Rugby: Großer Traum am anderen Ende der Welt

Frankfurter will für legendäre All Blacks in Neuseeland auflaufen

Anton Segner mit Fahne des SC 1880 Frankfurt im Trikot der neuseeländischen U18. - Foto: p
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Anton Segner mit Fahne des SC 1880 Frankfurt im Trikot der neuseeländischen U18.

Offenbach -  Ein Frankfurter sorgt am anderen Ende der Welt für Furore: Der 17 Jahre alte Anton Segner will der erste deutsche All Black werden, also ein Mitglied der legendären neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft. Der Verband seines Geburtslandes plant bereits ohne ihn. Von Christian Düncher

Die Liste wird seit 1884 geführt und umfasst 1175 Namen. So viele Spieler haben bislang das begehrte schwarze Trikot getragen. Auch Anton Segner könnte bald ein Teil dieser elitären Auswahl sein: ein All Black. Für den gebürtigen Wiesbadener, der in Frankfurt aufgewachsen ist, würde sich damit ein Wunsch erfüllen. „Die All Blacks waren immer mein Traum“, sagt er. „Um für das beste und erfolgreichste Team der Welt zu spielen, bin ich unter anderem hierher gekommen.“

Der Haka ist neben den schwarzen Trikots das Markenzeichen der All Blacks: Das neuseeländische Rugby-Nationalteam führt den Kriegstanz der Ureinwohner vor jedem Spiel auf, um den Gegner einzuschüchtern. Mit Erfolg. Die All Blacks sind WM-Rekordsieger und seit fast neun Jahren die Nummer eins der Weltrangliste.

Hierher, damit meint Segner seine neue Heimat Neuseeland. Und die All Blacks sind das Rugby-Nationalteam des Inselstaates im südlichen Pazifik. Dreimal haben sie die seit 1987 alle vier Jahre ausgetragene WM gewonnen. Rekord. Zudem führen sie inzwischen seit 2009 die Weltrangliste an. Ebenfalls einzigartig. Und nun soll ausgerechnet ein Talent aus einem Rugby-Entwicklungsland realistische Chancen haben, es in dieses Team zu schaffen? Möglich machen könnten das zwei Faktoren: das außergewöhnliches Talent Segners sowie die sogenannte „Residence rule“. Sie besagt, dass ein Rugbyspieler, der ohne Unterbrechung drei Jahre in einem Land aktiv war, in dessen Nationalteam eingesetzt werden darf, sofern er nicht schon im Herren-Bereich für ein anderes Land gespielt hat.

Segner besucht seit 2017 das Nelson College im Süden Neuseelands. Tim Manawatu hatte ihn dorthin vermittelt. Er war sein Jugendtrainer beim SC Frankfurt 1880, wo der Blondschopf in der U12 mit dem Rugbyspielen begonnen hatte. „Da ich damals bereits größer war als die meisten Neunjährigen, war ich für diese Sportart gut gebaut“, erklärt der Hüne (1,90 m, 107 Kilo). „Und Tim Manawatu sagte mir immer, dass Rugby in Neuseeland wie Fußball in Deutschland ist. Es ist Teil der Kultur, jeder läuft mit dem Rugbyball unterm Arm rum.“

Hierzulande ist Rugby hingegen eine Randsportart, dessen sind sich auch die Neuseeländer bewusst. „Man war hier natürlich überrascht, einen deutschen Rugbyspieler zu sehen“, sagt Segner. „Aber meine Mitspieler und Trainer haben mich wie jeden anderen Spieler im Team aufgenommen.“ Zumal sich der ehemalige deutsche U16-Nationalspieler schnell Respekt verschaffte. Bereits in seinem ersten Jahr schafft er es in die Startformation seines Schulteams, im zweiten wurde er zum Kapitän ernannt.

Segner erkämpfte sich zudem einen Platz im Kader der U18-Auswahl des Profiteams Crusaders. „Das war vor der Saison mein Hauptziel“, sagt er. Nach der Partie gegen die U18 der Chiefs wurde er zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt. Doch damit nicht genug: Er schaffte es auch in die U18-Auswahl der All Blacks, die so genannten „New Zealand schools“, die der Verband als die „erste Stufe auf der Leiter der High Performance Teams“ bezeichnet.

Unschlagbare All Blacks feiern Rugby-Triumph

Prinz Harry lässt es sich nicht nehmen, Richie McCaw die Webb-Ellis-Trophäe zu überreichen. Foto: Gerry Penny
Neuseeland verteidigt den Titel und ist zum dritten Mal Weltmeister. Foto: Gerry Penny
Sonny Bill Williams beeindruckt mit großer Geste: Er hängt Charlie Lines seine Goldmedaille um den Hals. Foto: Facundo Arrizabalaga
Vor dem Anpfiff wird es im Stadion still, als Neuseeland den Haka aufführt. Foto: Gerry Penny
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„Ich war geschockt, als ich realisiert habe, dass hier die 53 besten Spieler aus Neuseeland waren und ich dazugehörte“, erinnert sich Segner an das Training. Nach drei Tagen wurde der Kader auf 25 Spieler reduziert – und der Frankfurter war dabei. Auf der Australien-Tour trug er dann dreimal das schwarze Trikot, wenn auch nur mit dem Aufdruck „New Zealand schools“.

Seine Mitschüler fragen ihn bereits, ob er schon von den All Blacks träumt. „Ich bin auf einem guten Weg, aber er ist noch saulang“, meint Segner. Tim Manawatu berichtet, dass die Trainer in Neuseeland in höchsten Tönen über den Frankfurter sprechen. Und beim deutschen Verband hat man Segner bereits abgehakt. „Wir rechnen nicht mit ihm“, betont DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm. „Wir drücken ihm beide Daumen. Ich glaube, er hat das Zeug dazu, sich diesen ultimativen Traum eines Rugbyspielers zu erfüllen. Er würde dem deutschen Rugby damit ein wunderbarer Botschafter sein. Die Tür für eine Rückkehr steht jedoch immer offen.“

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