„Geld wächst nicht auf den Bäumen“

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Jens Gottwald.

Hanau - Für die Basketballer der Hanau White Wings war in der ersten Play-off-Runde der Division ProB Endstation. Von einer verlorenen Saison will Manager Jens Gottwald nichts wissen. Von Jörn Polzin

Im Interview spricht er über die gestiegene Erwartungshaltung, die Perspektive bei den White Wings und warum eine neue Halle in weiter Ferne liegt.

Herr Gottwald, am Dienstagabend wurden die White Wings aus dem Wettbewerb gekegelt. Haben Sie das Aus mit etwas Abstand schon verdaut?

Natürlich war zunächst eine gewisse Enttäuschung da. Aber wir waren schnell ziemlich gefasst und haben mit den Spielern darüber geredet. So ist eben der Sport. Und eines darf man nicht vergessen: Wir haben eine richtig gute Saison gespielt.

Dennoch war spätestens mit dem Gewinn der Südstaffel die Erwartungshaltung im Umfeld groß. Wurmt es Sie nicht, den Aufstieg schon so früh abhaken zu müssen?

Der Aufstieg war nie unser primäres Ziel. Als wir Dresden in der Tabelle verdrängt hatten, hieß es plötzlich, wir müssen aufsteigen. Aber darauf gebe ich nichts. Für den Hauptrundensieg kann man sich keinen Blumenstrauß kaufen. Dass sich mit den Erfolgen auch die Zielsetzung im Umfeld verschiebt, ist normal und menschlich.

War am Ende nicht mehr drin?

Natürlich wären wir gerne eine oder zwei Runden weitergekommen. Aber davon lassen wir uns die tolle Saison mit Auswärtssiegen gegen die Top-Teams nicht kaputtmachen. Man darf nie vergessen, wo wir herkommen.

Was meinen Sie damit genau?

Sehen Sie, in der Vorsaison mussten wir in die Play-downs und konnten so eben den Klassenerhalt sichern. Wir kommen also aus den Tiefen und haben unruhige Zeiten hinter uns. In dieser Saison wollten wir mit der Play-off-Teilnahme vorzeitig den Klassenerhalt sichern. Das haben wir geschafft und sind somit voll im Soll.

Dennoch gibt es Stimmen, die Hanau aufgrund der Standortbedingungen als Favorit sehen. Können Sie das nachvollziehen?

Das hört man immer wieder. Aber ich kann Ihnen eines versichern, auch bei uns wächst das Geld nicht auf den Bäumen. Wir stecken viel Herzblut in unsere Arbeit und treiben das Projekt mit ehrenamtlichen Kräften voran. So wollen wir eine gute Infrastruktur bieten, um interessante Spieler nach Hanau zu locken. Der Zuschauerzuspruch spricht für sich.

Ohne Sponsoren geht es aber auch nicht...

Ja, wir sind sehr froh darüber, dass uns die Sponsoren auch in sportlich schwierigen Zeiten treu geblieben sind. Dieses Niveau wollen wir auch halten und noch neue Sponsoren hinzugewinnen.

Wie sieht der Etat für die neue Spielzeit aus?

Wir werden mit einem gesicherten Etat in die neue Saison gehen.

Wie sieht es personell aus? Gerade die Vertragsverlängerung mit den Amerikanern gestaltet sich ja meist schwierig.

Das kann so sein, muss aber nicht. Anish Sharda kam vor vier Jahren aus Freiburg zu uns und hat sich hier bestens etabliert. Das spricht für unseren Standort. Es muss aber immer von beiden Seiten passen. Ansonsten versuchen wir, unsere Talente mehr und mehr in das Team zu integrieren.

Können Sie Erfolgstrainer Ty Shaw halten?

Das wird man sehen. Er hat das Team nach einer enttäuschenden Saison übernommen und zusammen mit Helmut Wolf herausragende Arbeit geleistet. Wir würden sehr gerne mit ihm weitermachen und werden demnächst unsere Vorstellungen austauschen.

Auch eine neue Halle steht im Raum. Wie realistisch ist dieser Wunsch?

Wünschen kann man sich viel. Fakt ist, dass in Hanau nur die Main-Kinzig-Halle die Bedingungen für Basketballsport erfüllt. Dort ist der geringe Stauraum problematisch. Für eine neue Halle müssten wir einen privaten Investor finden, da die Stadt sich nicht beteiligen darf und soll. Das ist aber schwierig und ein langwieriges Projekt.

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