JUNGE SPORTLER UND CORONA / „Ich hoffe, dass 2021 sehr viel bringt“

Offenbacher Boxer Luca Cinqueoncie träumt von voller Stadthalle

Boxen im Autokino: Lediglich zwei Kämpfe konnte Profi und Junioren-Weltmeister Luca Cinqueoncie (links) corona-bedingt 2020 absolvieren, unter anderem in einem Autokino in Düsseldorf gegen den Tschechen Pavel Albrecht. Meist trainierte Cinqueoncie aber alleine (rechtes Bild).
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Boxen im Autokino: Lediglich zwei Kämpfe konnte Profi und Junioren-Weltmeister Luca Cinqueoncie (links) corona-bedingt 2020 absolvieren, unter anderem in einem Autokino in Düsseldorf gegen den Tschechen Pavel Albrecht. Meist trainierte Cinqueoncie aber alleine (rechtes Bild).

Für den erfolgsverwöhnten Offenbacher Luca Cinqueoncie fühlt es sich an, als hätte ihn ein Schlag auf die Bretter befördert. Er sei „in vielerlei Hinsicht eingeschränkt“, meint der Linksausleger, der vor anderthalb Jahren der jüngste deutsche Profiboxer wurde, mit Blick auf die corona-bedingten Restriktionen. Vor allem wurde die Titeljagd des 19-Jährigen erst mal ausgebremst.

Offenbach - Ende 2019 war er erster Junioren-Weltmeister des Verbandes WBF im Halbschwergewicht (bis 79,2 kg) geworden. Den Gürtel der GBU gewann er damals gleich mit. 2020 sollten weitere Titel folgen. So war es geplant. Aber die Pandemie ließ es nicht zu. Auch die Auszeichnung als Offenbachs Sportler des Jahres fiel flach. „Ich hätte von der Stadt im März geehrt werden sollen“, sagt Cinqueoncie. Die Einladung hatte er bereits erhalten. Dann kam telefonisch die Absage. Ein Event mit Zuschauern im Capitol war damals trotz Hygienekonzept nicht denkbar. „Das ist schade. Ob es nachgeholt wird, weiß ich nicht.“

Luca Cinqueoncie

Alter: 19 Jahre

Geburtsort: Offenbach

Größe: 1,91 Meter

Boxprofi seit: 2018

Gewichtsklasse: Halbschwergewicht (bis 79,2 kg)

Bilanz als Profi: elf Kämpfe, elf Siege

Erfolge: Junioren-Weltmeister der Verbände WBF und GBU

Auch verschiedene Termine mit TV-Sendern, die über den erfolgreichen Boxer berichten wollten, wurden abgesagt - ebenso „viele Kämpfe, die mich weitergebracht hätten“, berichtet er. „Das ist wie beim Fußball. Ohne Zuschauer ist es kaum möglich, die Kosten zu decken.“ Zwei Kämpfe fanden 2020 immerhin statt: Einer im Juni im Autokino in Düsseldorf („Das war ganz cool“) sowie einer im Oktober in Gelsenkirchen. „Das war eine Geister-Veranstaltung - nur Kämpfer und Ringrichter. Mein Vater musste draußen warten, was für mich nicht leicht war, da es mir immer sehr wichtig ist, die Familie dabei zu haben“, gibt Cinqueoncie zu. In der Folgezeit hätte er noch einmal kämpfen sollen. „Es wurde aber alles abgesagt.“ Auch im Ausland kamen keine Duelle zustande.

Zwischen dem ersten Lockdown im März und dem zweiten im November/Dezember gab es für ihn keinen wirklichen Unterschied, betont das große Box-Talent. „Ich habe mein Ding in beiden Fällen durchgezogen und viel draußen trainiert.“ Als Profi hätte er zwar weiterhin im Boxcamp Kickers Offenbach trainieren dürfen, dieses erhält jedoch gerade einen neuen Ring. Also verlegt Cinqueoncie die Übungseinheiten trotz Kälte an die frische Luft und improvisiert etwas. „Ich gehe Laufen, mache Schattenboxen und trainiere teilweise mit Kollegen, weil es sonst auf Dauer schon etwas langweilig wird, immer alles alleine zu machen.“

Gerne hätte der als Profi noch ungeschlagene Vorzeige-Athlet aus Offenbach (1,91 Meter, 79 Kilo, elf Kämpfe, elf Siege) auch seine Karriere als Model vorangetrieben. Aber auch hier machte ihm die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Im Februar unterzeichnete er einen Vertrag bei der Agentur East West Models in Frankfurt. Kurz darauf folgte der erste Lockdown. „Ich hatte einen Auftrag in Berlin für Adidas, der wurde abgesagt.“

Dennoch kann der Offenbacher den Einschränkungen auch etwas Positives abgewinnen. Er habe sich noch mehr in der Erdbau- und Abbruchfirma seines Vaters Michael engagiert und zudem viel für die Berufsschule gelernt. „Im März steht die Zwischenprüfung an. Da kommt es mir gelegen, dass alles zu ist“, meint Cinqueoncie.

Vor der Zwischenprüfung will er allerdings noch mal im Ausland sportliche Erfahrung sammeln. Es sei geplant, im Februar vier, fünf Wochen nach Florida zu fliegen, dort zu trainieren und zum Abschluss einen Kampf zu absolvieren. „Es geht unter anderem darum, mit dem Jetleg klarzukommen, und zu sehen, wie die Leute dort drüben trainieren und kämpfen.“ Doch das soll alles nur Teil der Vorbereitung auf den Höhepunkt des Jahres sein. „Ich hoffe, dass 2021 für mich sehr viel bringt“, sagt Cinqueoncie, der versuchen will, so gut wie möglich zu trainieren, um mindestens einen neuen Titel zu holen. Eventuell sogar „einen der fünf großen Verbände“ (IBF, WBC, WBA, WBO, IBO) und im Optimalfall in Offenbach. „Ziel ist es, die Stadthalle vollzumachen“, verrät der Junioren-Weltmeister. Zumindest will er seine zwei Titel verteidigen. Sollte ein anderer offen sein oder es sogar gelingen, einen amtierenden Titelverteidiger herauszufordern: Umso besser. Eine volle Stadthalle hält Cinqueoncie absolut für realistisch. „Das wurde in Offenbach ja schon mal gemacht“, sagt er. Zuletzt 2016, als unter anderem der Frankfurter Enad Licina für einen Profi-Wettkampf vor 1700 Fans in den Ring stieg. Cinqueoncie schränkt jedoch ein: „Das alles ist natürlich nur möglich, wenn Corona ein Ende hat.“

Von Christian Düncher

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