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„Gibt im Golf leider weiterhin Riesenunterschiede“

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Von: Christian Düncher

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Golf unter Palmen: Laura Fünfstück aus Langen spielte dieses Jahr auf der Ladies European Tour unter anderem in Dubai und Saudi-Arabien. Ihre beste Platzierung war ein dritter Rang, die Tour beendete sie als Zehnte.
Golf unter Palmen: Laura Fünfstück aus Langen spielte dieses Jahr auf der Ladies European Tour unter anderem in Dubai und Saudi-Arabien. Ihre beste Platzierung war ein dritter Rang, die Tour beendete sie als Zehnte. © LET/Tristan jones

Offenbach – Der Job als Profigolferin bringt es mit sich, viel unterwegs zu sein. Aber die Zeit zwischen den Jahren verbringt Laura Fünfstück vom GC Neuhof traditionell zu Hause: in Langen. Im Interview spricht die beste deutsche Spielerin der Ladies European Tour (LET) über Golf in Corona-Zeiten, den Kampf für mehr Gleichberechtigung sowie ihren Traum von der Olympia-Teilnahme.

Sie sind seit 2018 Profi, haben nun Ihre zweite volle Saison auf der Ladies European Tour (LET) hinter sich. Wie lautet Ihr Fazit? War die Entscheidung richtig?

Auf jeden Fall. Ende 2017 hatte ich schon an einem Profi-Event teilgenommen und damals viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Dies beginnt schon in der Vorbereitung - da muss man schnell aus Fehlern lernen können. Beim folgenden Qualifying-Turnier habe ich ganz knapp eine volle Tour-Karte für die LET verpasst und wusste nicht, ob ich die Saison in Europa hätte finanzieren können, da Voraussetzung für die Nationalkader-Nominierung eine volle Spielberechtigung ist.

Wie ging es dann weiter?

Ich beschloss, in Südafrika die Sunshine Tour zu spielen - sieben Turniere in knapp sieben Wochen. Mein „Crash-Kurs“ im Profi-Golf. Der Trip hatte einiges gekostet, sich jedoch gelohnt. Ich habe gerade zum zweiten Mal in Folge auf der LET eine Saison in den Top Ten beendet.

Und können Sie mittlerweile vom Golf leben?

Es geht in die richtige Richtung. Ich habe zu Hause relativ geringe Kosten, da ich seit der Rückkehr aus den USA wieder bei meinen Eltern wohne. Das würde ich gerne ändern - auch zum Wohle meiner Eltern (lacht). Ich bin jetzt 26 Jahre alt. Irgendwann muss der Schritt kommen. Anderseits war ich zwei Drittel des Jahres unterwegs und hätte dann eine Wohnung finanzieren müssen.

Sie haben dieses Jahr auf der LET rund 80 000 Euro Preisgeld gewonnen, zahlen aber keine Miete. Das klingt nicht so schlecht.

Was man beim Blick auf die Geldrangliste vergisst: Davon gehen die Turnierkosten ab. Startgeld, Unterkunft, Flüge, Verpflegung sowie eventuell ein eigener Caddy, der schon mal 2000 Euro plus Bonus pro Woche kosten kann. Zudem muss das Preisgeld im jeweiligen Land zum dort gültigen Satz versteuert werden.

Gleiche Bezahlung von Frauen und Männern ist auch im Sport ein Thema. Wie sieht es im Golf aus?

Es gibt leider weiterhin Riesenunterschiede. Im Schnitt verdienen wir zwischen zehn und 50 Prozent des Preisgeldes der Männer. Das Turnier in Marokko ist das Paradebeispiel. Wir spielen in der gleichen Woche wie die Männer, auf dem gleichen Platz. Der Sponsor ist auch identisch. Das Preisgeld bei den Frauen beträgt 450 000 Euro, bei den Männern sind es hingegen 2,5 Millionen Euro. Oder bei den British Open: 4,5 Millionen Euro bei den Frauen, 9,5 Millionen bei den Männern.

Wie sieht es bei den Sponsoren aus?

Die Herren werden in der Regel dafür bezahlt, dass sie die Kleidung eines bestimmten Herstellers tragen. Auf der LET gibt es hingegen nur zum Teil Sponsorenverträge. Bedeutet: viele Spielerinnen auf der Tour müssen ihre Kleidung und ihre Schläger selbst bezahlen und haben sogar teilweise Nebenjobs, wenn sie zu Hause sind.

Apropos Gleichberechtigung: Die LET hat dieses Jahr erstmals Station im Nahen Osten gemacht. Wie haben Sie sich dort als Frau gefühlt?

In Dubai war es relativ entspannt. Bei Saudi-Arabien habe ich lange mit mir gerungen. Ich bin nicht blauäugig und weiß, was dort los ist. Mein Gewissen war davor und danach sehr aktiv. Es ging bei den Turnieren dort um sehr viel Preisgeld, Punkte für die Weltrangliste, die Chance auf die Teilnahme am Solheim Cup (Teamwettbewerb zwischen den besten Golferinnen aus Europa und den USA, Anm. d. Red.) und war letztlich auch mit Blick auf die Olympischen Spiele zu wichtig, um das auszulassen. Wir sehen dort natürlich nur die polierte Version, da wir in unserer Bubble sind. Aus Respekt Schultern und Knie zu bedecken, war für mich kein Problem. Wirklich wohlgefühlt habe ich mich aber nur bedingt, zumal Frauenrechtsaktivistinnen mir geschrieben und die Teilnahme am Turnier kritisiert haben.

Beim Blick auf die Starterliste der LET fällt auf, dass dort in der Marokkanerin Maha Haddioui nur eine Spielerin aus einem arabischen Land zu finden ist.

Ja, sie hat einen guten Draht zur königlichen Familie, die sie entsprechend unterstützt. Sie ist eine Ausnahme, aber ich hoffe, dass sie etwas bewirkt. In Dubai gab es zum Beispiel ein Kids Camp. Es wäre schön, wenn mehr junge Mädchen uns beim Golfspielen sehen und das dann auch machen wollen. Es geht halt nur Schritt für Schritt.

Zurück zu Ihnen: Wie lange wollen Sie Profi-Golferin bleiben?

Es gibt auf der Tour Spielerinnen, die sind Anfang 50. Man kann das also nahezu ein Leben lang machen, wenn man gesund bleibt und diesen Lebensstil durchziehen will. Ich bin mir da noch nicht sicher. Aber ich war mir auch nicht sicher, ob mir das Dasein als Profi-Golferin überhaupt gefällt. Für ein Fazit ist es auch noch zu früh. Ich sehe mich noch am Anfang der Karriere. Zur Realität gehört auch die Frage, ob man davon leben kann. Bisher macht es mir sehr viel Spaß und falls es sich so positiv fortsetzt, hätte ich nichts dagegen, noch eine Weile Profi zu bleiben.

Ihre dritte Saison als Profi fand auch corona-bedingt unter besonderen Voraussetzungen statt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Letztlich erstaunlich gut. Im Mai, Juni war ich auch aufgrund einer Ellenbogen-Verletzung noch sehr skeptisch, ob es überhaupt weitergehen würde. Aber vor dem Restart wurde es deutlich besser. Jetzt ist die Verletzung fast ausgestanden. Ich habe dieses Jahr auf der LET insgesamt zwölf Turniere gespielt, acht nach dem Restart. Das war fast der Idealfall. Damit muss ich zufrieden sein, auch wenn es teilweise unter fragwürdigen Bedingungen stattfand.

Inwiefern?

Einmal waren alle Spielerinnen corona-bedingt in einem Hotel untergebracht, um in einer Bubble zu sein. Auf einmal waren dort aber auch andere Gäste. Da wundert man sich schon etwas. Mit der Zeit hat sich aber organisatorisch alles eingespielt und letztlich erging es ja allen gleich. Insgesamt fast fünf Monate Turnierpause zu haben, war aber eine neue Situation für mich. Das kannte ich nicht mal aus der Zeit als Amateur.

Und dann ging es nach dem Restart fast direkt von null auf 100.

Es standen gleich zwei Hammer-Events an: die Scottish Open sowie die zu den Major-Turnieren zählenden British Open. Und die letzten vier Wochen hatten es auch noch mal in sich. Da habe ich einmal knapp den Sieg verpasst.

Sie lagen in Dubai in Führung und wurden letztlich Dritte. Hat Sie das gefreut oder geärgert?

Es hat sehr gutgetan nach so einer langen Pause auch mir selbst mal wieder zu zeigen, dass ich um den Sieg spielen kann. Die reine Teilnahme an einem Turnier stellt mich nicht zufrieden. Mein Anspruch ist schon, ganz vorne mitzumischen.

Sie waren nun zweimal in Folge bei der LET in den Top Ten. Was wäre der nächste Schritt?

Mein Plan ist es, Ende 2021 die Quali für die LPGA (nordamerikanische Turnierserie, Anm. d. Red.) zu spielen. Vereinfacht ausgedrückt wäre das noch mal ein Level höher als die LET. Dort hat man fast jede Woche ein Major-ähnliches Niveau. Das ist etwas, wo man sich als Profi langfristig sehen will. Ich hoffe, dass ich dort ab 2022 spielen kann.

Vorhin hatten Sie die Olympischen Spiele 2021 in Tokio angesprochen. Wie realistisch ist das aktuell?

Es können nur zwei deutsche Spielerinnen daran teilnehmen. Ich habe Nachrückerstatus. Ein Duo liegt klar vorne, aber endgültig ist das noch nicht. Die Chance besteht noch und ich bleibe optimistisch.

Das Gespräch führte Christian Düncher

Als Dreijährige schon mit Golf begonnen

Laura Fünfstück wurde am 21. Dezember 1994 in Langen geboren. Als Dreijährige bekam sie ihre ersten Plastik-Golfschläger geschenkt. Schnell entwickelte sich die Anlage des GC Neuhof in Dreieich zum zweiten Zuhause. Ihre Amateur-Karriere begann 2013 mit einem Erfolg bei den Internationalen französischen Jugend-Meisterschaften und endete 2017 mit dem deutschen Meistertitel. Mit dem deutschen Nationalteam nahm sie viermal an der EM und einmal an der WM teil. Parallel studierte die aktuelle Nummer 209 der Weltrangliste Finanzwesen am College of Charleston (USA) und stellte dort im Golf mehrere Bestmarken auf. 2018 folgte der Wechsel ins Profi-Lager. Seitdem spielte sie unter anderem 36 Mal auf der Ladies European Tour (zehn Top-Ten-Platzierungen), die sie in den vergangenen zwei Jahren auf den Rängen neun und zehn beendete. cd

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