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Adolf Glöckler peilt mit 88 Jahren WM-Medaille im Hammerwerfen an

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Von: Jan Lucas Frenger

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Das Treppchen im Visier: Adolf Glöckler rechnet sich für die WM gute Chancen aus. Neben dem Hammerwerfen ist der Sportler des ASC Neu-Isenburg unter anderem auch für den 100-Meter-Lauf gemeldet.
Das Treppchen im Visier: Adolf Glöckler rechnet sich für die WM gute Chancen aus. Neben dem Hammerwerfen ist der Sportler des ASC Neu-Isenburg unter anderem auch für den 100-Meter-Lauf gemeldet. © privat

Neu-Isenburg – Mit 88 Jahren dürften die meisten ihre sportliche Karriere wohl längst an den Nagel gehängt haben. Ganz anders Adolf Glöckler. Selbst im hohen Alter steht der Frankfurter noch regelmäßig auf dem Sportplatz und lässt den Hammer für den ASC Neu-Isenburg durch die Lüfte sausen – und das mit großem Erfolg.

Ab Donnerstag geht Glöckler bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Seniorenbereich im finnischen Tampere für Deutschland in der Altersgruppe 85 bis 90 an den Start, wo er sich bis zum 10. Juli mit Sportlern aus aller Welt misst. „Derzeit trainieren wir dreimal die Woche“, erläutert sein Trainer Wolfgang Brandt.

Er lobt die Motivation seines betagten Schützlings. „Er ist mit seinen 88 Jahren noch fitter als so mancher Jungspund“, sagt Brandt über den ältesten Athleten beim ASC – auch wenn dieser manchmal über das Ziel hinausschießt. „Adolf hat sehr großen Ehrgeiz, weshalb ich ihn im Training sogar bremsen muss, damit er sich nicht überfordert.“

Aus diesem Grund habe er Glöckler, der bei der WM auch in den Disziplinen Gewichtwerfen und 100-Meter-Lauf gemeldet ist, pro Trainingseinheit zehn bis 15 Würfe mit dem Hammer verordnet. „Er strotzt regelrecht vor Tatendrang, was in dem Alter wirklich erstaunlich ist“, so Brandt, der Glöckler trotz neun weiterer Kontrahenten in seiner Altersgruppe gute Chancen ausrechnet: „Adolf kann es definitiv schaffen, auf einen Podiumsplatz zu kommen. Seine bisherige Bestmarke liegt bei 33,65 Metern – da wollen wir wieder hin.“ Glöckler sei zudem äußerst wettkampferprobt und ließe sich nur schwer aus der Ruhe bringen.

Und auch der Athlet selbst gibt sich kurz vor der WM zuversichtlich. „Meine Chancen auf eine Top-Platzierung stehen nicht schlecht, eigentlich müsste ich mit der Weltspitze mithalten können“, so Glöckler. „In Finnland wird es für mich wichtig sein, vor den Wettkämpfen zu entspannen und Ruhe zu finden, um meine Konzentration hochzuhalten.“ Der zeitliche Ablauf bei der WM in Finnland erlaubt es dem gebürtigen Russen jedoch nicht, auch in allen Disziplinen anzutreten, für die er gemeldet ist. „Ich muss mich zwischen Hammerwerfen und dem 100-Meter-Lauf entscheiden, was mir schwerfällt, da ich mich momentan sehr sprintstark fühle.“

Dass Glöckler, der 1934 in Moskau geboren wurde, überhaupt einmal bei einer Weltmeisterschaft den Hammer in der Hand halten würde, war lange Zeit gar nicht absehbar – viele Jahre war sein Steckenpferd der Kraftsport. 1993 zog es den studierten Bauwissenschaftler aus Moldawien, wo er sich jahrelang als Trainer und Aktiver engagiert hatte, als Spätaussiedler in seine heutige Wahlheimat Frankfurt.

Erst 25 Jahre später entdeckte Glöckler dann schließlich das Hammerwerfen für sich. „Ich habe lange Zeit im Bereich Powerlifting und Bodybuilding gearbeitet, dabei jedoch die Leichtathletik vernachlässigt. Dann habe ich gemerkt, dass ich für mein Alter noch gute Schnelligkeits- und Kraftwerte habe, die für Hammer- und Gewichtwerfen geeignet sind“, erläutert der 88-Jährige.

2018 versuchte Glöckler daher sein Glück als Hammerwerfer bei Eintracht Frankfurt. Und siehe da: Bereits ein Jahr später, bei den Deutschen Meisterschaften, schleuderte er den Hammer auf 33,65 Meter – persönlicher Bestwert und damaliger deutscher Rekord. „Ich war selbst überrascht, dass sich nach so kurzer Zeit schon solche Perspektiven ergeben haben“, meint Glöckler.

Trotz seiner Erfolge wechselte der ambitionierte Sportler 2021 von der Eintracht zum ASC nach Neu-Isenburg. „In Frankfurt fühlte ich mich eher als Randfigur, musste alle Wettkampfaufwendungen aus eigener Tasche von meinem schmalen Renteneinkommen bezahlen – das war kaum möglich.“ Beim ASC fühle er sich hingegen „deutlich besser aufgehoben und wahrgenommen“.

Trainer Brandt, der seitdem eng mit dem Hammerwerfer zusammenarbeitet, kann das nur bestätigen. Für ihn sei Glöckler auch ein „Zugpferd“, mit dessen Hilfe noch mehr Menschen für das Leichtathletikangebot des ASC begeistert werden sollen. „Seine eigenen Vorstellungen sind zwar gelegentlich eine echte Herausforderung für mich als Trainer, lange Diskussionen und Bildmaterial können ihn dann aber doch überzeugen“, meint Brandt scherzhaft.

Für Glöckler könnte es bei der WM in Finnland, wo neben ihm auch noch ältere Athleten an den Start gehen, also bald den nächsten Erfolg in der noch jungen Leichtathletik-Karriere geben.

Von Jan Lucas Frenger

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