Nach überstandener Viruserkrankung

Hürdenläuferin Eileen Demes hat große Ziele

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Eileen Demes

Offenbach - Nach einem bitteren Jahr 2017 soll 2018 wieder die Post auf der Bahn abgehen. Die aus Obertshausen stammende 400-Meter-Hürdenläuferin Eileen Demes formuliert ehrgeizige Ziele. Trainer Robert Schieferer hält die Teilnahme an der Leichtathletik-Europameisterschaft (6. bis 12. August 2018) in Berlin für durchaus realistisch. Von Jörg Moll

Nach einem glänzenden Jahr 2016, in dem sie bei der U20-WM Vierte im Einzel und in der Staffel sowie deutsche Vizemeisterin der Frauen wurde, war das Jahr 2017 für Eileen Demes eine große Enttäuschung. Das Pfeiffersche Drüsenfieber bremste die Hürdenläuferin abrupt und brutal aus. Weil sie bis März kaum trainieren und nur einen Wettkampf bestreiten konnte, brach sie die Saison vorzeitig ab. Zu allem Überfluss gesellte sich auch noch eine allergische Reaktion hinzu, die von einer Schimmelbildung in der renovierten Wohnung herrührte. „Das haben wir erst viel später herausgefunden“, sagte Demes.

Die Folgen waren gravierend: Statt Wettkämpfen stand erstmal nur wohldosiertes Training auf dem Programm. „Wir mussten die Intensität reduzieren“, sagte Trainer Robert Schieferer. Ruhige Dauerläufe waren die Basis, später kamen hürdenspezische Übungen hinzu. „Es war eine schwere Zeit“, räumte die 20-Jährige ein, die an der European Business School in Oestrich General Management studiert. Umso größer ist die Vorfreude auf die neue Saison. „Zurzeit sieht alles sehr gut aus“, meint die deutsche Hürdenlaufhoffnung, die 2016 im Halbfinale der U20-Weltmeisterschaft im polnischen Bydgoszcz in 57,13 Sekunden eine persönliche Bestzeit aufgestellt hatte, als Vierte im Finale dann aber knapp den Sprung aufs Podest verpasste.

Die genauen Qualifikationskriterien für die Heim-Europameisterschaft in Berlin sind mittlerweile bekannt. Um die Norm zu schaffen, müsste Demes eine neue Bestzeit aufstellen. „Ich habe mit einer Zeit von 56,40 Sekunden gerechnet“, meint Schieferer: Nun sind es sogar „nur“ 56,50 Sekunden geworden. „Das ist zwar immer noch ambitioniert, aber zu schaffen“, meint Schieferer. Drei Startplätze wird der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) vergeben. Demes zählt zu den vier aussichtsreichsten Kandidatinnen in Deutschland. Um den Anforderungen gerecht zu werden, wurde ein neuer Trainingsplan ausgetüftelt.

„Mehr Einheiten und mehr Trainingslager“, benannte Schieferer als zentrale Neuerungen. Schon im Januar wird Demes, die traditionell auf die Hallenrunde verzichtet, mit dem Förderkader des DLV zwei Wochen auf Teneriffa trainieren. Im März folgen zwei weitere Wochen auf Madeira. Dort wird auch ihr Heimtrainer Schieferer vom Hessischen Hürden- und Sprintteam vor Ort sein.

Eileen Demes ist Neu-Isenburgs Sportlerin des Jahres

Dessen Trainingsplanung vertraut die für den TV Neu-Isenburg startende Oberts-hausenerin voll und ganz. „Ich bin überzeugt, dass er sich das Richtige ausgedacht hat“, sagt sie. Das Lachen bei diesen Worten ist ansteckend. Die Enttäuschung von 2017 ist längst verarbeitet und Optimismus sowie großen Träumen gewichen. Die Heim-Europameisterschaft in Berlin, wo Schwester Lara lebt, ist das erste Etappenziel. Fernziel bleibt die Olympiateilnahme 2020 in Tokio. Sollte das klappen, wird Demes sogar ihr Studium neu organisieren müssen. Bis 2019 läuft das Stipendium an der European Business School in Oestrich-Winkel, das auch ein Auslandssemester beinhaltet.

„Sollte es mit den Spielen in Tokio 2020 klappen, werde ich das erst danach angehen“, blickt Demes voraus. Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst will die Obertshausenerin einfach nur gut in die Vorbereitung auf die neue Saison kommen. Ganz oben auf ihrem Wunschzettel steht für 2018 ein Wort: Gesundheit. Absolut verständlich angesichts ihrer Leidengeschichte.

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