Jannik Ruppert springt nach Auslandsjahr gleich wieder bei der HSG Hanau ein

Aus Afrika direkt in die 3. Liga

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„Es kitzelt wieder in den Händen“: Hanaus Rückraumschütze Jannik Ruppert (links) gab beim Drittliga-Spiel in Northeim ein überraschendes Comeback. Zuvor hatte der 21-Jährige ein knappes halbes Jahr in Afrika und Asien verbracht.

Hanau - „Mit einem zweiten Paar Socken haben die Schuhe gepasst“, schmunzelt Jannik Ruppert (21). Der Rückraum-Schütze des Handball-Drittligisten HSG Hanau gab am vergangenen Wochenende nach einem fünfeinhalbmonatigen Auslandsaufenthalt sein überraschendes Comeback. Von Patrick Leonhardt

So richtig überzeugt war der gebürtige Gelnhausener Ruppert von seinem Studium der Betriebswirtschaft nicht. „Ich wollte auch die andere Seite der Medaille kennenlernen“, blickt er zurück. Und entschloss sich für eine Art „Freiwilliges Soziales Jahr“, um auch die Schattenseiten des Kapitalismus‘ kennenzulernen. Zunächst als Lehrer in einem kleinen Dorf in Tansania, anschließend unterstützte er in Südafrika die weltweit tätige christliche Organisation „Youth for Christ“ bei zwei Projekten. Er wurde dabei mit unvorstellbarer Armut konfrontiert, gleichzeitig aber auch mit riesengroßer Gastfreundschaft. „Das war eine ganz andere Welt“, blickt Ruppert zurück: „Fenster ohne Scheiben, Plumpsklo und Wasser aus einem Brunnen.“

Um etwas zurückzugeben, zu helfen, um für bessere Lebensverhältnisse zu sorgen, wandte sich Ruppert vom anderen Ende der Welt an seine Teamkollegen von der HSG Hanau, die für „Janniks Hilfsprojekte“ ein Spendenkonto einrichteten. Nach zweieinhalb Monaten in Afrika ging es für Jannik Ruppert weiter nach Südost-Asien, dann allerdings privater Natur.

Seit Ende Oktober ist er zurück in Deutschland. „Ich war schon froh, wieder zu Hause zu sein, wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben“, sagt er. Die Erfahrungen, die er in Afrika gemacht hat, will er aber auf keinen Fall missen. „Man sieht viele Dinge ganz anders.“ Das BWL-Studium ist zukünftig jedenfalls keine Option mehr für Ruppert. „Vielleicht Online-Journalismus“, blickt der 21-Jährige voraus.

Zurück in der Heimat, widmete er sich auch wieder dem Sport. Zunächst mit Laufen und Krafttraining. „Dann habe ich mich überreden lassen, wieder beim Wurftraining mitzumachen. Und da kitzelte es schon in den Händen“, erzählt Ruppert.

Am vergangenen Wochenende fuhr er dann mit den Hanauer Handballern zum Auswärtsspiel beim Northeimer HC. „Da bin ich dann sehr spontan und ungewollt in die Bresche gesprungen“, lacht Ruppert. „Ich bin nicht der Typ, der ‘nein’ sagt, ich bin schon ein Teamplayer.“ Nach der Busfahrt nach Niedersachsen saß Ruppert noch als Fan in Jeans in der Halle, als sich Trainer Patrick Beer zu ihm setzte: „Passen dir Maxis Schuhe?“ Maximilian Bergold war zwar gesund in den Bus ein-, aber mit einem Magen-Darm-Virus aus dem Bus ausgestiegen. „Er konnte definitiv nicht spielen“, erklärt Ruppert – und sprang in die Bresche. Der Rückraumspieler stand bei einem Angriff der Hanauer sogar auf dem Parkett: „Bei einer Fünf- gegen-Fünf-Situation“, schildert Ruppert seinen Kurzeinsatz.

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Während Ruppert auf dem Parkett stand, saß Maximilian Bergold in der Kabine und verfolgte per Live-Ticker den ersten Auswärtssieg der Grimmstädter – die Hanauer hatten den Linksaußen aus Versehen in der Kabine eingeschlossen. „In der ersten Hälfte war die Kabine noch offen, nach der Pause wurde dann abgeschlossen“, erklärte Jannik Ruppert. Nach dem Schlusspfiff aber freute sich auch Bergold mit der Mannschaft, verteilte Getränke an die Sieger.

Wie genau es jetzt in Sachen Handball weitergeht, das wusste Jannik Ruppert zu Wochenbeginn nicht. „Ich weiß nicht, noch ob ich am Sonntag gegen Bad Neustadt meine Sporttasche mitbringen soll“, sagte er. Angesichts eines Magen-Darm-Virus’, der ein halbes Dutzend Spieler flachgelegt hatte, wollte Hanaus Trainer Patrick Beer den Kader erst kurzfristig benennen. Ruppert ist definitiv nicht dabei: Er knickte am Donnerstag im Training um und fällt mir einer Bänderdehnung rund zwei Wochen aus. Dann aber wird der 21-Jährige wieder angreifen. In eigenen Schuhen. Und da reicht dann auch ein Paar Socken.

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