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„Hier sieht es aus wie früher, geil“: Schwimmerin Sarah Köhler auf Nostalgie-Tour im Bruchköbeler Schwimmbad

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Von: Julia Meiss

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„Hier sieht es aus wie früher.“ Weltklasse-Schwimmerin Sarah Köhler nimmt Kabinen und Spinde im Bruchköbeler Hallenbad in Augenschein. Dort hat die sportliche Karriere der Olympionikin begonnen.
„Hier sieht es aus wie früher.“ Weltklasse-Schwimmerin Sarah Köhler nimmt Kabinen und Spinde im Bruchköbeler Hallenbad in Augenschein. Dort hat die sportliche Karriere der Olympionikin begonnen. © Scheiber

Sarah Köhler ist spätestens seit dem Gewinn der Bronzemedaille über 1500 Meter Freistil bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio Deutschlands Star-Schwimmerin. Gemeinsam mit dem HA kehrte sie in das Bruchköbeler Schwimmbad zurück, wo einst der Grundstein für ihre Weltkarriere gelegt wurde.

Bruchköbel – Die 27-Jährige schlendert seelenruhig am Beckenrand entlang, schaut sich begeistert auf dem Gelände des Bruchköbeler Freibads um und kann ihre Freude nicht zurückhalten: „Hier sieht es ja noch genauso aus wie früher, geil!“ Als Sarah Köhler den Blick über die Liegewiese zwischen Frei- und Hallenbad schweifen lässt, fällt der Bruchköbelerin, die mittlerweile mit ihrem Verlobten Florian Wellbrock in Magdeburg lebt, eine Veränderung auf. „Da war früher ein Bällebad, aber die Hüpfburg ist bestimmt auch toll für die Kinder.“

Passend zum Besuch der Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2021 lässt sich am Donnerstagnachmittag auch die Sonne über Bruchköbel blicken und das Freibad in bestem Licht erscheinen. Die Leistungsschwimmerin kann daher auch gar nicht anders und taucht beim Schlendern am Beckenrand eine Hand ins Wasser. „Es ist wärmer, als ich gedacht hätte“, schmunzelt die Langstreckenspezialistin und schiebt hinterher, dass ihr das „trotzdem zu kalt ist“.

Beim Gang durch das an diesem wettertechnisch durchwachsenen und eher kühlen Tag nur spärlich besuchte Freibad, wird die Wahl-Magdeburgerin erkannt und immer wieder angesprochen. So auch von Bademeisterin Simone Münster, bei der sich Sarah Köhler sofort über die Umbaumaßnahmen des Hallenbades, das aktuell energetisch saniert wird, informiert. Schließlich ist das der Ort, an dem ihre Schwimmkarriere begonnen hat.

Zurück zu den Wurzeln: Die Wahl-Magdeburgerin freut sich über die Rückkehr ins Bruchköbeler Schwimmbad.
Zurück zu den Wurzeln: Die Wahl-Magdeburgerin freut sich über die Rückkehr ins Bruchköbeler Schwimmbad. © Scheiber

Damals ist sie mit Papa Ralf einmal pro Woche ins Schwimmbad gegangen. „Papa war in der Sauna und ich bin geschwommen und wollte dann irgendwann auch die ganzen Abzeichen machen.“ Das Seepferdchen und das Schwimmabzeichen in Bronze hat sie in Bruchköbel abgelegt. Im Schwimmbad Gelnhausen legte Sarah Köhler Silber und Gold an einem Tag ab, woraufhin ihr Papa vom Bademeister angesprochen wurde, die Tochter in einen Schwimmverein zu schicken. Damals wie heute haben Schwimmvereine Wartelisten und Sarah Köhler landete beim SC Undina Bruchköbel weit hinten auf der Liste. Also überbrückte sie die Wartezeit damit, erst mal zwei Wochen bei der DLRG zu schwimmen. „Wir sind genau vor dem Training der Undina geschwommen. Ein Trainer hat mich schwimmen sehen und dann doch schon zum Probeschwimmen eingeladen. Und dann haben sie mich genommen“, erzählt die 27-Jährige von ihren Anfängen.

„Ich kann mich erinnern, dass ich generell gerne zum Training gegangen bin und mir das immer Spaß gemacht hat. Es ist schön, jetzt hier zu sein“, schwelgt Sarah Köhler in Erinnerungen. „Ich weiß noch, dass man sich unten umzieht, dann von den Kabinen aus eine breite Treppe hochgeht und direkt am Beckenrand steht“, sagt sie mit Blick auf das eingerüstete Hallenbad. Simone Münster beteuert, dass sich daran nichts geändert habe. Vielmehr seien die Kabinen noch jene, in denen sich auch das Nachwuchstalent Sarah Köhler für das Schwimmtraining umgezogen hat.

Davon überzeugt sich die 27-Jährige selbst und nutzt die Chance, einen Blick in die untere Etage des Hallenbades zu werfen. Immerhin ist Sarah Köhler lediglich an diesem Donnerstag auf Heimatbesuch bei Oma Ruth, Papa Ralf und der Familie ihrer besten Freundin. Es ist das erste Treffen mit ihrem Papa, der ansonsten bei Wettkämpfen „immer dabei ist“, seit ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen. Damals überraschte er seine Tochter am Frankfurter Flughafen mit einer selbst gebastelten Goldmedaille und konnte wiederum selbst die Bronzemedaille in Augenschein nehmen.

Bronzemedaille zu Hause in Magdeburg vergessen

Rückblickend ist das gut gewesen, denn erst als Sarah Köhler und ihr Verlobter Florian Wellbrock, der bei Olympia Gold im Freiwasser über zehn Kilometer und Bronze im Becken über 1500 Meter holte, am Donnerstag längst auf der Autobahn waren, ist ihnen etwas wichtiges aufgefallen: „Wir haben die Medaillen zu Hause vergessen!“ Das olympische Edelmetall hat also nicht den Weg in Sarah Köhlers Heimat mit angetreten, sondern ruht auf seinem Ehrenplatz in der Vitrine im heimischen Wohnzimmer.

Eine andere Glasvitrine zieht derweil die Aufmerksamkeit der Olympionikin auf sich: Im Bruchköbeler Hallenbad sind Pokale und Auszeichnungen des SC Undina ausgestellt, die die Schwimmerin aufmerksam betrachtet. Auch wenn sich das Hallenbad gerade als Baustelle präsentiert, ist Sarah Köhler von dem Ausflug in ihre Vergangenheit fasziniert. Immerhin sind Kabinen und Spinde seit ihrer Zeit dort unverändert, wie die Freistilspezialistin feststellt.

Zurück im Freibad, orientiert sich die Athletensprecherin der deutschen Schwimmer automatisch zu einer jungen Undina-Schwimmerin, die im Freibecken ihre Trainingsbahnen abspult. Die beiden Sportlerinnen kommen sofort ins Gespräch, tauschen sich über Disziplinen und Trainingsumfänge aus.

Schwimmerinnen unter sich: Sarah Köhler unterhält sich im Freibad mit einer Undina-Athletin über deren Training. Mittlerweile schwimmt Köhler für die SG Frankfurt.
Schwimmerinnen unter sich: Sarah Köhler unterhält sich im Freibad mit einer Undina-Athletin über deren Training. Mittlerweile schwimmt Köhler für die SG Frankfurt. © Scheiber

Längst ist Sarah Köhler für die Nachwuchstalente des SC Undina Bruchköbel ein großes Vorbild, wie Trainerin Bettina Sasse nach dem Bronzegewinn im HA sagte: „Wir erzählen allen Kindern, dass Sarah mit dem Schwimmen in Bruchköbel begonnen hat.“ Das zu hören, erfüllt die Langstreckenspezialistin mit Stolz und sie gibt den Youngstern eine Motivation mit auf den Weg: „Wenn das Schwimmen Spaß macht, unbedingt dran bleiben. Ich weiß, dass das Spagat zwischen Schule und Schwimmen nicht einfach ist und immer schwieriger wird.“

Davon kann Sarah Köhler ein Lied singen, aktuell balanciert sie zwischen Schwimmen und Jurastudium an der Uni Heidelberg. Die Freistilspezialistin will ihr Examen im August 2022 schreiben und befindet sich im Moment in der Vorbereitung darauf. In welchen juristischen Bereich es sie mal ziehen wird, steht noch nicht fest: „Es gibt viele Bereiche, die mich interessieren. Aber durch den Sport hatte ich bisher nicht die Möglichkeit, Praktika zu machen oder nebenbei noch zu arbeiten, um richtig herauszufinden, in welche Richtung es gehen soll. Ich kann mir vorstellen, in den Staatsdienst zu gehen, wenn meine Noten entsprechend sind. Ich kann mir genauso gut vorstellen, in der freien Wirtschaft zu bleiben.“

Pro Woche schwimmt Sarah Köhler 80 Kilometer

Die nächsten sportlichen Ziele stehen hingegen schon fest, denn der Wettkampfkalender der offenen und sympathischen Sportlerin ist vollgepackt (siehe neben stehenden Bericht). Anfang September steigt die 27-Jährige wieder in das Training ein, was dann Umfänge von etwa 80 Kilometern im Wasser bedeutet. Dazu kommen von Montag bis Samstag täglich etwa eine bis eineinhalb Stunden Kraft- und Stabilisationstraining.

Beim Erzählen lässt Sarah Köhler immer wieder den Blick durch das Freibad schweifen, lächelt und grüßt die Bruchköbeler Badegäste. Zurück an dem Ort zu sein, an dem ihre Schwimmkarriere begonnen hat, lässt sie nicht kalt: „Es ist gerade ein bisschen emotional.“ (Von Julia Meiss)

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