Ein Hanauer und eine Offenbacherin im Internat von Eintracht Frankfurt

Im Einsatz für junge Talente am Riederwald

Im Gespräch: Per Call und damit im Reinen mit den aktuellen Corona-Verordnungen, sprechen Rafael Francisco und Chrissoula Disch mit HA-Redakteurin Julia Meiss.
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Im Gespräch: Per Call und damit im Reinen mit den aktuellen Corona-Verordnungen, sprechen Rafael Francisco und Chrissoula Disch mit HA-Redakteurin Julia Meiss.

Den Talenten im Internat des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt ein Zuhause geben: Das haben sich der Hanauer Rafael „Rafa“ Francisco und die Offenbacherin Chrissoula Disch zur Aufgabe gemacht.

Frankfurt/Hanau/Offenbach – Chrissoula Disch und Rafael Francisco haben in ihrer Arbeit für das NLZ ihre Berufung gefunden. Sind die Offenbacherin und der mittlerweile in Frankfurt lebende „Rafa“ nun für die Rundumbetreuung der elf Jungs im Internat zuständig, waren sie vorher in komplett anderen Berufen zu Hause.

Die 59-jährige Chrissoula Disch kommt aus der Hotelbranche, arbeitete vor ihrem Engagement bei den Adlerträgern im Backoffice einer Postbankfiliale. Die gebürtige Griechin hatte schon immer ein Faible für Fußball, war Trainerin bei der SG Rosenhöhe Offenbach. Schließlich hat es sie als Betreuerin der U11 und U12 zur Eintracht an den Riederwald verschlagen, bis die Verantwortlichen ihr wahres Talent erkannten und sie als „Internats-Mama“ einstellten. Die „Mama der Kompanie“, wie Chrissoula Disch liebevoll genannt wird, beginnt ihren Arbeitstag im NLZ um sechs Uhr morgens mit dem Vorbereiten des Frühstücks.

Fußball-Talente lernen von der Offenbacherin Wäschewachen

Nach Eier kochen und Gemüse schnippeln startet die 59-Jährige ihre Weckrunde – wobei manche der Jungs eine zweite oder sogar dritte Aufforderung zum Aufstehen brauchen. Wer mal ganz spät dran ist und keine Zeit mehr für das Frühstück hat, bekommt von ihr noch schnell einen Bananenshake gezaubert und das fertige Schulbrot in die Hand gedrückt.

„Sie sind für mich wie meine eigenen Kinder und deswegen möchte ich sie bestmöglich auf das Leben vorbereiten“, erzählt die dreifache Mama, die ihren Internatsschützlingen praktische Erfahrungen fürs Leben mitgibt. Die Jungs lernen bei Chrissoula Disch beispielsweise Wäschewaschen, Kochen oder auch, wie der Kleiderschrank ordentlich gehalten wird.

Rafael Francisco ist in Hanau-Großauheim aufgewachsen

Dabei hat sie immer ein offenes Ohr für die jungen Fußball-Talente – explizit auch für Themen außerhalb des sportlichen Bereichs. „Wir haben viele internationale Jungs, die weit weg von ihren Familien sind und sich an einen anderen, komplett neuen Rhythmus gewöhnen müssen“, kümmert sich die „Mama der Kompanie“ um die Sorgen und Ängste der aktuell elf Internatsschüler.

Das gilt auch für Rafael Francisco. Der gebürtige Spanier ist in Großauheim aufgewachsen, lebte zuletzt in Klein-Auheim und ist seit etwa einem Jahr in Frankfurt heimisch.

Hanauer ist direkte Anlaufstation für alle Jugendkicker

Bis 2015 arbeitete „Rafa“ in seinem gelernten Job als Bankkaufmann, ist aber schon seit 2006 als Betreuer am Riederwald tätig. Seine Aufgaben am NLZ und im dazugehörigen Internat umreißt der 46-Jährige mit „sehr abwechslungsreich und auch mal vogelwild“. Er ist für die Materialverwaltung und den Fuhrpark zuständig, erledigt Fahrten außer Haus. Sein Büro hat er am Puls des Geschehens im Kabinentrakt und ist somit ebenfalls eine direkte Anlaufstation für alle Jugendkicker.

Außerdem fährt er die Talente beispielsweise an den Flughafen oder zu Arztterminen. Besonders die Fahrten nutzt „Rafa“, um mit den jungen Kickern ins Gespräch zu kommen. „Ich versuche, so viel wie möglich über die Jungs zu erfahren, über ihre Herkunft, Familie und Freunde. Dabei lernen sie auch mich kennen“, weiß der gebürtige Spanier, dass gegenseitiger Informationsaustausch eine Vertrauensbasis schafft.

Musikauswahl ist Sache der Jungkicker

Die Musikauswahl auf Fahrten überlässt er übrigens ganz den Kids: „Die Jungs suchen immer die Musikrichtung aus. Ich bin da ganz entspannt und finde es interessant, was sie hören. Mittlerweile kann ich aber immer öfter entspannt Radio hören, denn heutzutage hören die Jungs meistens ihre Musik über ihr Smartphone.“

Am wohlsten fühlt sich „Rafa“ Francisco, wenn möglichst viele der Nachwuchsfußballer um ihn herumwuseln – das gilt nicht nur für Jungs aus dem Internat, sondern die kompletten Jugendmannschaften: „Die schönste Zeit des Tages ist für mich, wenn 100 Kids um mich herum sind.“

Talente in Sachen Sozialkompetenz unterstützen

Chrissoula Disch und Rafael Francisco stehen den Jugendlichen im Internat also immer mit Rat und Tat zur Seite. „Die wenigsten der Jungs werden tatsächlich Profi-Fußballer. Daher wollen wir helfen, dass sie das Beste aus sich rausholen – in der Schule, im Sport, in der Entwicklung und in Sachen Sozialkompetenz“, sagt „Rafa“ und erntet zustimmendes Nicken von der „Mama der Kompanie“.

Auch wenn es die Talente nicht in den Profifußball schaffen, so haben der Hanauer und die Offenbacherin in jedem Fall Respekt vor der Leistung der jungen Menschen, die das Abitur ablegen, während sie Profisport betreiben.

Weihnachtsbäckerei im Eintracht-Internat muss geschlossen bleiben

Durch die Corona-Pandemie ist die Arbeit von Chrissoula Disch und Rafael Francisco nicht einfacher geworden. Besonders zu schaffen macht den beiden Südländern, die typischerweise sehr gesellig sind und die Nähe zu den Mitmenschen suchen, die Distanzregel. Ausnahmen gibt es aber keine im Internat.

„Im Umgang mit dieser Pandemie geht es schließlich auch um gegenseitigen Respekt. Das setzen wir um, auch wenn es uns schwerfällt“, sagt „Rafa“. Daher musste in diesem Jahr die von der NLZ-Familie geliebte Weihnachtsbäckerei, bei der Chrissoula Disch mit den Internatsschülern gemeinsam Plätzchen für deren Eltern und die Jugendtrainer der SGE backt, ausfallen.

Die fehlende Nähe gleichen Rafael Francisco und Chrissoula Disch durch noch mehr Aufmerksamkeit und Kommunikation aus, denn für beide gilt der gleiche Grundsatz: „Die Kinder stehen im Mittelpunkt. Das Kindeswohl ist das A und O.“ Belohnt werden die beiden Berufenen mit Vertrauen und Freundschaften, die auch nach der Zeit der Jungs im Internat nicht abreißen.

Mit Feuereifer bei der Sache: Chrissoula Disch ist im Internat des Bundesligisten Eintracht Frankfurt die „Internats-Mama“. Aufgrund der Corona-Verordnungen muss das Plätzchen backen dieses Jahr ausfallen.
Fahrdienste erledigt Rafael Francisco.

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