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Hampel ist zur Führungsspielerin gereift: Langenselbolderin bereitet sich auf die WM vor

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Durchsetzungsvermögen und Biss hat U20-Kapitänin Anika Hampel aus Langenselbold beim Vier-Nationen-Turnier in Hamm gezeigt.
Durchsetzungsvermögen und Biss hat U20-Kapitänin Anika Hampel aus Langenselbold beim Vier-Nationen-Turnier in Hamm gezeigt. © René Weiss

In der Handball-Bundesliga der Frauen ist die Saison für Anika Hampel seit beendet, aber während ihre Mannschaftskolleginnen der HSG Bad Wildungen Kraft tanken und die freie Zeit genießen, geht es für die Langenselbolderin nahtlos weiter. Erst bestritt sie mit der deutschen U20-Nationalmannschaft ein Vier-Nationen-Turnier im westfälischen Hamm, es folgt der Lehrgang in Ismaning begonnen und am 21. Juni geht die Reise des DHB-Nachwuchses weiter zur Weltmeisterschaft in Slowenien.

Langenselbold/Hamm – „Das Jahr in der Bundesliga hat Anikas Entwicklung sehr gutgetan“, sagt U20-Bundestrainer André Fuhr. Bei ihrem nordhessischen Klub mit 18 Jahren das Nesthäkchen, hat Hampel im Nationalteam eine Führungsrolle inne. Sie ist eine von nur vier Spielerinnen im voraussichtlichen WM-Kader, die bei der U19-Europameisterschaft im vergangenen Jahr bereits Erfahrung sammelte.

Fuhr weiß, was er an der Spielmacherin hat. Sie zählt zum dreiköpfigen Mannschaftsrat, führte das Team beim ersten Turnierspiel in Hamm als Kapitänin auf das Feld und auch mit ihrer Spielweise zeigt sie, dass sie vorangeht. Unermüdlich stürzt sich der Emporkömmling, der innerhalb von drei Spielzeiten den Sprung aus der 3. in die 1. Bundesliga schaffte, in die Zweikämpfe. Hampel schont sich nicht und scheut keine Schmerzen.

„Meiner Meinung nach muss eine Mitte-Spielerin das Spiel leiten und auch vorangehen können. Ich übernehme gerne Verantwortung und möchte dem Team helfen“, beschreibt Hampel ihre Rolle, in die sie im Laufe der Zeit immer besser hineingewachsen ist. „Man merkt die Entwicklung eines Jahres - sei es durch die Bundesliga oder die EM. In manchen Momenten ist man ein bisschen gelassen und löst sie mit den gesammelten Erfahrungen cleverer. Zum Beispiel hat sich mein Umgang mit Fehlern verändert. Ich hadere nicht zu lange damit, sondern schaue nach vorne. Schließlich lebt dieser Sport von den Fehlern und der Umgang damit ist entscheidend“, sagt die Langenselbolderin, die das Handballspielen bei der JSG Buchberg lernte, zu ihrem Reifungsprozess.

Reifen muss auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Slowenien, wo das deutsche Team in der Vorrunde auf Chile, Mexiko und den Gastgeber trifft, auch das Zusammenspiel der Fuhr-Sieben. Kein Wunder, schließlich ist das Team neu zusammengestellt, einige Leistungsträgerinnen fehlen derzeit verletzungsbedingt und die drei Partien in Hamm waren die ersten Länderspiele seit Ende des vergangenen Jahres.

„Die ganzen Automatismen können wir in der Nationalmannschaft innerhalb einer Lehrgangswoche nicht festigen. Folglich gab es Spiele, in denen wir mehr über individuelle Qualitäten als über das Mannschaftstaktische kamen“, wirft die Rückraumspielerin den Blick zurück auf die Begegnungen gegen Portugal (24:25), Spanien (28:27) und Frankreich (27:29). Am Ende fehlten gegen Frankreich drei Tore zum Turniersieg, so aber sprang „nur“ der vierte Platz heraus in einem sehr ausgeglichenen Teilnehmerfeld.

Hampel bekam reichlich Einsatzzeiten. „Die Spiele waren sehr intensiv für mich, weil wir auch entsprechend Tempohandball spielen wollen. In den letzten zwei Spielen hatte ich etwas Entlastung, da ich auf Außen gedeckt habe und dort weniger Zweikämpfe führen musste. Die richtige Belastungssteuerung und Physiotherapie waren von großer Bedeutung, damit ich die Intensitäten über den Lehrgang und die drei Turniertage gehen konnte“, schildert sie die körperlichen Herausforderungen.

Das Pensum bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft ist ähnlich. Binnen vier Tagen kämpft Deutschland ab dem 22. Juni (11.30 gegen Chile) um den Einzug in die Hauptrunde. Dafür braucht das Team des DHB den ersten oder zweiten Platz in der ersten Turnierphase. „Über mögliche Platzierungen möchte ich mir keine Gedanken machen. Das erste Ziel lautet Hauptrunde, was einschließt, dass wir die Vorrundenspiele gut spielen und uns dann belohnen. Was dann passiert, werden wir im Laufe des Turniers sehen“, hält sich Hampel auf die Frage nach den WM-Zielen zurück.

Aber mit Teamgeist könnte es möglich sein, die fehlenden Überflieger im Kader (Trainer Fuhr: „Wir haben keine Spielerin mit überragenden individuellen Fähigkeiten“) zu kompensieren. „Es macht wahnsinnig Spaß, in diesem Team zu spielen. Wir spielen als Team und das merkt man auch an unserem Kampfgeist“, beschreibt die Langenselbolderin den Charakter der jungen DHB-Auswahl.

Von René Weiss

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