DRV Heusenstammer Hees und Frankfurter Byszio wollen Verband retten

Hessische Hilfe fürs deutsche Rugby

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Harald Hees will DRV-Präsident werden

Anfang der 90er-Jahre standen sie gemeinsam für die Siebener-Auswahl des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) auf dem Platz. Nun treten Harald Hees (RK Heusenstamm), Uli Byszio (SC Frankfurt 1880) und Mathias Entenmann (RG Heidelberg) wieder zusammen an.

Offenbach – Sie wollen den in Schieflage geratenen DRV retten und kandidieren daher beim Deutschen Rugby-Tag in Hannover am Sonntag als potenzielle Führungscrew. Ihre Analyse des Ist-Zustandes klingt schaurig. In einem offenen Brief heißt es: „Das deutsche Rugby ist in keiner guten Verfassung.“ Der Leistungssport (die 15er-Nationalmannschaft ist aus der ersten EM-Gruppe abgestiegen), der Breitensport und die Jugendarbeit „lassen viele Wünsche offen“. Die Verbandsführung um den seit einem Jahr amtierenden Robin Stalker gibt kein gutes Bild ab und die wirtschaftliche Lage bereitet große Sorgen. Die Insolvenz sei „kaum noch abzuwenden“, heißt es. Nachdem der „finanzielle Zuckerguss“, der mit den Mitteln von Milliardär Hans-Peter Wild (hat dem DRV nach einem Streit den Rücken gekehrt) aufgetragen wurde, inzwischen weg ist, „schaut Rugby-Deutschland auf die nackte Wahrheit“.

Die Situation klinge eventuell hoffnungslos, gibt Hees zu. Rugby lehre aber Werte, meint der in Laufach (Kreis Aschaffenburg) lebende Ex-Flugkapitän. „Nicht aufzugeben und weiter zu kämpfen steht ganz oben.“ Daher will der Vater der Nationalspieler Leon und Zinzan Hees (beide RK Heusenstamm) die Nachfolge von Stalker antreten, der sein Amt zur Verfügung stellt. Byszio (Jugend) und Entenmann (Finanzen) sind als Vizepräsidenten vorgesehen.

„Wir treten nicht an, um jemanden aus dem Amt zu drängen“, betont Byszio. „Wir bieten unsere Hilfe an.“ Man wolle „weiteren Schaden vom deutschen Rugby abwenden und einen Neuanfang wagen“. Damit kennt sich Byszio aus. Als er 2005 beim SC Frankfurt 1880 einstieg, spielte die erste Mannschaft drittklassig, Nachwuchsteams gab es nicht. Inzwischen sind die Achtziger amtierender Deutscher Meister – bei den Herren und in allen Jugend-Altersklassen.

Dieses „sehr erfolgreiche Modell“ wollen Hees und Co. nun beim DRV kopieren. Byszio bietet das Know-How als „kostenlose Dienstleistung“ an und will vier Mitstreiter aus Frankfurt mitbringen: die hauptamtlichen Jugendtrainer Michael Poppmeier (einst Kapitän des Nationalteams) und Bryce Twiname sowie Gordon Riddoch (einst französischer U20-Nationalspieler, Mit-Organisator vieler Rugby-Events) und Tilo Barz, Jugendleiter des SC 1880.

Byszio glaubt, dass der DRV durch den Streit mit Milliardär Wild eine Chance verpasst hat, will jedoch nicht nach hinten schauen: „Jetzt kommt morgen. Wir bekommen das hin. Es wird aber dauern und wir müssen von unten wieder anfangen.“ Das gilt auch für den Herren-Bereich. Bezahlte Spieler wird es dort nicht mehr geben. „Allein die Ehre, mit dem Adler auf der Brust zu spielen, muss Antrieb genug sein. So war es lange Jahre vor der Ära Wild, so wird es wieder sein“, heißt es in dem offenen Brief.

Das sei keine Schande. Im Gegenteil: Der Amateursport biete sich vielleicht sogar besser als Transporteur der traditionellen Rugby-Werte an, meint Hees. Ob es Gegenkandidaten gibt, ist offen. Der Rugby-Tag werde jedoch „sicherlich einer der spannendsten seit langem werden“.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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