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Hammersbacher Ex-Taekwondoka Juliane Kuhlmann will an Landessportbund-Spitze

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Von: Julia Meiss

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Juliane Kuhlmann will heute lsbh-Präsidentin werden.
Juliane Kuhlmann will heute lsbh-Präsidentin werden. © -

An der Spitze des Landessportbundes Hessen (lsbh) steht am Samstag (25.6.2022) eine Zäsur an: Nach nahezu 25 Jahren wird der Gelnhäuser Dr. Rolf Müller nicht mehr als Präsident des lsbh kandidieren. Die Chance, dass das Amt zumindest teilweise im Main-Kinzig-Kreis bleibt, ist aber gegeben: Denn Präsidentschaftskandidatin Juliane Kuhlmann lebt zwar in Nauheim im Kreis Groß-Gerau, ist aber eine waschechte Hammersbacherin und mit ihrer Heimatregion nach wie vor eng verbunden.

Nauheim/Hammersbach – Ihre Kandidatur hat sich die 44-Jährige gut überlegt. Nach 19 Jahren als Vorsitzende der Sportjugend Hessen stellte sich Juliane Kuhlmann im März dieses Jahres nicht mehr zur Wahl. Stattdessen hat sich die engagierte Diplom-Agraringenieurin ein neues Ziel gesetzt: „Als Vorsitzende der Sportjugend war ich auch Vizepräsidentin für Kinder- und Jugendsport im Präsidium des Landessportbundes Hessen. Und jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich große Lust habe, diesen Schritt zu gehen und aktiv selbst zu gestalten. Ich möchte mehr bewegen können - das ist an der Spitze möglich.“ Ebenfalls zur Wahl als Präsident beim XXIX. Ordentlichen Sportbundtags des Landessportbundes in Wiesbaden steht Prof. Dr. Heinz Zielinski (Gießen). „Ich komme aus dem Kampfsport und finde es gut, einen Gegenkandidaten zu haben“, kann Kuhlmann dem Zweikampf um die Spitze nur Gutes abgewinnen.

Die 44-Jährige scheut als ehemalige Taekwondo-Leistungssportlerin keine Herausforderung. Angefangen hat ihre sportliche Karriere 1985 beim Chung-Gun Hammersbach. Vorbild war damals Taekwondoka Sonny Seidel, die heute Jung heißt. „Wegen Sonny wollte ich den Sport unbedingt kennenlernen und bin einfach mal zum Chung-Gun hingegangen. Und was soll ich sagen, das hat einfach gepasst“, freut sich die Mutter zweier Jungs (sechs und acht Jahre alt) darüber, dass sie als Kind schnell ihren Herzenssport gefunden hat. Das hat sich auch in den Erfolgen niedergeschlagen. Schnell war für Juliane Kuhlmann damals klar, dass sie in den Vollkörperkontakt-Wettkampfbereich gehen will. Dort legte sie eine steile Karriere hin, wurde Hessenmeisterin und zeichnete sich auch über Deutsche Meisterschaften, Internationale Deutsche Meisterschaften und Turniere im Ausland aus, sodass sie schließlich in die Junioren-Nationalmannschaft berufen wurde.

Entscheidung zwischen Leistungssport und Studium in Gießen

Juliane Kuhlmann schaffte sogar den Sprung in die A-Nationalmannschaft und durfte mit ihrem Idol Sonny Seidel trainieren - und hatte Chancen auf die Teilnahme bei der Olympia-Premiere der Kampfsportart. Genau in die Zeit ist aber auch der Studienbeginn an der Justus-Liebig-Universität Gießen gefallen. Eine schwierige Entscheidung zwischen Leistungssport und Studium stand für die Hammersbacherin an. „2000 wurde Taekwondo erstmals olympisch und es war im Vorfeld nicht klar, in welchen Gewichtsklassen gekämpft wird. Ich hatte mich dazu entschieden, vom intensiven Leistungssport Abstand zu nehmen. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung, denn in meiner Gewichtsklasse wurde bei Olympia nicht gekämpft.“

Dem Sport hat Juliane Kuhlmann aber keinesfalls den Rücken gekehrt, denn bereits während ihrer Jugendzeit beim Chung-Gun Hammersbach wurde die Grundlage für ihre Tätigkeit im Ehrenamt gelegt. Und die Art und Weise, wie es dazu kam, ist für die Nauheimerin heute noch prägend und ein elementarer Teil ihrer Arbeit im Landessportbund Hessen: „Ich wurde als junges Mädchen von den Trainern angesprochen und gefragt, ob ich nicht im Verein helfen will. In diesem Moment wurde ich ernst genommen, mir wurde Wertschätzung entgegengebracht und die Möglichkeit gegeben, was zu bewegen.“

Juliane Kuhlmann möchte jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen und Einstieg ins Ehrenamt ermöglichen

Basierend auf diesem Grundsatz, junge Menschen durch Anerkennung und Wertschätzung in die ehrenamtliche Arbeit zu bringen, hat sie bis heute verinnerlicht und will dies auch als Präsidentin des lsbh forcieren. „Es heißt immer, junge Menschen wollen sich nicht ehrenamtlich engagieren. Das stimmt aber nicht. Sie wollen es nur nicht so machen, wie es für Erwachsene richtig ist“, will sie gezielt jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen und sie aktiv miteinbeziehen. Mit Blick auf eine mögliche Präsidentschaft spricht Juliane Kuhlmann realistisch von einer schwierigen Zeit mit vielen akuten Themen.

Beispielhaft nennt die Hobby-Imkerin, die mehrere Bienenvölker im Garten hat, das Vorantreiben der Digitalisierung im Sportbund und die Stärkung der Vereine, die während der Corona-Pandemie „einen starken Job gemacht haben und so viel Sport wie möglich war“ angeboten haben.

Vereinen auch finanziell den Rücken stärken

Um die Vereine zu stärken, müssen ihrer Ansicht nach die Rahmenbestimmung durch den lsbh stimmen. Das bedeutet zum Beispiel aktive Hilfe bei der Gewinnung von Mitgliedern und Zugang zu Fördermitteln. Zu fördern seien vermehrt auch Sanierungen der Sportstätten, denn hier sieht Juliane Kuhlmann ein neues großes Problem auf Hessens Sportvereine zukommen: „Durch die steigenden Energiepreise werden einige Verein eiskalt erwischt werden.“ Es gibt einiges anzupacken und einige Kämpfe zu führen, wofür sich die ehemalige Taekwondoka Juliane Kuhlmann gewappnet sieht. (Von Julia Meiss)

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