Nächster Sieg in der Aufstiegsrunde - 36:26 gegen Willstätt

HSG Hanau im Rausch: Maximilian Bergold fliegt durch die Main-Kinzig-Halle

Hatte einen Lauf: Maximilian Bergold (links) kam gegen Willstätt von der Bank, verwandelte fünf Siebenmeter und traf per Kempa-Trick.
+
Hatte einen Lauf: Maximilian Bergold (links) kam gegen Willstätt von der Bank, verwandelte fünf Siebenmeter und traf per Kempa-Trick.

Von der Tribüne aus wirkte es, als würde Maximilian Bergold ewig fliegen, in Wirklichkeit dauerte es nur Sekunden, in denen der Rückraumspieler der HSG Hanau Anlauf nahm, sprang, das Zuspiel von Außen mit einer Hand fing und den Ball per Kempa-Trick im Tor des TV Willstätt versenkte. Ihre Pflicht hatten Hanaus Drittliga-Handballer zu diesem Zeitpunkt schon erfüllt, der spektakuläre Trickwurf war die Kür, als der 36:26-Heimsieg bereits feststand. Mit diesem machte die HSG am Samstagabend einen ähnlich großen Sprung wie Bergold in jener Szene kurz vor Schluss, bis an die Tabellenspitze ihrer Gruppe in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga – zumindest für eine Nacht.

Hanau – Dabei blieben die Hausherren zunächst auf dem Boden der Tatsachen, denn der TVW war zwar durch Verletzungen dezimiert in die Main-Kinzig-Halle gereist, allerdings keinesfalls gewillt, die Punkte kampflos abzugeben.

Angeführt von Alexander Velz, der nach seinen 13 Treffern in der Vorwoche vor Selbstbewusstsein strotzte und Dreh- und Angelpunkt seines Teams war, machten die „Hanauerländer“ der HSG-Defensive das Leben schwer, sodass sich die Gastgeber nicht wie in den Spielen zuvor schon im ersten Durchgang absetzen konnten.

Chancen genug hatten die Hausherren allerdings, denn die Abwehr der Gäste, die zunächst mit einem Vorgezogen verteidigten, offenbarte schon in den ersten Minuten große Lücken. Die Hanauer nutzten diese zwar gekonnt aus, brachten es aber oft fertig, nach Durchbrüchen oder vom Kreis beste Chancen zu vergeben. Als der kurz zuvor eingewechselte Luca Braun nach einer guten Viertelstunde mit zwei Treffern in Folge für die 9:7-Führung sorgte und es kurz so aussah, als könnte die HSG sich absetzen, drehten die kampfstarken Gäste den Spieß mit einem 3:0-Lauf um.

In die Pause ging es für Hanau mit einer hauchdünnen 14:13-Führung, die angesichts der vielen hochkarätigen Chancen höher hätte ausfallen müssen.

Ihre Versäumnisse aus dem ersten Durchgang wollten die Gastgeber nach dem Seitenwechsel offenbar schleunigst wettmachen, denn sie kamen mit Feuereifer aus der Pause, erhöhten durch je zwei Treffer von Jannik Ruppert und Lucas Lorenz auf 18:14 und zwangen TVW-Coach Fredy Beker zu einer frühen Auszeit. Den Hanauern wurde dadurch der Wind aus den Segeln genommen, und Willstätt konnte bis Mitte der zweiten Halbzeit wieder auf zwei Treffer Rückstand verkürzen.

Von da an spielte den Hanauern aber in die Karten, dass sie im Gegensatz zu ihrem personell dünn besetzten Gegner auf der Bank noch jede Menge Qualität sitzen hatten, die nun zum Tragen kam: David Rivic hatte schon von Beginn der zweiten Hälfte an für mächtig Betrieb am Kreis gesorgt, Bergold glänzte nicht nur als Kempa-Schütze kurz vor dem Abpfiff, sondern auch als eiskalter Vollstrecker von der Siebenmeterlinie. Bergolds verwandelten Strafwurf zum 24:21 bezeichnete dessen Coach Hannes Geist nach der Partie als „Brustlöser“, denn von da an spielte fast nur noch Hanau.

Die zunehmend erschöpften Gäste, die das hohe Tempo der HSG lange mitgegangen waren, mussten jetzt zunehmend abreißen lassen, spätestens beim 28:23 acht Minuten vor dem Abpfiff war die Partie entschieden.

Die Schlussminuten nutzten die Hanauer schließlich für ein Schaulaufen, neben dem Kempa-Tor konnten sich auch Torhüter Sebastian Schermuly sowie die beiden A-Jugendlichen Nils Schröder und Cedric Schiefer mit sehenswerten Treffern in die Torschützenliste eintragen.

„Wir waren auf der Bank nur sehr dünn besetzt und mussten improvisieren“, meinte Beker anschließend zum Spiel, „Hanau hat aufs Tempo gedrückt, weshalb es für uns sehr schwierig war.“ Der 36:26-Sieg der Hanauer gehe in Ordnung, sei aber „vielleicht ein paar Tore zu hoch ausgefallen.“

Geist hingegen war mit dem zweiten Kantersieg in Folge hochzufrieden, „auch wenn wir in der ersten Halbzeit in der Deckung nicht konsequent genug waren und im Angriff einige Bälle liegengelassen haben. In der zweiten Hälfte haben wir die Tore dann gemacht, das war“, so der HSG-Coach mit Blick auf das deutliche Endergebnis, „der Unterschied.“

HSG Hanau: Sebastian Schermuly (1), Fabian Tomm; Jonas Ahrensmeier (2), Maximilian Bergold (7/5), Luca Braun (3), Marius Brüggemann (1), Björn Christoffel (3/3), Dennis Gerst (4), Lucas Lorenz (3), Robin Marquardt (3), Yaron Pillmann, David Rivic (3), Jannik Ruppert (2), Cedric Schiefer (1), Nils Schröder (1), Marc Strohl (2) – Schiedsrichter: Kuschel/Senk – Siebenmeter: HSG 10/8, TVW 6/4 – Zeitstrafen: HSG 4, TVW 3

Von Robert Giese

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare