Rodenbach

Interview: Nieder- und Oberrodenbacher Spieler im Gespräch

Dominik Buss (links) und Karim Hinz kicken zwar jeweils für den Ortsrivalen, bewiesen aber beim gemeinsamen Interview in einem Rodenbacher Eiscafé, dass das der Freundschaft keinen Abbruch tut. Foto: Swierzy

Fußball. Kreisoberliga-Tabellenführer Eintracht Oberrodenbach und erster Verfolger und Ortsrivale Germania Niederrodenbach machen den Aufstieg in die Gruppenliga in dieser Saison unter sich aus. Am Samstagnachmittag (16 Uhr) steht das Derby der beiden Kreisoberliga-Schwergewichte an.

Von Philipp Swierzy

Wir haben vor dem Topspiel mit zwei Spielern gesprochen. Dominik Buss (Eintracht Oberrodenbach) und Karim Hinz (Germania Niederrodenbach) kennen sich in beiden Klubs gut aus. Beide sind jeweils vom einen zum anderen Ortsrivalen gewechselt.

Am Samstag steht das Kreisoberliga-Derby an, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Wie ist die Stimmung vor dem Spiel in den Klubs? Buss: „Bei uns ist die Stimmung eigentlich immer ganz gut. Aber es sind jetzt einige Trainingseinheiten und Spiele ausgefallen. Ich will nicht sagen, dass wir unvorbereitet in das Spiel gehen, aber wir hatten schon mal bessere Vorbereitungen auf ein Spiel.“

Hinz: „Bei uns ist jeder heiß. Ich denke bei so einem Derby kann man sich immer auszeichnen. Dafür spielt man Fußball. Es wird ein super Spiel vor vielen Zuschauern. Das Spiel ist vielleicht eine kleine Vorentscheidung dafür, wie die Saison ausgehen wird.“

Die bisherige Saisonbilanz beider Teams kann sich sehen lassen. Es scheint das Spiel der beiden qualitativ besten Teams der Liga zu sein? Buss: „Das glaube ich schon. Die beste Offensive gegen die beste Defensive. Es ist unwahrscheinlich, dass einer dieser beiden Klubs nicht aufsteigt.“

Hinz: „Es gibt natürlich zwei, drei Klubs, die man auch noch auf dem Schirm haben muss. Zum Beispiel Kewa Wachenbuchen. Aber ich denke, beste Offensive gegen beste Defensive trifft es ganz gut.“Welche Schlagzeile würden Sie nach dem Derby gerne lesen?

Buss: „Hat Oberrodenbach den Titel damit schon klar gemacht?“

Hinz: „Germania auf Platz eins.“

Die Winterpause war aufgrund der Witterungsbedingungen extrem lang. Können Sie schon abschätzen, welcher Klub in der Rückrunde die Nase um den einzigen direkten Aufstiegsplatz vorne haben wird? Buss: „Die lange Winterpause und das wir jetzt viele Spiele unter der Woche haben werden, macht es schwieriger. Da ist es wichtig, dass du viele Spieler hast, die auch da sind. Das ist ein kleiner Vorteil für Niederrodenbach, weil sie einfach viel mehr Spieler im Kader haben. Bei uns sind viele Spieler, so wie ich, die unter der Woche nicht da sind. Da geht man irgendwann auf dem Zahnfleisch.“

Herr Hinz, sie fallen derzeit verletzt aus und können beim Derby nur zuschauen. Wann sind sie wieder einsatzbereit? Hinz: „Ich habe mir im Freundschaftsspiel gegen Jügesheim die Bänder in der Schulter gerissen. Ich denke, dass ich die nächsten Wochen wieder zurückkomme. Ich trainiere momentan schon wieder mit der Mannschaft. Zumindest gehe ich mit Laufen, aber bei Zweikämpfen bin ich noch vorsichtig.“

Sie sind beide jeweils zum Ortsrivalen gewechselt. Was war ausschlaggebend für Ihre Entscheidung? Hinz: „Ich wollte fußballerisch eine Schippe drauflegen. Und ich dachte mir, dass man bei einem neuen Trainer nochmal einiges lernen kann. Vor allem auch, dass ich im zentralen Mittelfeld meine Chance bekomme. Das wurde mir auch vor dem Wechsel versprochen. Ich denke, dass ich mich in dem halben Jahr in Niederrodenbach auch schon ganz gut weiterentwickeln konnte.“

Buss: „Sportlich hatte ich keinen Grund zu wechseln. Ich habe mich in Niederrodenbach gut zurechtgefunden, kam auch mit Trainer Jochen Breideband und den Jungs gut klar. Nur ich habe eben angefangen abends zu studieren, wodurch ich weniger Zeit zum Trainieren hatte. In Oberrodenbach war es dann einfach einen Tick leichter an der Mannschaft dran zu bleiben, auch wenn man nicht im Training da sein kann. Abends nach der Uni kann ich hier noch ins Vereinsheim gehen. Überall sind Leute, man trinkt nochmal ein Bierchen, es fällt einem einfacher, den Kontakt zu den Jungs zu halten. Wenn ich nach der Uni noch nach Niederrodenbach fahren würde, wäre wahrscheinlich nur noch die Putzfrau da.“

Den Wechsel hat Ihnen niemand aus Ihrem vorherigen Vereinsumfeld übelgenommen? Buss: „Böses Blut gibt es eigentlich nicht. So mancher nimmt es einem bestimmt übel, aber in Summe verstehe ich mich mit den Jungs noch super gut, auch mit Karim zum Beispiel. Jochen Breideband und ich sind jetzt nicht mehr die besten Freunde, aber wir verstehen uns auf jeden Fall noch gut.“

Hinz: „Ich glaube diese Rivalität gibt es eher unter den älteren Leuten. Wir jungen Spieler verstehen uns allesamt gut.“

Was war an Ihrem vorherigen Klub besser als beim Neuen?

Hinz: „In Oberrodenbach war das Vereinsleben einfach überragend. Das kann man nur schwer toppen. Niederrodenbach konzentriert sich mehr aufs fußballerische.“

Buss: „Das würde ich unterschreiben. In Oberrodenbach ist es familiärer. Das ist auch ein Grund, warum ich gewechselt bin. Das ist einfach überragend hier, sowas habe ich noch nie erlebt. Jeden Dienstag, jeden Donnerstag, jeden Sonntag hast du da Spaß ohne Ende.“

Die Rodenbacher Klubs dominieren die Liga. Es gibt viele Topspieler in beiden Teams. Wer sticht in Ihrem Team noch aus dem Kollektiv heraus? Hinz: „Wir haben nicht den einen Topspieler. Wir sind, verglichen mit Oberrodenbach, im Kollektiv gut. Die haben drei, vier gestandene Spieler, die jeder kennt, vor denen jeder Angst hat. Dejan Gesch kann man bei uns vielleicht nennen. Ansonsten sind wir alle ziemlich auf demselben Niveau.“

Buss: „Wir haben viele gute Spieler. Vorne natürlich Rodney Kurz, der hat uns schon oft den Arsch gerettet. Ronny Barthelmie ist auch immer stark am Ball. Dann haben wir hinten in der Abwehr noch den Alex Blocher, ein überragender Verteidiger. Aber ich will da eigentlich niemanden herausheben. Wir haben viele gute Jungs.“

Hinz: „Der Beste ist ja gegangen (schmunzelt).“

Was sollte in der Rückrunde noch besser funktionieren, damit der direkte Aufstieg gelingen kann? Hinz: „Ich bin eigentlich zufrieden. Wir lassen wenige Gegentore zu, könnten aber noch mehr Tore schießen. Ich selbst möchte einfach wieder fit werden und dann von Anfang an spielen.“

Buss: „Wir müssen gucken, dass wir fit bleiben. Wir haben nicht so viele Jungs. Persönlich habe ich ein paar Spiele verpasst, weniger trainiert. Deswegen hoffe ich, dass ich bei so vielen Spielen wie möglich mitmachen kann. Und ein paar Tore wären auch nicht schlecht. Ich hätte auch 15 statt nur bisher fünf Tore schießen können.“

Bleiben Sie Ihren Teams über die Saison hinaus erhalten? Hinz: „Ich bin 21, fange jetzt mein Studium an und bin heiß weiter zu spielen. Es sieht so aus, dass ich bleibe, aber wir führen auch Gespräche. Es ist schon so, dass ich nächstes Jahr Gruppenliga spielen möchte.“

Buss: „Dann musst du ja zu uns kommen (lacht). Ich habe auch weiterhin Bock auf Fußball. Auch mit der Truppe, die wir haben. Bei mir ist es aber beruflich etwas schwieriger geworden. Es kann sein, dass ich in der Region Berlin bleiben oder woanders hin muss. Wenn das so ist, dann werde ich nicht wie jetzt die ganze Zeit hin und her pendeln. Ansonsten spricht aber für mich nichts dagegen, weiter bei Oberrodenbach zu bleiben, weil sie mir auch total entgegengekommen sind.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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