFL) wahren. Von Daniel Seehuber

Mit dabei: Quarterback Sonny Weishaupt. Eine Siegerparty müsste allerdings ohne den Dieburger steigen.

Es kommt nicht allzu oft vor, dass Sonny Weishaupt von Beginn an auf dem Feld steht. Der 25-Jährige steckt in der Rolle des Ersatzmannes, der oft nur dann spielen darf, wenn ein Match entschieden ist. Oder wenn der startende Quarterback außer Gefecht ist. Was bei Frankfurt Universe in den vergangenen Jahren immer wieder der Fall war. Im Sommer 2017 sprang Weishaupt in die Bresche, als sich der US-Amerikaner Mike Wegzyn schwer verletzte. Genauso wie in dieser Saison nach dem frühen Saison-Aus des überragenden Steve Cluley. Im Spitzenspiel bei den Schwäbisch Hall Unicorns (7:17) musste Weishaupt erstmals ran.

Es war eine undankbare Aufgabe, denn ihm fehlte natürlich die Bindung ans Frankfurter Spiel. Viele Pässe fanden keinen Abnehmer, andere landeten bei gegnerischen Spielern. „Es war eine blöde Situation, mein erstes Saisonspiel als Starter ausgerechnet gegen den Deutschen Meister bestreiten zu müssen“, sagt der Dieburger, der sich im Training aber stets darauf einstellt, die Frankfurter Offensive anzuführen: „Wenn ich schon am Montag weiß, dass ich am Wochenende wohl nicht spielen werde, hat das keine Auswirkungen auf mein Training. Als Back-Up muss man schließlich seine Chancen nutzen.“ Mittlerweile ist Weishaupt in die zweite Reihe zurückgekehrt. Gefordert ist er derzeit eher abseits des Feldes. Weishaupt ist in den letzten Zügen seines Studiums der Sportwissenschaften und Philosophie, muss am nächsten Montag früh morgens eine wichtige Prüfung absolvieren. „Die Siegerparty müssen die Jungs daher ohne mich feiern“, sagt Weishaupt schmunzelnd. Im Herbst hat er vielleicht schon seinen Abschluss in der Tasche. Dann will er sich noch intensiver seiner Football-Karriere widmen.

Als Achtjähriger begann er mit der Sportart, die er zunächst neben Fußball, Baseball und Karate ausübte. Als Nachwuchskicker schaffte Weishaupt es in die Bezirksauswahl, ehe er sich auf den Football fokussierte: „Ab der sechsten Klasse wurde es in der Schule für mich eng“, erinnert sich Weishaupt: „Meine Eltern haben mir dann gesagt: Ab jetzt machst du nur noch eine Sportart. Meine Entscheidung habe ich nie bereut.“

Mit dem US-Amerikaner Andrew Elffers verpflichtete Frankfurt Universe kürzlich einen Mann, der zu den besten Quarterbacks der Liga zählt. Die meisten Teams setzen auf ausländische Spielmacher, nur bei Schwäbisch Hall startet in Marco Ehrenfried ein Deutscher. „Es ärgert mich, dass viele Mannschaften nicht den Mut haben, auf dieser Position mal auf Ausländer zu verzichten“, nimmt Weishaupt kein Blatt vor den Mund.

Bereits als 18-Jähriger schnupperte der Dieburger bei den Marburg Mercenaries Erstliga-Luft. Mittlerweile ist Weishaupt Nationalspieler und sieht sich perspektivisch als Starting-Quarterback im deutschen Oberhaus. „Das ist mein Anspruch, und ich traue mir diese Aufgabe schon jetzt zu. Der Verein muss entscheiden, ob er mir sie auch zutraut“, sagt Weishaupt, der seine zweite Saison in Frankfurt bestreitet.

Bei Universe fühlt er sich pudelwohl. Weil im Team, trotz finanzieller Sorgen des Clubs, ein „super Zusammenhalt“ herrsche. Weil Headcoach Brian Caler „viel Positives bewirkt“ habe. Und weil Universe eine einzigartige Fanszene habe. „Wir haben so viele positiv verrückte Anhänger, die es in dieser Anzahl an keinem anderen GFL-Standort gibt“, meint Weishaupt. Er hat gerne Kontakt mit den Anhängern, nahm kürzlich an einem Fanclub-Treffen in Dieburg teil. „Sie haben es verdient, mit uns endlich einen großen Erfolg zu feiern.“

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Im Euro-Bowl-Endspiel gegen die Braunschweig Lions (19:20) waren die „Men in Purple“ Anfang Juni kurz davor. Weishaupt grämt sich deswegen aber nicht, sondern macht unbeirrt weiter. Er versuche, das zu kontrollieren, was er kontrollieren könne. Etwa seine Trainingsleistungen, auf dem Feld und im Fitnessstudio. Weishaupt ist sehr diszipliniert, schiebt häufig zusätzliche Schichten. „Für mich gehört es auch dazu, dass ich oft nach Hause gehe, wenn meine Studiumskollegen zum Feiern aufbrechen.“

Selbst feiern will Weishaupt Mitte Oktober wieder. Dann steigt in Berlin das Finale um die Deutsche Meisterschaft, der German Bowl. Mit den Top-Teams Braunschweig und Schwäbisch Hall ist Universe in dieser Saison auf Augenhöhe. „Wir können es schaffen“, meint Weishaupt. Gelingt im dritten Erstliga-Jahr der große Coup, dann würde Universe mit Sicherheit Berlin unsicher machen. Mit Sonny Weishaupt, der sich dann nicht auf eine Prüfung vorbereiten muss.

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