Olympia

„Grundlagen bei uns gelegt“: Bruchköbeler Politiker, Heimatverein und Weggefährten feiern Sarah Köhler

Freudentränen: Sarah Köhler mit ihrer olympischen Bronzemedaille.
+
Freudentränen: Sarah Köhler mit ihrer olympischen Bronzemedaille.

Tokio/Bruchköbel – Sarah Köhler macht ihren letzten Armzug und schlägt am Beckenrand an. Sie schaut auf die Ergebnistafel, verbirgt ihr Gesicht ganz kurz in beiden Händen, um schließlich ihrer puren Freude freien Lauf zu lassen, in dem sie mehrfach jubelnd die Faust reckt und ins Wasser schlägt: Die 27-jährige Bruchköbelerin Sarah Köhler hat bei den Olympischen Spielen in Tokio über 1500 Meter Freistil Bronze gewonnen – und erstmals seit 13 Jahren olympisches Edelmetall im Beckenschwimmen nach Deutschland geholt.

Tokio/Bruchköbel – Und damit auch nach Bruchköbel. Mittlerweile lebt sie zwar in Magdeburg und startet für die SG Frankfurt, ihre Karriere begann aber im Bruchköbeler Hallenbad. Entsprechend stolz hat sich gestern Morgen die Stadtspitze geäußert. Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) weilt zwar im Urlaub, hat den Erfolg der berühmten Tochter der Stadt natürlich mitbekommen und via Instagram kommentiert: „Sie hat es geschafft – Sarah Köhler holt die erste olympische Medaille für die deutschen Schwimmer seit 13 Jahren. Und auch wenn sie schon länger in Magdeburg lebt, so ist ihr Heimatort nun mal Bruchköbel, hier hat sie Schwimmen gelernt, ein Teil ihrer Familie lebt noch hier und hat sicher mitgefiebert. So wie ich auch an diesem frühen Morgen. Ganz, ganz herzliche Glückwünsche zur Bronzemedaille über 1500 Meter Freistil gehen auch aus Bruchköbel jetzt Richtung Tokio – eine ganz tolle Leistung!“

SC Undina Bruchköbel

Ähnlich begeistert hat Oliver Blum, ehrenamtlicher Erster Stadtrat (Grüne), gestern Morgen reagiert. „Sarah Köhler hat bei uns in Bruchköbel das Schwimmen gelernt. Natürlich ist sie dann weitergezogen, aber die Grundlagen wurden in Bruchköbel gelegt. Das macht uns stolz“, ist Blum die Freude über den Erfolg der 27-Jährigen anzuhören. Heute geht das Olympia-Abenteuer von Sarah Köhler weiter, denn der Vorlauf über 800 Meter Freistil steht an (etwa 12.30 Uhr unserer Zeit) – mit Unterstützung aus Bruchköbel: „Wir verfolgen das mit großer Begeisterung“, sagt Blum.

Schwimmkameradin Julia Mrozinski schickt Grüße aus Hamburg

Glückwünsche für Sarah Köhler kommen auch aus Hamburg. Julia Mrozinski, die in Nidderau aufgewachsen und selbst Freistilspezialistin ist, hat sich extra den Wecker gestellt, um den Finallauf von Sarah Köhler live im Fernsehen zu schauen: „Das ist megacool, ich freue mich sehr für sie. Ich kenne Sarah aus unseren gemeinsamen Zeiten bei der SG Frankfurt, also seit Kindestagen, und freue mich einfach riesig für sie.“ Mrozinski, die mittlerweile für die SGS Hamburg schwimmt, in ein paar Wochen zum Studieren in die USA zieht und sich für Olympia 2024 qualifizieren will, hat ein taktisch gutes Rennen ihrer ehemaligen Vereinskameradin gesehen: „Sie hat ihre eigene Bestzeit um sechs Sekunden unterboten, da hat sich das harte Training ausgezahlt.“

Wie hart Sarah Köhler für die olympische Medaille geschuftet hat, wissen auch die Mitglieder ihres ersten Schwimmvereins SC Undina Bruchköbel. Bettina Sasse stieg ins Trainergeschäft bei der Undina ein, als Sarah Köhler noch für den Bruchköbeler Klub schwamm. „Wir freuen uns riesig für Sarah. Vor allem, weil sie so ein netter und sympathischer Mensch ist“, sagt Sasse über das absolute Aushängeschild des Vereins. „Wir erzählen allen Kindern, dass Sarah mit dem Schwimmen in Bruchköbel begonnen hat. Wir haben ihre Rennen verfolgt und auch alle Kinder sind megabegeistert“, erzählt die Trainerin von zig Nachrichten aus Whats-App-Chats.

Bettina Sasse ist

Ein Hanauer hatte sogar die Ehre, Sarah Köhler zum Gewinn der Bronzemedaille gratulieren und mit ihr ein paar Worte wechseln zu dürfen. Kai Pfaffenbach fotografiert für die Agentur Reuters die Olympischen Spiele in Tokio und versorgt die HA-Leser in der Rubrik HANAUER Augen mit seinen persönlichen Eindrücken. Er lernte Sarah Köhler bereits bei Olympia 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro kennen und schätzt die sympathische Schwimmerin sehr. So sehr, dass dem Fotografen bei der Siegerehrung die Tränen gekommen sind. „Meine Kollegen haben leicht irritiert geschaut“, berichtet der Fotograf der HA-Redaktion. „Am liebsten hätte ich Sarah mal fest gedrückt, aber das untersagt das Covid-Protokoll strengstens. Wenigstens konnte ich ihr nach der Siegerehrung noch viel Spaß beim Feiern wünschen – Sarah hat aber ganz professionell gemeint, dass sie erst mal ihr Rennen über 800 Meter Freistil schwimmt, danach wird ordentlich Gas gegeben“, so Kai Pfaffenbach mit Eindrücken von dem großen Erfolg von Sarah Köhler. (Von Julia Meiss)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare