HFV bricht Saison ab

Hessischer Fußball-Verband beschließt Abbruch der Saison

Beschlossene Sache: Der Hessische Fußball-Verband hat am Wochenende den Abbruch der Saison beschlossen.
+
Beschlossene Sache: Der Hessische Fußball-Verband hat am Wochenende den Abbruch der Saison beschlossen.

Die Amateurfußballsaison in Hessen wird wie erwartet abgebrochen und annulliert. Zu diesem einstimmigen Beschluss kam der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), dem die 32 Kreisfußballwarte angehören, am Samstag während einer virtuellen Sitzung. Aufgrund der aktuellen Pandemielage war von keiner anderen Entscheidung auszugehen. Selbst wenn die Politik nach dem zunächst bis zum 18.

Hanau - April fixierten Lockdown Mannschaftssport sofort und uneingeschränkt wieder zulassen würde, wäre das Zeitfenster zu klein, um mit einer angemessenen Vorbereitungsphase für die Mannschaften bis Mitte Juni in allen Ligen die Vorrunden sportlich zu beenden und werten zu können.

In Kreiskonferenzen hatten sich in den vergangenen Tagen auch die Vereinsvertreter mit großer Mehrheit für einen Saisonabbruch ausgesprochen. „Die Infektionslage lässt uns keine andere Möglichkeit“, erklärt HFV-Vizepräsident Torsten Becker (Hanau). Der gefasste Beschluss wird in den kommenden Tagen schriftlich fixiert und dann im Umlaufverfahren verabschiedet – laut Becker aufgrund der vorliegenden Fakten und Meinungen ein rein formeller Akt. „Die Meinungen in der konstruktiven Videokonferenz waren einhellig“, so Becker.

Es gibt weder Auf- noch Absteiger

Auf- und Absteiger wird es grundsätzlich keine geben, lediglich an den Schnittstellen zu überregionalen Klassen dürfen Vereine noch auf einen Aufstieg hoffen. So könnte beispielsweise der Spitzenreiter der Hessenliga, die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz einen Startplatz in der Regionalliga Süd erhalten. Diese Thematik muss in den nächsten Tagen mit übergeordneten und ebenfalls betroffenen Landesverbänden geklärt werden.

Die Pokalwettbewerbe sind vom hessenweiten Saisonabbruch nicht betroffen. Sollte die Pandemielage es in den nächsten Wochen zulassen, könnten der Hessenpokal und die Pokalwettbewerbe auf Kreisebene noch zu Ende gespielt werden.

„Natürlich fällt es uns nicht leicht, diesen Schritt zu gehen, da wir dafür stehen, den Vereinen die Wettbewerbsspielmöglichkeit zu bieten. Wir stehen für den Fußball und wollen, dass Fußball gespielt wird. Aber dieser Weg der Entscheidungsfindung ist kein Schnellschuss, sondern ein sorgsam vorbereiteter, breit abgestimmter und wohl überlegter Prozess“, sagte HFV-Präsident Stefan Reuß und fügte hinzu: „Jede andere Möglichkeit wäre in der aktuellen Situation mit den im Laufe der Pandemie erworbenen Erfahrungswerten unseren Mitgliedern gegenüber nicht zu vertreten gewesen.“ Thorsten Bastian, der Frankfurter Regionalbeauftragte und Klassenleiter der Gruppenligen Frankfurt Ost und West sieht das ähnlich. „Sicher hätten alle gerne gespielt, doch der Abbruch war in meinen Augen alternativlos.“

Diskussion um Teilung der Ligen in der neuen Saison

Längst umtreibt die Fußballfunktionäre die Frage, wie es weitergehen könnte. „Wir müssen beim Spielgeschehen hin zu innovativen und weg von starren Gedanken“, meint Bastian und präzisiert, dass er sich im Moment im Hinblick auf die mit Mannschaften vollgepackten Gruppenligen Frankfurt Ost und West beileibe keine Saison 2021/22 mit 38 oder mehr Regelspieltagen vorstellen kann. „Ligen im Bedarfsfall zu teilen, ist für mich ein unausweichlicher Ansatz. Wir werden diesbezüglich aber die Vereine mit ins Boot holen“, erklärt der Rockenberger.

Auch die Hessenliga könnte von einer Teilung betroffen sein, für den Fall, dass mehrere Absteiger aus der Regionalliga Süd in die ohnehin schon mit 20 Vereinen besetzte Liga rücken werden. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung nahm Aufsteiger 1. FC Erlensee den letzten Rang in Hessens höchster Amateurspielklasse ein. „Natürlich profitieren wir jetzt von der Annullierung, doch das ist zweitrangig. Die Pandemie überlagert alles und unabhängig von Tabellenplätzen ist im Hinblick auf die Gesundheit und das aktuelle Geschehen der getroffene Beschluss die sinnvollste Erscheinung“, sagt Chris Sickmann, der Sportliche Leiter des FCE.

Auch beim auf Tabellenplatz vier notierten Ligakonkurrenten FC Hanau 93 kann man mit der Entscheidung des Verbandes gut leben. „Der Abbruch schafft Klarheit für die Vereine, ein weiter anhaltender Schwebezustand würde niemandem helfen“, meint der stellvertretende Vorsitzende Adolfo Alonso. (Von Frank Schneider)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare