1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Hoher Pegelstand der Kinzig ist ein Paradies für Wildwasserfahrer der SKG Hanau

Erstellt:

Von: Julia Meiss

Kommentare

Unter eisigen Bedingungen im Wildwasser: Die Kanuslalomfahrer der SKG Hanau sind in den letzten Wochen auf der Kinzig voll auf ihre Kosten gekommen.
Unter eisigen Bedingungen im Wildwasser: Die Kanuslalomfahrer der SKG Hanau sind in den letzten Wochen auf der Kinzig voll auf ihre Kosten gekommen. © scheiber

Hochwasser, schäumende Strömungen und einfach eine Naturgewalt: Die Kinzig hat in den letzten Tagen und Wochen bei den Kanuslalomfahrern der Ski- und Kanu-Gesellschaft (SKG) Hanau für besonders viel Spaß auf dem kühlen Nass gesorgt: Denn die Wildwasserfahrer sind bei dem Hochwasser voll und ganz auf ihre Kosten gekommen.

Hanau – „Besonders, wenn die Kinzig viel Wasser hat und der Main noch nicht so viel, dann fließt das Wasser gut ab. Dadurch entsteht etwa auf der Höhe der Hohen Landesschule eine Welle, die nutzen wir für das Training“, erzählt Markus Stroß, der bei der SKG Hanau zwei Kanuslalom-Gruppen leitet: Juniorenfahrer und Leistungsgruppe. Das beschriebene Wasserspiel zwischen Kinzig und Main komme allerdings selten vor, sodass die Wildwasserfahrer besonders in den letzten Januarwochen dieses Naturphänomen voll ausgekostet haben. Auch die letzte Kurve der Kinzig in Kesselstadt, bevor der Fluss in den Main mündet – kurz oberhalb des Tretbootverleihs –, hat die Wildwasserfahrer angelockt. Dort entstand nämlich ebenfalls eine Stufe beziehungsweise eine Welle, die besonders reizvoll zu fahren ist. „Das Spiel mit dem Wasser, wenn es unter einem durchrauscht und man die Welle surft, fühlt sich einfach sehr gut an“, erzählt Markus Stroß mit einem Grinsen im Gesicht.

Allerdings erfordern Hochwasser und reißerische Strömungen auch Respekt und sicheres Handling des Paddlers, weswegen Markus Stroß nur ausgewählte Kanuten unter seiner Aufsicht auf das Wasser gelassen hat. Sichere Handhabe der Eskimorolle und sicheres Bewegen im Wildwasser sind Voraussetzungen dafür. Heikel kann es nämlich nicht nur auf dem Wasser werden, sondern auch beim Verlassen des Flusses. „Wenn der Wasserstand sehr hoch ist, verändert sich auch das Ufer. Dann stehen da schon mal Bäume im Wasser“, ist laut dem 42-jährigen Steinheimer daher Erfahrung nötig.

Da kann auch der Trainer nicht widerstehen: Markus Stroß in den Fluten der Kinzig.
Da kann auch der Trainer nicht widerstehen: Markus Stroß in den Fluten der Kinzig. © -

Während also beim Hochwasser nur die routinierteren Kanuten aus den Leistungsgruppen ihren Weg über die Kinzig suchen, dürfen mittlerweile auch die anderen Gruppen wieder Fahrt aufnehmen – und Erfahrungen bei einem höheren Pegelstand sammeln. „Jetzt fällt der Wasserstand und wir sind wieder mit allen Trainingsgruppen auf dem Wasser.“ Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang eine mobile Trainingsstation.

Natürlich trainieren die Paddler der SKG Hanau nicht in voller Stärke, denn das lassen die aktuellen Corona-Verordnungen nicht zu. Da Kanufahren aber als Individualsport eingestuft worden ist, darf dieser in einem gewissen Rahmen ausgeübt werden – unter Einhaltung eines Hygienekonzepts. „Wir haben die Pläne entsprechend angepasst“, sagt der Sportwissenschaftler aus Steinheim. Dabei gibt es einige Unterschiede innerhalb des Klubs, denn von Kaderathleten bis jungen Einsteigern bietet die SKG jedem Paddler ein Dach. Während Kaderathleten, die zu den privilegierten Leistungssportlern zählen, schon selbstständiger sind und sowieso komplexere Einheiten absolvieren, muss besonders bei den Jüngsten zur Sicherheit ein Trainer mit auf dem Wasser sein. Prinzipiell sind bei der SKG zwei Trainer für eine Gruppe verantwortlich.

Kanusport bei der SKG Hanau

Ob Kanu, Kanuslalom oder Kanupolo als Breiten- oder Leistungssport, um überhaupt bei der SKG Hanau in ein Sportboot steigen zu dürfen, ist das Schwimmabzeichen Freischwimmer Pflicht. Darüber hinaus muss immer eine Schwimmweste getragen werden, auch Helme gehören zur Ausstattung. Das Training besonders der leistungsorientierten Athleten ist sehr vielseitig. Ausdauereinheiten wie auf der Kinzig hoch und runter paddeln, Sprinttraining für Schnelligkeitsausdauer und technische Einheiten wie das An- und Umfahren der Tore gehören zum Programm. Zum Techniktraining auf dem Wasser gehören beispielsweise Richtungsänderung, Beschleunigung und das Ausrichten des Bootes. Aber auch an Land muss trainiert werden. Bei den Jüngeren ist ein gutes Stabilitätstraining für den Rumpf, aus dem beim Paddeln extrem gearbeitet wird, elementar. Bei den älteren Athleten kommt noch Krafttraining dazu. » skg-hanau.de

Dass die Hochwasserlage mit den frostigen Temperaturen zusammengefallen ist, hält die Paddler trotzdem nicht davon ab, in die Kanus zu steigen. „Dadurch, dass wir das ganze Jahr draußen auf dem Wasser unseren Sport ausüben, sind wir in der Regel ein bisschen Härter im Nehmen“, sagt der Steinheimer lachend. Allerdings wird das Training an die eisigen Umstände angepasst und etwa auf die „wärmste“ Zeit des Tages gelegt, wenn im Idealfall noch die Sonne scheint. Auch inhaltlich können die Einheiten so angepasst werden, dass die Kinder beim Paddeln nicht nass werden. Ein weiteres Problem ist nämlich aktuell, dass die Umkleiden aufgrund der Corona-Verordnungen nicht benutzt werden dürfen. Das erfordert Kreativität des Trainerteams um Markus Stroß, denn für die Leistungssportler stehen im Februar die ersten Wettkämpfe an. Durch das Hochwasser auf der Kinzig sind die Hanauer Kanuslalomfahrer gut vorbereitet. (Von Julia Meiss)

Auch interessant

Kommentare