Führungsteam der Schiedsrichter tritt komplett zurück

Großer Knall im Handball-Verband

Schiedsrichter Klaus-Jörg Kopf (TSV Griedel) verhängt in einem Oberligaspiel eine Zwei-Minuten-Strafe. Die Handball-Schiedsrichter auf Landesebene sind nach dem Rücktritt von Verbandsschiedsrichterwart Peter Griebl und seinem Team führungslos. -  Foto: Lorenz
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Schiedsrichter Klaus-Jörg Kopf (TSV Griedel) verhängt in einem Oberligaspiel eine Zwei-Minuten-Strafe. Die Handball-Schiedsrichter auf Landesebene sind nach dem Rücktritt von Verbandsschiedsrichterwart Peter Griebl und seinem Team führungslos.

Offenbach -  In der sonst so besinnlichen Adventszeit ist es im Hessischen Handball-Verband zu einem großen Knall gekommen. Von Stefan Moritz

Ein schon seit eineinhalb Jahren schwelender Streit zwischen dem Verbandspräsidium und Verbandsschiedsrichterwart Peter Striebl und seinem Team ist eskaliert. Wegen unüberbrückbarer Differenzen und mangelnden Vertrauens ist Striebl nach mehr als zehn Jahren im Amt von seinem Posten zurückgetreten. Aus Solidarität folgten dem Verbandsschiedsrichterwart aus Kiedrich bei Eltville am Rhein dessen Stellvertreter Engin Akbag (Kassel), Rocco Finger (TV Großwallstadt) als Verantwortlicher für die Nachwuchsförderung und Sally Kulemann (TSG Oberursel) als Verantwortliche für die Neulingsausbildung. Damit ist das Schiedsrichterwesen auf Hessenebene komplett führungslos.

Tobias Weyrauch (Lich), Vizepräsident des Hessischen Handball-Verbandes.

„Das ist natürlich ein Riesenloch“, sagt Tobias Weyrauch, Vizepräsident Spieltechnik (Lich), der nun Nachfolger sucht und die Aufgaben kommissarisch übernimmt. Die Spitze des Schiedsrichterwesens ist zuständig für die Ansetzung der Schiedsrichter auf Landesebene, also in den Ober- und Landesligen der Männer, Frauen und Jugend. An einem normalen Spieltagswochenende sind 96 Spiele zu besetzen. „Glücklicherweise sind wir jetzt in der Feiertagspause und die ersten Spieltage 2018 am 13./14. und 20./21. Januar sind weitgehend besetzt. Wir müssen aber auch für den 20. und 21. Januar geplante Lehrgänge organisieren.“ Für die Woche zwischen den Jahren sind deshalb zwei Sitzungen angesetzt. „Da wollen wir über zwei Bewerbungen entscheiden und bei mir haben sich zwei weitere Interessenten gemeldet. Da müssten wir aber noch eine Lösung finden. Denn es geht natürlich nicht, dass sich aktive Schiedsrichter selbst ansetzen.“

Ein Bild aus friedlicheren Zeiten: HHV-Präsident Gunter Eckart (Brombachtal, links) gratuliert Verbandsschiedsrichterwart Peter Striebl zum Geburtstag. Jetzt forderte Eckart seinen Duzfreund zum Rücktritt auf und drohte mit der Amtsenthebung.

Der Streit mit dem abgetretenen Führungsteam der Schiedsrichter gärt schon seit eineinhalb Jahren. Damals ist Schiedsrichter-Lehrwart Andreas Laible (TSG Oberursel) zurückgetreten nach Differenzen mit dem Präsidium. „Er ist aus dem Amt gedrängt worden“, sagt sein Zögling Rocco Finger (TV Großwallstadt), der dann selbst zum Grund für die Eskalation dieses Streits wurde. „Ich habe das Präsidium kritisiert und die Vorgänge hinterfragt. Das hat den Herren nicht so gut gefallen“, sagt er. „Rocco Finger hat sich in diesem Gespräch ziemlich daneben benommen“, sagt Weyrauch.

Als Beauftragter für Nachwuchsförderung übernahm Finger fortan kommissarisch auch die Aufgaben des zurückgetretenen Lehrwarts Laible. Auf Betreiben von Verbandsschiedsrichterwart Striebl sollte Finger auch offiziell zum Lehrwart erklärt werden, Frank Sattler, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter der TSG Oberursel, zum Beauftragten für Schiedsrichter-Beobachtungen und Coaching werden und Stefan Ludwig (TV Großkrotzenburg) als Nachfolger von Finger zum Weiterbildungsbeauftragten. Diese Personalvorschläge aber wurden vom Präsidium dreimal abgelehnt.

„Dieses Team hat seit Anfang der Saison gut funktioniert, wurde aber abgelehnt, weil einzelne Leute vom Präsidium nicht gewollt waren“, sagt Striebl, „ich habe immer gesagt: Schaut es euch doch an, es läuft super. Springt doch mal über euren Schatten, wenn ihr gegen einzelne Personen etwas habt.“

HSG Rodgau Nieder-Roden besiegt Großwallstadt im Derby: Bilder

HSG Rodgau Nieder-Roden TV Grosswallstadt
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Das Präsidium um Präsident Gunter Eckart (Brombachtal) blieb aber stur und forderte schließlich Striebl in einem Schreiben zum Rücktritt bis zum 27. Dezember auf mit der Androhung, anderenfalls seine Abberufung wegen „grober Verletzung der Interessen des Hessischen Handball-Verbandes“ einzuleiten. „Eine Unverschämtheit“, findet Striebl, mit dem dann dessen gesamtes Team zurücktrat und damit das aktuelle „Riesenloch“ in die Schiedsrichterspitze riss. Zuvor waren zudem Gerüchte aufgekommen um einen angeblich geplanten Streik der Schiedsrichter, um Striebl und Finger zu unterstützen. Einen Streik aber lehnt Striebl selbst entschieden ab. „Damit würde man doch nur die Vereine treffen und die können ja nichts für die verfahrene Situation.“

Versöhnlich äußert sich Vizepräsident Weyrauch: „Peter Striebl hat mit seinem Team gute Arbeit geleistet. Dass es so endet, ist sehr zu bedauern. Er wollte ohnehin zurücktreten, um noch in den Spiegel schauen zu können. Wenn man eine Personalie unbedingt durchsetzen möchte und das nicht kann, kann ich einen solchen Schritt auch verstehen“, sagt er, „wir haben jetzt natürlich viel Arbeit. Aber das ist jetzt halt so.“

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